13. Großsteingräber und Hügelgräber südlich der
Wildeshauser Geest bei Damme
(Landkreis Vechta)

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

59. Großsteingrab Hünenkampsteine 1 (978)

60. Großsteingrab Hünenkampsteine 2 (979)

61. Großsteingrab am Stappenberg (980)

62. Großsteingrab am Hülsenberg, zerstört

      Großsteingräber vor dem Steinberge, zerstört

      Großsteingrab am Bökenberg, zerstört

      Großsteingrab im Fuhrenkamp, zerstört

  

(die 900er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)


59. Großsteingrab Hünenkamp-Steine 1, südwestlich von Damme (+++), Sprockhoff-Nr. 978

 
Die sehr schön erhaltene Steinkammer von 8,5 x 3 m Größe läuft an den Enden etwas schmaler zu. Die vier Trägerpaare mit den riesigen Decksteinen sind beeindruckend. Beide Schmalseitenträger sind ebenfalls erhalten, ein einzelner Stein an der Südseite markiert vermutlich den Eingang.
In der Literatur wird beschrieben, dass die erste offizielle Untersuchung des Megalithgrabes 1807 durch den Grafen Münster erfolgte. Aber schon zu dieser Zeit war das Grab angeblich von englischen, hessischen und hannoverschen Truppen durchsucht worden. Im Jahr 1900 wird beschrieben: "11 große Stützsteine erstrecken sich in 11 m Länge und 5 m Breite von NO-SW und tragen 4 Decksteine, von denen der eine geborsten und der größte 4 m lang, 2,5 m breit und 1,10 m dick ist."
Das Grab ist gegenüber der Bestandsaufnahme durch Sprockhoff in 1929 noch völlig unverändert.
Es dürfte sich hier um "de hynnekamper stene" handeln, an denen früher das Amt Vechta endete, und die bereits 1464 als erstes Megalithgrab überhaupt im Oldenburgischen dokumentarisch erwähnt wird. 1884 wurde das Grab für 270 Mark vom Oldenburgischen Landesverein für Altertumskunde gekauft, nachdem 1866/67 das Herzogtum Oldenburg die Anlage vergeblich zu kaufen versucht hatte. Der Verkauf war damals gescheitert, weil der Eigentümer 300 und später 450 Mark dafür haben wollte.
Das Megalithgrab wird auch als Hünengrab im Neuenwalde bezeichnet.

Man findet das Grab, wenn man von Damme auf der L 846 nach Südwesten nach Vörden fährt. Kurz hinter dem Ortsende erreicht man den Friedhof und die Abzweigung nach Ösenbeck. An der linken Seite dieser Straße, kurz hinter der Kreuzung, führt ein Waldweg zum Großsteingrab.
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps.
Position: Garmin: N 52° 30,388', E 8° 9,561'
                Google Earth:
52° 30’ 24,79” N, 8° 09’ 31,91” O

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60. Großsteingrab Hünenkamp-Steine 2 = "in den Ottenkämpen", südwestlich von Damme (-), Sprockhoff-Nr. 979

Dieses Großsteingrab liegt vermutlich als einziges in Deutschland auf einem Friedhof. Leider ist es vollständig in einem dichten Brombeergebüsch verborgen, so dass ich erst im Frühjahr 2010 eine   Bestandsaufnahme machen konnte. Man sieht noch einige Deck- und Tragsteine und am Ostende Reste des Hügels mit der Mulde, aus der Steine entfernt worden sein müssen (Skizze und Foto unten). Laut Sprockhoff war die Grabanlage wohl einmal fast 30 m lang, die heutigen Reste sind noch 19 m lang und ca. 1,6 m breit. Die Kammer war wohl immer in den Boden eingetieft.
Foto links: Das Grab im Sommer, wegend es dichten Bewuchses sind nur wenige Steine zu sehen.
Im dritten Decksteine von Westen befindet sich eine natürliche Vertiefung, die in vorigen Jahrhunderten als Blutrinne für Opfertiere gedeutet wurde.
Als der Friedhof, der 1976 eingeweiht wurde, in Planung war, fand die letzte Untersuchung des Grabes statt. Damals zählte man 5 Deck- und 14 Tragsteine. Der Abschlussstein im Westen ist noch vorhanden, der im Osten fehlt. Ebenso fehlen alle Reste des Ganges. 2 Umfassungssteine waren noch nachzuweisen.

1998 und 1991 wurden die zuständigen Stellen vom damaligen Bezirksarchäologen aufgefordert, das Grab von Gebüsch etc. zu befreien. Offenbar ist man dieser Bitte bis heute nicht nachgekommen, und ich finde es beschämend, dass ein über 5000 Jahre altes Grab auf einem aktiven Friedhof nicht besser gepflegt wird.
Foto links: Das Grab im Winter. Unter den vertrockneten Brombeerranken deuten sich imposante Decksteine an.


Der leicht angedeutete Hügel mit Vertiefung und einigen verbliebenen Steinen südlich von der Friedhofskapelle

Die Skizze unten zeigt die Steine heute im Vergleich zum Befund durch Sprockhoff. Auch wenn ich nicht gegraben habe, bin ich mir ziemlich sicher, das die rot markierten Steine heute nicht mehr vorhanden sind, es sei denn, sie sind im Boden verborgen. Zum Stein mit dem Fragezeichen kann ich keine Aussage machen; er ist zumindest nicht zu sehen.

Auch dieses Grab wird in einigen Quellen als Hünengrab Neuenwalde bezeichnet.
   

Der Weg zum Grab mit GoogleMaps.
Position: Garmin: N 52° 30,547', E 8° 9,960';  Google Earth:
52° 30’ 25,88” N, 8° 09’ 34,19” O


61. Großsteingrab am Stappenberg, 4 km nordnordöstlich von Damme (++), Sprockhoff-Nr. 980

 
Vor tausenden von Jahren muss die 32 m lange Kammer einmal prächtig gewesen sein, heute ist sie stark zerstört und geplündert. Ihre Steine liegen durcheinander, und man kann 7 Decksteine bzw. die Reste von Ihnen identifizieren. Ein Stein an der Südseite des Grabes weist eine deutliche Reihe von 10 Sprenglöchern auf, wobei die  Sprengung glücklicherweise nicht stattgefunden hat. Weniger Glück hatte das in der Nähe im Grab liegende Bruchstück eines Decksteines, das an der Bruchkante deutlich die Halbkreise solcher Löcher zeigt. Einer Legende zufolge sollen das die Fingerabdrücke eines Riesen sein, der mit den Steinen gespielt hat.
Alten Beschreibungen zufolge soll das Grab ehemals noch 34,5 m lang und fünf Meter breit gewesen sein. 1900 hatte es noch 38 Steine.
Ich nehme an, dass es sich um das Grab handelt, dass bei Sello als Grab bei Darlinghausen nahe der Grenze zu Steinfeld beschrieben wird.
Es gibt keine Veränderungen zur Sprockhoffschen Bestandaufnahme von 1929.

Das Grab liegt im Dammer Fuhrenkamp südlich des Stappenberges, und man erreicht es wenn man etwa auf halber Strecke zwischen Damme und Steinfeld von der L 846 nach rechts in die Eichenallee einbiegt, und dieser ca. einen halben km folgt.
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps.
Position: Garmin: N 52° 33,617', E 8° 13,561'; Google Earth:
52° 33’ 36,54” N, 8° 13’ 33,61” O

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zerstörte Großsteingräber "vor dem Steinberge", westlich von Haverbeck
Ca. 2 km östlich des Grabes am Stappenberg, nordöstlich des Stein-Berges; ca. 1,7 km westsüdwestlich von Haverbeck soll es zwei Megalithgräber "vor dem Steinberge" gegeben haben. Alte Quellen sprechen von „Resten zweier Denkmäler, zwischen denen ein sog. Kellergrab (Steinkiste) lag“. Laut Selent sollen noch Spuren einer länglichen Steinsetzung und an deren Ostende ein Stein vorhanden sein. Die Koodinatenangaben dazu sind ungenau und liegen ca. bei
52° 34' N, 8° 16' O.
Ich habe die Gegend, die an der Verlängerung des Alten Kirchweges liegen muss, abgesucht. Im Acker dort sind definitiv keine Reste mehr zu erkennen. Am Westende des dort befindlichen Wäldchens gibt es auffällige Hügelstrukturen, die aber genausogut natürlichen Ursprunges sein können. Weder Reste einer Steinsetzung, noch ein einzelner Findling waren zu finden.
Das Grab scheint endgültig verschwunden zu sein.
Der Weg zum Platz des ehemaligen Grabes mit GoogleMaps.
Position des Wäldchens bei Google Earth:
52° 33,812’ N, 8° 15,733' O


62. Großsteingrab Hülseberg, nordwestlich von Damme (-)

Mitten im Wald des Hülseberges liegen mehrere Findlinge, deren gestreckte Anordnung darauf hinweist, dass es sich um eine Großsteingrab gehandelt haben könnte. Bei Sprockhoff wird das Grab nicht erwähnt, und ich habe auch sonst noch keine Literaturhinweise gefunden.
                                  

Das Grab liegt so versteckt, dass es nur anhand der u.g. Koordinaten gefunden werden kann. Man erreicht es am besten, wenn man von der K 276, die von Damme nach Neunkirchen führt, unmittelbar am Abzweig nach Handorf den Feldweg nach Süden nimmt.
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps.
Position: Garmin: N 52° 31,482', E 8° 7,919';  Google Earth: 52° 31’ 29,77 ” N, 8° 07’ 54,14” O


zerstörtes Großsteingrab im Fuhrenkamp, nördlich von Damme
In Damme Nienhausen, im Dammer Fuhrenkamp, östlich der Straße L 846 von Damme nach Steinfeld, soll auch einmal ein Großsteingrab gelegen haben. Da es eine genaue Ortsangabe gibt, habe ich dort gesucht, aber keine Reste mehr gefunden.
Der Weg zum Platz des ehemaligen Grabes mit GoogleMaps.
Position: Garmin: N 52° 33,400', E 8° 12,952' O'


zerstörtes Großsteingrab Bökenberg, südöstlich von Steinfeld
Der Bökenberg oder Böker-Berg liegt ca. 2 km südöstlich der Ortschaft Steinfeld, dort sollen viele große Steine gelegen haben, die 1819 für ein Kriegerdenkmal zur Erinnerung an den Sieg bei Leipzig auf dem Gipfel verwendet wurden. Der große Stein des Kriegerdenkmals soll aus dem "Hexenbusch" stammen und wurde "Riesenfaust" oder "Riesenfuß" genannt. Ich habe die Gegend abgesucht, aber keinerlei Hinweise auf ein ehemaliges Großsteingrab mehr finden können.
Der Weg zum Platz des ehemaligen Grabes mit GoogleMaps.
Position: Garmin: N 52° 34,475', E 8° 14,362' O'


Ansonsten soll es bei Damme und Steinfeld noch die folgenden Großsteingräber gegeben haben:
- Damme, zwischen Greven und Hinnenkamp, heute nicht mehr vorhanden.
- Damme Ossenbeck, nicht mehr vorhanden. Es soll 43 m lang gewesen sein und vor ca. 200 Jahren sollen noch 42 Steine vorhanden gewesen sein.
- Damme Sierhausen, gegenüber der Schule in Sierhausen, soll um 1874 noch erhalten gewesen sein.
- in Steinfeld Lehmden gibt es noch den Flurnamen „Hünenstein“, ein Megalithgrab ist dort aber nicht mehr vorhanden.

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