4. Großsteingräber bei Visbek, Endel, Halter

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

13. Großsteingrab Stüvenmühle (975)

13a, b. zerstörte Großsteingräber Stüvenmühle

18. zerstörtes Großsteingrab Hohe Steine bei Varnhorn

19. zerstörtes Großsteingrab Reckmühle bei Endel

     zerstörtes Großsteingrab Kooksteine bei Halter

      zerstörtes Großsteingrab Gerkenkamp bei Halter

     zerstörtes Großsteingrab Stippers Höhe bei Visbek       zerstörtes Großsteingrab Pastorenkamp bei Visbek

 (die 900er Nummer hinter der Grabbezeichnung gibt die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)


13. Großsteingrab Stüvenmühle, nahe der Aue bei Visbek (++), Sprockhoff-Nr. 975

Nordwestlich von Visbek führt von Engelmannsbäke die sog. Mühlenstraße nach Süden nach Meyerhöfen. Südlich der eigentlichen Stüvenmühle liegt das neue Wohnhaus des Gut Stüvenmühle, in dessen Garten sich ein Großsteingrab befindet. Ein riesiger Deckstein ist im Winter von der Straße aus zu erkennen, wenn das Gesträuch ohne Laub ist. Alten Aufzeichnungen zufolge war das gesamte Megalithgrab, ein Hünenbett,  60 x 7 Schritte groß. Heute ist nur die Grabkammer erhalten. Sprockhoff hat sie 1952 und 1967 besucht. Er gibt an, dass die Kammer 2,75 x 1,8 m groß ist und aus 2 Jochen mit Decksteinen und den Abschlußsteinen an den Längsseiten besteht, wobei für ihn die Untersuchung schwierig war, weil die Kammer noch in ihrem Hügel steckte. Dieser Hügel sei in relativ neuer Zeit aufgeschüttet worden, um die Kammer als Kartoffelkeller nutzen zu können.
Der Pseudo-Vorgeschichtler Hermann Wille beschreibt 1933 in seinem Buch das Grab als "fast unberührtes Kellergrab" mit 3 x 1,5 x 1,2 m großer Kammer, bei der die Zwischenräume zwischen den Tragsteinen noch mit Trockenmauerwerk aus kleinen Steinen ausgefüllt seien. Der Boden sei gepflastert und es fehle nur der Verschlussstein. Das Grab sei mit einem halbrunden Hügel überdeckt, der nur am Zugang offen ist. Ich nehme an, Wille beschreibt den neuzeitlichen Kartoffelkeller.
Beim Jahrhundertsturm 1972 war diese Sandaufschüttung auf der Kammer durch umgewehte Bäume teilweise abgetragen, woraufhin der Besitzer die Kammer komplett freilegte.

Somit liegen die Steine heute frei und mir scheint es, dass drei Joche vorliegen, wobei ein Tragstein fehlt, und der dritte, westliche Deckstein schräg in die Kammer abgerutscht ist. Der Hügel wurde demnach irgendwann nach 1967 eingeebnet.
Da die Kammer auf Privatgrund liegt, kann sie leider nicht besichtigt werden.

Die zahlreichen Findlinge der Hofeinfahrt sollen nach Aussage des Besitzers nicht vom Grab, sondern aus
den Feldern stammen.

Position des Grabes:
Garmin: 52° 51,011 N, 8° 15,713 E
 
Google Earth: 52° 51'01,15" N, 8° 15'41,11" E
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps.

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der große östliche Deckstein

 

 


13a, 13b. zerstörte Großsteingräber Stüvenmühle, nahe der Aue bei Visbek (-)

In einem alten Plan von 1839 sind vier weitere Steingräber nördlich des noch erhaltenen Grabes eingetragen, die im Wald östlich der K 245 gelegen haben müssen (siehe Skizze rechts). Ihre Steine sind heute vollständig verschwunden, aber man kann noch zwei längliche Hügel mit den Vertiefungen sehen, in denen sich die Gräber befunden haben.

Der Hügel von Grab A ist ca. 18 x 10 m groß. In alten Unterlagen wird von einer Kammer mit rechteckiger Einfassung gesprochen, 1940 sollen noch 3 Steine in der Mulde vorhanden gewesen sein.
Position ist
N 52° 51,202’, E 8° 15,677’ (Garmin) bzw. 52° 51' 12,91" N, 8° 15' 40,33" O (Google)

Grab B ist beim Straßenbau völlig zerstört worden.

Der Hügel von Grab C ist ca. 11 x 10 m groß, seine Position ist N 52° 51,152’, E 8° 15,690’ (Garmin) bzw. 52° 51' 09,42" N, 8° 15' 41,71" O (Google).
Es soll eine Kammer ohne Einfassung gewesen sein.

Von Grab D waren 1940 noch zwei Steine vorhanden, 1965 wurden Tiefstichscherben gefunden. Das Grab soll 1971/72 eingeebnet worden sein, heute ist nichts mehr davon zu erkennen. Es müsste bei 52° 51,15' N, 8° 15,77' O gelegen haben.

Der Weg zu den Gräbern mit GoogleMaps. 

In dieser Gegend findet man viele, riesige Findlinge an Wegkreuzungen etc. (Fotos unten), die ggf. von diesen oder anderen Gräbern herrühren können.
 


18. zerstörtes Großsteingrab Hohe Steine am Erdmannsberg, Siedenbögen bei Varnhorn (-)

Westlich von Varnhorn, kurz vor der Twillbäke, findet sich in einer Karte von 1900 der Hinweis auf ein Großsteingrab "Hohe Steine". Auch im ADABweb des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalschutz findet sich ein Hinweis auf dieses Grab. Sprockhoff hingegen hat das Grab nicht mehr erwähnt.
Heute ist im Wald eine ringwallförmige Struktur mit Vertiefung in der Mitte erhalten. Es handelt sich offensichtlich um den Rest des Erdhügels aus, in dem das Großsteingrab eingebettet war
(schönes, existierendes Beispiel: Großsteingrab Egypten nördlich von Dötlingen). Der Hügel misst ca. 18 x 12 m, ich nehme deshalb an, dass das Grab einmal 3 oder 4 Joche gehabt hat.

In der Vertiefung des Hügels habe ich noch fünf scharfkantige Bruchstücke von Trag- oder Decksteinen ermittelt, die beim Ausräumen vergessen wurden. Sie waren vollständig von Moos und Gras bedeckt. Drei dieser Bruchstücke weisen noch den Rest einer Sprengbohrung auf, ein deutliches Indiz, dass es sich tatsächlich um die geplünderten Hohen Steine handelt.
In einer Skizze von 1977 sind noch drei weitere Steine verzeichnet, die ich aber bisher bei einer oberflächlichen Suche (Sondieren mit Metallstange) nicht gefunden habe. Dort, wo der helle Kreis eingezeichnet ist, befindet sich ein deutliche Vertiefung, vermutlich wurde dort vor nicht allzu langer Zeit ein Stein ausgegraben und entfernt.


zwei der fünf Steine und Bohrloch in einem der Steinbruchstücke

Position:
Garmin:
N 52° 51,984’, E 8° 17,854’
Google Earth: 52° 51'59,33" N, 8° 17'51,29" E
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps.

Für Geocacher: In der Nähe dieses Großsteingrabes gibt es den Geocache GC4HPX6 (www.geocaching.com)


Ca. 800 m nördlich von den zerstörten Hohen Steinen verweist Selent auf einen länglichen Hügel (20 x 9 m), bei dem es sich möglicherweise ebenfalls um ein Großsteingrab handeln könnte. Ich habe das Gelände besucht und konnte keine entsprechenden Hinweise finden.


19. zerstörtes Großsteingrab Reckmühle (Endeler Heide), westlich der Twillbäke (-)

westlich von den o.g. Hohen Steinen am anderen Ufer der Twillbäke, ca. 1 km südlich von der Forellenfarm Auetal liegt ein weiterer länglicher Hügel in einem kleinen Gehölz. Bei diesem Hügel handelt es ebenfalls um ein ausgeräumtes Großsteingrab, das z.B. noch in den Karten des ADABweb erwähnt wird. Von einem Großsteingrab ist dort aber absolut nichts mehr zu erkennen, und der Hügel wurde im März 2009 neu mit Bäumen bepflanzt, die im Herbst z.T. schon wieder vertrocknet waren.
In alten Karten wird die Feldmark als "Schnakenbögel" bezeichnet.

In Endel geht nach Osten eine Straße ab, an der die „Forellenfarm Auetal“ ausgeschildert ist. Man folgt der Straße ca. 2 km, bis sie an einem Wald nach rechts abknickt. Hier führt ein Weg am Feldrand entlang nach Süden, und nach ca. 1 km liegt rechts ein großer Hügel unter einigen Laubbäumen. Position: Google Earth: 52° 51' 54,14" N, 8° 17' 31,92" O.
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps. 


In einer Flurkarte von 1836 werden noch die Kooksteine erwähnt. Dieses Großsteingrab, das in Halter nördlich von Meyerhöfen gelegen haben muss, wurde vermutlich bereits sehr früh zerstört bzw. "versenkt". Um 1970 wurden die vergrabenen Steine von einem Landwirt aus dem Boden entfernt und der Acker tiefgepflügt. D.h. es sind keine Reste mehr vorhanden.
Die Stelle, an der das Grab lag, ist nach der alte Karte gut zu idenfizieren. Dort steht jetzt eine kleine Baumgruppe auf der Grenze zwischen zwei Feldern.
Position: 52° 50,171' N, 8° 15,531' O.

Der Weg zum Grab mit GoogleMaps.


Auch auf dem Gerkenkamp zwischen Halter und Stüvenmühle muss es früher ein Großsteingrab in einem Langhügel gegeben haben, das aber größtenteils zerpflügt und zerfahren ist, weil über einen Teil des Hügels ein Genossenschaftsweg führt, und der andere Teil im Acker. 1939 wurde noch von einem Langhügel (26 x 11 m) mit Verdacht auf ein Megalithgrab angesprochen (Kammerrest ohne Umfassung).
Position: 52° 50,95' N, 8° 15,23' O.

Der Weg zum Grab mit GoogleMaps.

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zerstörtes Großsteingrab "Stippers Höhe", nordwestlich von Visbek

1989 stieß ein Landwirt beim Pflügen am nordwestlichen Ortsrand von Visbek auf Steine, und es wurde eine Notgrabung durchgeführt, die bestätigte, dass es sich um die Reste eines bisher unbekannten, zerstörten Megalithgrabes handelte. Im Mai und Juni 1989 wurde daher eine Notgrabung durchgeführt, wobei festgestellt wurde, dass die meisten Steine fehlten. Das Großsteingrab „Stippers Höhe“ war etwa 12 m lang und 2 m breit gewesen. Die verbliebenen großen Steine waren alle bewegt worden und trugen z. T. noch Spuren von Sprenglöchern bzw. von Feuereinwirkung, um die Steinblöcke zu zerkleinern. Ein Teil der Kammerpflasterung konnte noch festgestellt  und Scherben der Trichterbecherkultur, Feuersteinpfeilspitzen und ein Steinbeil geborgen werden. Das Grab wurde danach eingeebnet bzw. entfernt.

Der Weg zum Grab mit GoogleMaps.


zerstörtes Großsteingrab "Über Pastors Kamp", nordwestlich von Visbek

Bei Baggerarbeiten in einem Neubaugebiet im Nordwesten von Visbek kamen zwei große Findlinge zutage. Durch Kanalisationsarbeiten waren bereits drei weitere Findlinge der nördlichen Kammer ausgebaggert worden. 1991 konnte noch der südliche Teil eines Megalithgrabes mit sechs versenkten Findlingen ausgegraben werden. Zwischen den Findlingen befand sich ein noch weitgehend ungestörter, mit Steinen gepflasterter Grabboden. Ein vollständig erhaltenes Gefäß konnte geborgen werden, das auf die Zeit wischen 3350 und 3050 v.Chr. datiert wurde..
Einige Steine aus diesem Grab wurden 1996 vor dem Visbeker Rathaus zu einem Denkmal zusammengestellt. Die Inschrift lautet: "Wir sind vor Millionen Jahren in Skandinavien entstanden. Das Eis brachte uns vor 200.000 Jahren hierher. Vor 5.000 Jahren wurden wir in Visbek zu Megalithgräbern der Trichterbecherkultur verbaut. In vorigen Jahrhunderten hat man uns gesprengt und versenkt. Im Jahre 1991 grub man uns auf dem Uhlenkamp aus, und nun liegen wir hier seit 1996 als Zeugen einer bewegten Vergangenheit.“
Am ursprünglichen Standort des Grabes befindet sich heute ein Neubaugebiet, vom Grab ist nichts mehr zu erkennen.

Die beiden Großsteingräber Stippers Höhe und über Pastors Kamp lagen nur ca. 50 m auseinander.

Der Weg zu den Gräbern mit GoogleMaps.


2011 und 2012 gingen dem Baugebiet Uhlenkamp 2 weitere archäologische Grabungen voraus.
Dabei wurden ganz in der Nähe der o.g. beiden Großsteingräber noch drei neolithische Flachgräber (2 davon Steinpackungsgräber) gefunden, die neben Resten der Plasterung noch Trichterbecherkeramik, Steinbeile und Feuerstein-Pfeilspitzen enthielten.
Die Keramik aus diesen drei Flachgräbern und den Großsteingrabern Pastors Kamp, Stippers Höhe und Mühlensteine (Varnhorn), sowie dem Flachgrab in Hogenbögen wies ähnliche Verzierungen und Tonzusammensetzung auf. Sie konnte in den Zeitraum 3200 - 3100 v.Chr. datiert werden.
Und etwas nördlich davon fand sich noch ein wirklich schöner Grundriss eines neolithischen Hauses mit 57 Pfosten, Wandgräbchen und großen Keramikgefäßen. Diese Haus war ähnlich wie andere, neolithische Häuser in drei Räume aufgeteilt. Der Grundriss ist vergleichbar mit denen von Flögeln, Penningsbüttel, Bornholm und Südschweden.

Haus und Flachgräber mit GoogleMaps.


Bei Hogenbögen, zwischen Visbek und Rechterfeld hat ein Bauer in den 50er Jahren ständig Probleme beim Pflügen gehabt, weil er auf Steine stieß. Nachdem 1959 eine Voruntersuchung erfolgversprechend war, hat H.G. Steffens dort 1966 zwei Flachgräber aus der Jungsteinzeit nachweisen können, die definitiv kein zerstörtes Großsteingrab waren. Pflasterung, umfassender Steinkreis, zwei Findlinge, Pfeilspitzen, Steinbeile und jede Menge Scherben aus der Trichterbecherkultur wurden gefunden. Das Grab dürfte etwa zeitgleich mit dem Grab II von Kleinenkneten gewesen sein.

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