6. Großsteingräber  zwischen Ahlhorn und Huntlosen

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

22. Großsteingrab Bakenhus (932)

23. Großsteingrab Huntlosen (931)


zur
Übersichts-
karte

21. zerstörtes Großsteingrab Hosüne / Heidkamp

     zerstörtes Großsteingrab Schattregen

      zerstörtes Großsteingrab Steenhoff

     zerstört. Großsteingrab an Döhler Straße

      zerstörtes Großsteingrab Höfte

      

(die 900er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)



22. Großsteingrab Bakenhus, zwischen Ahlhorn und Großenkneten (++), Sprockhoff-Nr. 932, (in meiner Übersichtskarte die Nr.22)

Kurz vor Großenkneten geht von der Kreisstraße 239 zwischen Ahlhorn und Großenkneten der Weg zum Biohof Bakenhus (Bakenhuser Esch) ab. Zuerst kommt dann links eine Einfahrt zu einem Reiterhof, und genau dort gegenüber liegt in einem kleinen Wäldchen das Grab. rechts: Westende des Grabes im Sommer 2006

In Literatur und Internet sucht man z.Z. vergeblich nach Informationen über das Grab, obwohl es bereits bei Sprockhoff erwähnt wird. Es ist offenbar ein "vergessenes Grab", denn das Großsteingrab war bis vor wenigen Jahren noch fast vollständig in der Erde verborgen. Nur die Spitzen einiger Decksteine ragten aus dem Boden, und viele Einheimische wußten überhaupt nicht, dass das Grab existierte. Dabei ist das Gabes eigentlich ganz eindeutig von dem typischen Erdwall umgeben, mit dem die Herzogliche Kammer zu Oldenburg nach 1820 alle Großsteingräber umgab. Aber auch diese Geschichte des Grabes ist uneinheitlich. In einer ersten Auflistung der Denkmäler des Amtes Wildeshausen von 1819 wird es nicht erwähnt. 1875 wird das Grundstük mit dem Großsteingrab für 150 Mark vom Herzogtum Oldenburg erworben, um es unter Schutz zu stellen, und kommt somit in der Auflistung der Denkmäler des Staates Oldenburg von 1893 vor.
1879 hatte Bauer Bakenhus eine Zerstörung des Grabes geplant, das damals als solches nicht unbedingt identifizierbar war, denn es steckte ja tief in der Erde. Der im Herzogtum Oldenburg für Denkmalschutz zuständige Kammerherr von Alten erhob dagegen Einspruch. Dabei stellte man dann fest, dass das Grab garnicht auf Bakenhus-Gelände lag, sondern dem Vollmeier Siemer gehörte. Dieser wiederum hatte von der Existenz des Megalithgrabes keine Kenntnis.
Da das Grab auf Privatgelände lag, konnte die "Cammer-Bekanntmachung" vom 13.4.1814 zum Schutz der Denkmäler des Altertums angewandt werden. Herr Siemer erhielt eine angemessene Entschädigung und erklärte sich bereit, das Grab zu erhalten. 1880 wurde die Fläche dann vom Staat gekauft.
Gut sichtbar wurden die Steinoberflächen erst 1977, als unerlaubt alle Bäume am Grab gefällt wurden. Und dass man die Anlage heute in ihrer ganzen Größe sehen kann hat man dem Gemeindearchivar Dirk Faß zu verdanken, der in 2005 mit einer Jugendgruppe von Hobbyarchäologen dort aufgeräumt hat. Eigentlich sollte das Gelände nur von Gebüsch und Birken befreit werden, aber es wurde auch oberflächlich Erde abgetragen und die Steine freigelegt (Foto oben). Auf Grund dieser Aktivitäten, die vom Landesamt für Denkmalpflege scharf kritisiert wurden, wurde im Februar 2007 mit einer neuen, hochoffiziellen Vermessung und Untersuchung des Grabes begonnen ( ),  das jetzt in seiner gesamten Ausdehnung sichtbar ist. Die Fotos unten zeigen den Zustand unmittelbar während dieser Untersuchung.
Da die steilen Kanten und Wälle ein gewisses Unfallrisiko bargen, wurde das Grab im Juni 2007 "verkehrssicher" gemacht, indem die Wälle abgeschrägt wurden. Der heute Zustand ist auf den Fotos ganz unten wiedergegeben.


zweimal das Ostende des Grabes mit den beiden verbliebenen Decksteinen (Februar 2007)


grobe Skizze der Lage der wichtigsten Steine im Juni 2007 (Copyright: B. Rothmann)


Lage der Steine gemäß Sprockhoff 1930. Die von Spockhoff kartierten Steine sind oben dunkel markiert.

Bei der Untersuchung 2007 konnten Keramikscherben geborgen werden, gemäß derer das Grab in die Zeit von 3200 bis 2950 v. Chr. datiert werden kann. Es handelt sich um eine 23 m lange, bootsförmige Kammer, d.h. sie verjüngt sich zu den Enden hin. Ein ganz ähnliches Grab gibt es im Alt-Frerener Forst bei Thuine (Emsland). Die Endsteine und einige Tragsteine der nördlichen Seite sind erhalten, die meisten Decksteine wurden mutwillig zerstört. Ich habe 38 Steine gezählt, von denen 3 so groß sind, dass sie ehemalige Decksteine sein dürften. Einige andere sind Reststücke gesprengter Decksteine. So ist z.B. der große Deckstein im Westen scharfkantig zerbrochen, und man kann an einem Bruchstück noch die Bohrung für eine Sprengladung erkennen (Foto rechts und roter Punkt in oberer Skizze). Da auch zahlreiche Trag- bzw. Einfasssteine fehlen, ist also davon auszugehen, dass das Grab vor mehr als 100 Jahren geplündert, und Steine weggeschafft wurden.
Über die Lage des Zuganges kann heute nichts mehr gesagt werden.
inks der Blick von Westen im  Februar 2007, rechts die Sprengbohrung 

Ursprünglich war das Grab vermutlich auf der gesamten Länge mit Decksteinen versehen. Dann müßten das mehr als 10 Stück gewesen sein. (Eine andere sehr lange, noch mit Decksteinen versehene Kammer sind die Reckumer Steine 2).

Für Geocacher: In der Nähe dieses Großsteingrabes gibt es den Geocache GC37DXJ (www.geocaching.com)

Die Koordinaten des Grabes sind N 52° 55,663’, E 08° 14,651’ (Garmin), bzw. 52° 55’ 40,20“ N, 8° 14’ 38,63“ O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps. 

   
Das Großsteingrab nach der Rekultivierung im Juni 2007: links Blick von Westen nach Osten, rechts Blick von Osten nach Westen


Die "Erdarbeiter vom Juni 2007": in der Mitte der ehemalige Bezirksarchäologe Dr. Eckert, links der Autor.

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24. Großsteingrab Huntlosen = Wittenhöge, "Riesenbett",  westlichlich von Huntlosen (+), Sprockhoff-Nr. 931 (in meiner Karte die Nr. 24)

Das Großsteingrab ist leider in desolatem Zustand. Die 12 erhaltenen Steine liegen meist nicht mehr in ihrer ursprünglichen Position. Decksteine sind keine mehr vorhanden. Das Grab soll im Original 14 x 4 m groß gewesen sein. 1872 wurden Grabungen durchgeführt und die Funde (u.a. 85 Tonscherben) nach Oldenburg ins Museum gebracht. In einer Notiz von 1872 steht: "1, 2 und 3 sind nur noch die Gruben, woraus die Steine gesprengt". Es fehlten bereits alle Decksteine. D.h. damals war das Grab schon seiner Steine beraubt.





Lage: Garmin: 52° 58,989 N, 8° 14,134 E,
          GoggleEarth:
52° 58’ 58,30“ N, 8° 14’ 08,72“ O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps. 

1977, nach dem Jahrhundertsturm, lag das Grab auf freiem Feld.

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Das Foto rechts unten zeigt den Zustand des Grabes im Sommer 2006, als man die von Bewuchs überwucherten Steine kaum wahrnehmen konnte. Die Fotos links wurden im März 2007 gemacht. Ohne Bewuchs sind zwar alle Steine zu erkennen, aber wie ein "echtes" Großsteingrab sieht die Ruine trotzdem nicht aus.


systematische Skizze mit Lage der Steine

Die Steine liegen heute noch so, wie Sprockhoff sie 1930 kartiert hat.

Etwas abseits liegen zwei weitere Steine (Foto links  unten), von denen man nicht weiß, ob sie zu diesem oder evtl. zu einem anderen, zerstörten Grab gehörten. Ein weiterer Findling liegt ca. 50 m südlich.
In älterer Literatur wird das Grab als "Steingrab Wittenhöge" oder "Riesenbett" bezeichnet, heute heißt es nur "Huntlosen".
Es gibt auch Quellen, in denen es als "Hosüne" bezeichnet wird, aber das ist definitiv falsch, s.u.

Im Sommer 2009 fand im Großsteingrab eine "neuzeitliche Nachbestattung" statt (siehe Foto unten). Auch wenn man hier außerhalb des eigentlichen Grabes tätig geworden war, so sind derartige Aktivitäten dennoch streng verboten! Die Denkmalschutzbehörde hat hier aber keine  Strafanzeige gegen Unbekannt erhoben.

Direkt südlich vom Großsteingrab liegt im Feld ein Hügelgrab aus der Bronzezeit, das früher einmal von einer hübschen Baumgruppe bestanden war, inzwischen aber abgeholzt wurde.


1934/35 wurde ein weiteres Großsteingrab etwas südlich auf Wennekamps Eye bei Drainagearbeiten entdeckt und vom Direktor des Landesmuseums untersucht. Es ist heute restlos verschwunden.
(H. Duhme, Döhlen - das Eschdorf an der Wühr, 1984)

Vorgenannte Hügel- und Großsteingräber werden in der Literatur normalerweise Huntlosen zugerechnet. Wenn man allerdings die Döhlener fragt, so gehört die Wittenhöge seit Urzeiten zu Döhlen. Die neueste Karte (2000) mit den Grenzen der Bauernschaften macht deutlich, dass Wittenhöge und Heidkamp (s.u.) zu Hengstlage und das Hügelgrab zu Döhlen gehören.
Klar ist nur eins: Die Gräber gehören so und so zur Gesamtgemeinde Großenkneten.

21. Unmittelbar am Westausgang von Huntlosen hat es vor vielen Jahrzehnten noch ein weiteres Großsteingrab gegeben, das Großsteingrab Hosüner Büsche, das auch als Großsteingrab Heidkamp bezeichnet wird. Es wurde beim Bau der Hegeler-Wald-Straße = K 337 zerstört und mit Erde überschüttet. 1939 soll das Grab nicht mehr zu sehen gewesen sein.
In einer Notiz von 1955 wird berichtet, dass ein großer und zwei kleine Steine nach dem ersten Weltkrieg zum Kriegerdenkmal nach Sandkrug gebracht worden waren. 1952 wurde ein weiterer, großer Stein für die Vergrößerung des Denkmals verwendet. 1955 soll noch eine gewaltige, aufrecht stehende Deckplatte vorhanden gewesen sein, außerdem eine 5 m durchmessende Kuhle.
Diese Reste sind vermutlich bei Aufräumarbeiten nach dem großen Sturm 1972 endgültig verschwunden, als der Wald durchpflügt und mit Entwässerungskanälen durchzugen wurde.
Heute liegt nur noch ein einsamer, großer Findling (Foto oben, 24a in der Karte) direkt am Ortsausgang neben der Straße rechts im Wald, den offenbar niemand wegschaffen wollte/konnte. Dieser Findling liegt nicht am vermuteten Standort des Großsteingrabes.
Position Findling: 52° 59,164' N, 8° 15,297' O.

Im Hegeler Wald westlich von Huntlosen liegt ein weiterer großer Findling (rechts), von dem ich einige Zeit vermutet hatte, dass er zu einem Großsteingrab gehört haben könnte. Ich habe bisher aber keine schlüssige Beweise oder Literaturstellen dafür finden können. Man fährt von Hengstlage Richtung Huntlosen bis kurz vor Beginn des Waldes eine kleine Straße nach rechts Richtung Döhlen abgeht. Der folgt man bis zur Erdgasstation HgN Z9 und folgt dort den links in den Wald führenden Pfad ca. 1 km. Rechts neben dem Pfad liegt der Findling.
Position Findling: 52° 59,089' N, 8° 13,402' O.

Lage der Findlinge bei GoogleMaps.


H. Duhme berichtet, dass im Südosten des Dorfes Döhlen (Schattregen) 1934/35 und 1952 ein Stein- und 4 Hügelgräber für den Ackerbau eingeebnet wurden. Das Steingrab muss noch völlig unberührt und in der Erde verborgen gewesen sein, denn der Deckstein wurde beim Pflügen entdeckt. Dann wurde das ganze Grab ausgegraben und entfernt. Es wurden 1 Deckstein, 4 Tragsteine und je 1 Frontstein gefunden; die Kammer war leer. Es war vermutlich eine Steinkiste. Drei Tragsteine liegen heute unterdem Mühlstein am Dorfeingang. (H. Duhme: Döhlen, das Eschdorf an der Wühr, 1984)
Position: 52° 57,649' N, 8° 14,994' O.

Das zerstörte Großsteingrab "Steenhoff"
Nachdem im Garten des Bauern Wendt
"auf den Rieden 3" Scherben aus Tiefstichkeramik gefunden worden waren, fand im November 1934 eine Grabung durch den Lehrer H. Hibbeler statt, der Landesbeauftragt6er für Vorgeschichtsforschung im Kreis Wildeshauser Geest war. Er fand Standspuren von Tragsteinen und Reste der Kammerpflasterung, ca. 6000 Keramikscherben, 7 Bernsteinperlen und 90 Pfeilspitzen. Es soll sich um ein 7,5 x 2 m großes Megalithgrab mit 12 Tragsteinen gehandelt haben. Zehn davon sollen für die Einfriedung des Kirchhofes in Großenkneten verwendet worden sein, einer wurde gesprengt und einer vor Ort versenkt. Letzterer wurde unter den Eichen an der Straße Grossenkenten-Döhlen aufgestellt. (Fass, Herdfeuer 2000).
Von dem Großsteingrab ist nichts mehr zu erkennen.
Position: 52° 57,018’ N, 8° 15,535’ O.

Ein weiteres Steingrab lag im Garten Döhler Str. 15 im Norden Großenknetens, es wurde 1935 zerstört. Ein großer Stein wurde auf dem Fliegerhorst Alexanderfeld (Oldenburg) als Gedenkstein für Gefallene verwendet. Ich habe mit den heutigen Besitzern des Gartens gesprochen, ihnen war von einem Großsteingrab nichts mehr bekannt.
Position: 52° 56,960' N, 8° 15,504' O.

Das Großsteingrab Höft oder Höfte, ein Kammergrab in Großenkneten; an der Hageler Straße 3 war bereits vor 1896 zerstört worden. Die Steine sollen für die Großenkneter Kirche verwendet worden sein. Dieses Grab wird auch als "Grab auf dem Langenthun-Esch" bezeichnet. Das in alten Karten markierte Gebiet ist heute Ackerfläche . Am Rande des Ackers liegt ein Gebüsch, an dessen östlichem Ende vier größere Findlinge und mehrere kleine Steine liegen. U.U. könnten Sie Reste des Grabes sein, sie können aber genauso gut vom Acker stammen. Erstaunlich ist, dass die Lage des Grabes in den Unterlagen tief unten am Hang und nicht oben auf einem deutlichen Geländerücken verzeichnet wurde.
Position: 52° 56,648' N, 8° 15,945' O.
 

Der Weg zu den zerstörten Gräbern mit GoogleMaps. 

 
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