48. Großsteingräber im Raum Bremervörde

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

195. Steinkiste von Anderlingen

196. Steinkiste von Farven

197. Großsteingrab von Badenstedt (648)

 


195. Steinkiste von Anderlingen, nordöstlich von Anderlingen, (++)

Um kaum ein anderes vorgeschichtliches Grab ranken sich so viele Gerüchte und Unklarheiten, wie um die Anderlinger Steinkiste.
Als ein Bauer 1907 einen seltsam runden Hügel zwecks Baustoffgewinnung abtragen wollte, stieß er auf die Steinplatten eines Grabes. Der Heimatforscher H Müller-Brauel untersuchte den Befund und barg die Funde aus dem inneren der Kammer. Die Kammer war bereits grauer Vorzeit beschädigt worden. Erst Wochen später wurde auf der Inneseite eines der Tragsteine ein bildliche Darstellung entdeckt, die für großes Aufsehen sorgte. Nun wurde das Provinzialmuseum in Hannover (heute Landesmuseum) eingeschaltet, das die Grabungen zuende führte. Die Steinkiste wurde nach Hannover geschafft und neben dem Museum wieder aufgebaut. In der Rekonstruktion wurde ein nachgebildeter Bildstein eingebaut, das Original befindet sich seit der Umgestaltung der Vorgeschichtlichen Ausstellung vor wenigen Jahren im Archiv des Museums und kann nicht mehr besichtigt werden.

Obwohl diese Steinkiste eindeutig in die ältere Bronzezeit datiert wurde, soll sie in dieser Sammlung von Großsteingräbern des Neolithikums nicht unerwähnt bleiben. Steinkisten wurden sozusagen als Nachfolgegeneration der Großsteingräber in der Übergangszeit zwischen Jungstein- und Bronzezeit erbaut.

Der archäologische Befund konnte wie folgt dargestellt werden. In einem 25 m durchmessenden und 2 m hohen Hügel, der von einem Kranz von Feldsteinen umgeben war, befand sich in der Mitte eine bronzezeitliche Hauptbestattung von ca. 1700 v.Chr. (vermutl. Baumsarg in Steinpackung). In der östlichen Hügelhälfte befand sich die besagte Steinkiste, die vermutlich zwischen 1400 und 1500 v. Chr. eingebaut wurde, wobei es zu einer Vergrößerung des Hügels kam. Östlich der Kiste, bis zum Hügelrand, wurden miteinander verbundene Steinsetzungen freigelegt, deren Zweck unbekannt ist. Auf der Steinpackung direkt neben der Kiste war vermutlich ein weiterer Baumsarg begraben worden. Im Nordteil des Hügels befanden sich außerdem noch 4 Urnengräber und ein Körpergrab der Völkerwanderzeit. Einer dieser Bestattungen waren sogar drei vergoldete Silberfibeln beigegeben.

Für den Bau der Steinkiste waren sehr flache Granitsteine gewählt worden, bzw. zu dicke Steine waren künstlich gespalten worden. Die aus 10 Tragsteinen gebaute Kammer war 2 x 07 m groß und ca. einen halben Meter in den natürlichen Boden eingelassen worden. Um die Tragsteine wurde zur Stabilisierung ein Ring aus Feldsteinen gelegt. Reste deuteten darauf hin, dass die Kammer außen noch mit Lehm verschmiert wurde. Das ganze wurde mit drei Decksteinen abgedeckt.
Dem Toten waren ein Bronzeabsatzbeil, ein Bronzedolch mit Holzscheide und eine Fibel ins Grab gelegt worden, die in die Periode II der Bronzezeit datiert werden konnten.
Der südöstliche Wandstein wies die besagte Darstellung von drei Figuren auf (siehe Foto unten). Untersuchungen ergaben, dass diese Abbildungen sehr alt sind. An ihnen wurden allerdings in jüngster Zeit einige "Verschönerungen" vorgenommen, vermutlich im Zusammenhang mit ihrer Bergung. Die Abbildung ist sehr ähnlich wie skandinavische Felszeichnungen der Bronzezeit. Es gibt Theorien, dass eine Totenfeier-Zeremonie dargestellt sei, oder dass die Figuren Gottheiten darstellen sollen.

Ursprünglich gab es hier mindestens drei große Grabhügel, die aber alle abgetragen wurden. Der existierende Hügel ist, wie gesagt, ein Nachbau aus dem 21. Jahrhundert n. Chr. 
Man findet die Anlage, wenn man Anderlingen auf der K 109 nach Nordosten verlässt und dann in den Wiesenweg einbiegt. Direkt gegenüber der Tischlerei Brunkhorst liegt das großzügige Gelände.

Position der Rekonstruktion: Google Earth: 53° 22,732’ N, 9° 18,780’ O
Der Weg zum Grab mit Google-Maps

Die Originalsteinkiste und der originale Bildstein (Fotos unten) befinden sich neben bzw. im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover, einem der wesentlichen Museen mit ur- und frühgeschichtlichen Ausstellungsstücken.


Position der Originalsteinkiste: Google Earth:
53° 22,732’ N, 9° 18,780’ O
Der Weg zum Grab mit Google-Maps

W.D.Tempel, Auf ur-und frühgeschichtlichen Spuren ...1999


 196. versetzte Steinkiste von Farven, in Bremervörde (++)

Am westlichen Ortsrand von Farven liegen/lagen mehrere Hügelgräber aus der Übergangszeit zwischen Jungstein- und Bronzezeit. Aus einem Hügel barg man ein Steinkistengrab mit zwei reltiv wuchtigen Decksteinen, das hinter dem Bachmann-Museum in Bremervörde wieder aufgebaut worden ist.
Die Kammer ist innen 2 m lang und bis 0,95 m breit, und sie war fast komplett mit ihren bis zu 70 cm hohen Tragsteinen in den Boden eingetieft. Die beiden Decksteine hatte noch Großsteingrabformat. Der Boden war mit einem Rollsteinpflaster bedeckt, auf dem nur ein unspektakuläres Tongefäß gefunden wurde.
Das Grab war dann mit einem Erdhügel vollständig bedeckt worden.

Steinkisten sind typisch für die Übergangszeit zwischen Jungstein- und Bronzezeit. Sie erinnern vom Aufbau noch an die größeren Großsteingräber, aber in diesen Kisten war nur jeweils eine Person bestattet.

Das rekonstruierte Grab befindet sich auf einer Wiese hinter dem Bachmann-Museum in Bremervörde. Das Museum zeigt eine interessante Ausstellung zur Ur- und Frühgeschichte.

Position: Google Earth: 52° 21,892’ N, 9° 44,408’ O
Der Weg zum Grab mit Google-Maps

W.D.Tempel, Auf ur-und frühgeschichtlichen Spuren ...1999


197. Großsteingrab von Badenstedt (648), Hünenkeller, Fürstengruft, Steinhaus, südlich von Badenstedt (++)

In der Steinalkenheide südlich von Badenstedt liegt ein bronzezeitliches Grabhügelfeld, an dessen Nordrand ein stark zerstörtes Großsteingrab liegt. Im Laufe der letzten Jahrhunderte seit 1840 hatte es mehrere Namen (s.o.) und wurde von den Bewohnern Badenstedts kräftig demontiert. Ein Deckstein ziert das Kriegerdenkmal im Dorf. Bei der letzten offiziellen Grabung 1973 wurde festgestellt, dass das Grab bereits früher tief durchwühlt worden war, so dass seine ursprünglichen Ausmaße nur mit Mühe abzuschätzen waren. Man geht davon aus, dass die Kammer 5,3 m lang gewesen ist und aus acht Trag- und vier Decksteinen bestand. Bei der Grabung waren noch 5 Trag- und ein Deckstein vorhanden. Damit das Grab würdevoller aussieht, wurden diese Steine zusammengerückt und der Deckstein wieder aufgelegt. D.h. der heutige Zustand gibt nicht den ursprünglichen Bau wieder.
In der Grundriss-Skizze ist oben der ursprüngliche Zustand und unten die Rekonstruktion wiedergegeben.

 

Um zum Grab zu gelangen, fährt man in Badenstedt die Straße am Voßmoor nach Osten, nach ca. 1 km den Wirtschaftsweg nach Südosten. Nach ca. 700 m führt ein anderer Wirtschaftsweg nach Südwesten. Diesem folgt man, bis knapp hinter einer deutlichen Kurve das Großsteingrab etwa 80 m westlich des Weges liegt.

Position: Google Earth: 53° 15,773’ N, 9° 12,880’ O
Der Weg zum Grab mit Google-Maps

W.D.Tempel, Auf ur-und frühgeschichtlichen Spuren ...1999

 
~ 1 ~


C: Bernd Rothmann - Seite erstellt 2011, derzeitige Version Nr. 4 - zuletzt geändert 17.01.13 - Fotos von 2011 - bisherige Besucher: