7. Großsteingräber bei Dötlingen

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

43.-46. Glaner Braut (948-951)

34. Kleinenkneter Steine, Grab 3 (947)

zur 
Übersichts- karte

48. Gerichtsstätte (945)

49. am Schießstand (944)

50. Egypten (943)

zerstörtes Großsteingrab 946 "Badberger Sand"

zerstörtes GRoßsteingrab "Steenbarg"

zerstörtes Großsteingrab "Trahe"

(die 900er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)
Für die Lagepläne wurden Karten von www.earth.google.com verwendet.


43. - 46. Glaner Braut, Gräber 1-4, (+++), Sprockhoff-Nr. 948-951, (in meiner Karte die Nr. 43-46)

Obwohl die "Glaner Braut" sozusagen in Sichtweite von Dötlingen liegt, liegt sie dennoch auf Wildeshauser Gebiet. Die vier Gräber, die zur sog. Glaner Braut gehören, werden deshalb im Detail auf der Wildeshauser Seite beschrieben.

Man erreicht die Gräber, indem man von Wildeshausen auf der K 242 nach Huntlosen fährt. Etwa 2,5 km hinter der Autobahnbrücke geht rechts eine kleine Straße ab, an der die Glaner Braut ausgeschildert ist. Diese Straße endet frontal vor einem Privatgrundstück. Dort kann man problemlos parken und folgt dann einige hundert Meter dem Waldweg nach rechts, der zu den Gräbern führt.


34. Kleinenkneter Steine, Grab 3, (+), Sprockhoff-Nr. 947, (in meiner Karte die Nr. 34 bzw. 34a)

Dieses unscheinbare Grab lag ursprünglich tausende Jahre im Südwesten von Dötlingen am Wellohsberg. (Ich habe die Stelle in meiner Übersichtskarte Nr. 3 mit 34a markiert). 
Als dort eine Flugbahn gebaut werden sollte, hat man das Grab in den 1930er Jahren kurzerhand nach
Kleinenkneten versetzt.
Position: Garmin: N 52° 51,804'; E 8° 26,247 - Google Earth: 52° 51'48,06" N, 8° 26'14,25" O

In der Denkmalliste von 1955 hat das Grab am Wellohsberg die Nr. 65. Unter Nr. 194 wird ein Megalithgrab geführt, dass auf Flur 35, Parz. 66/1 gelegen haben soll. Diese Angabe ist identisch mit Flur und Parzelle vom Wellohsberger Grab. Vermutlich ist hier ein und dasselbe Grab zweimal aufgeführt worden.
ehem. Lage des Grabes bei GoogleMaps

 



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48. Gerichtsstätte, bei Aschenbeck östlich von Dötlingen, (++), Sprockhoff-Nr. 945, (in meiner Karte die Nr. 48)

Das Hünengrab erhielt seinen Namen, weil an diesem ehrwürdigen Ort im 18. Jahrhundert Gericht über kleinere, örtliche Vergehen abgehalten wurde. 
Die relativ gut erhaltene Grabkammer verfügt über Außenmaße von 4,6 x 3,5 m. Fünf Trag-, ein Abschluss- und ein vor dem Grab liegender Deckstein (2x1x1 m) sind erhalten.
Seit Sprockhoffs Bestandaufnahme 1929 hat sich dort nichts verändert.

Man erreicht das Grab, indem man von Dötlingen nach Aschenstedt fährt. Kurz vor Aschenstedt geht rechts eine Straße zu einem Ausflugslokal ab. Hier einbiegen und bei der nächsten Möglichkeit nach links abbiegen. Unmittelbar vor den nächsten Häusern liegt das Grab links im Wald.

Das Grab wurde früher auch "der Steinberg" genannt.

Position:  Garmin: N 52° 56,066’; E 08° 24,636’; Google Earth: 52° 56'03,50" N, 8° 24'38,07" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps. 

 


49. Am Schießstand, im Norden Dötlingens, (+++), Sprockhoff-Nr. 944, (in meiner Karte die Nr. 49)

Obwohl die Grabanlage nur noch zu zwei Dritteln erhalten ist, lohnt sie unbedingt einen Besuch. 1956 und 1958 wurden hier ausführliche Grabungen vorgenommen und das Grab anschließend liebevoll restauriert. Man hat so einen guten Einblick in die typische Ausgestaltung eines Hünengrabes. Man sieht, dass die Zwischenräume zwischen den Tragsteinen mit Trockenmauerwerk aus kleinen Steinen, scharfkantig geschlagenen Granitplatten und Erde gefüllt sind, und dass der Boden der Grabkammer sorgfältig mit Feldsteinen gepflastert war. Die außergewöhnlich großen Lücken zwischen den Tragsteinen sind übrigens von den Erbauern so eingerichtet worden. 15 Trag- und 2 Decksteine sind erhalten, mindestens 7 Träger und 8 Decksteine fehlen. Die ursprüngliche Lage der fehlenden Decksteine konnte übrigens genau nachverfolgt werden, weil sich im Boden Verfärbungen des von den Steinen herabsickernden Regenwassers erhalten hatten.
Trotz der mühevollen Renovierung des Grabes darf man aber nicht vergessen, dass es mehrfach "geplündert" wurde.
Angeblich wurden dort Steine für die Dötlinger Kirche entnommen, und um 1920 baute der Schützenverein seine Schießanlage quer durch das östliche Drittel des Grabes, das nun zerstört ist. Ein Plan von 1882 zeigt in etwa die heutige Situation des Grabes.
Seit 1880 sollen bei Raubgrabungen, Notbergungen etc. mehrere huntert Tonnen Keramikscherben aus diesem Grab herausgeholt worden sein. 
Im großen Deckstein befindet sich am südlichen Rand eine begonnene Sprengbohrung, die aber abgebrochen wurde, bevor die für eine Dynamitpatrone nötige Tiefe erreicht wurde.
(kl. Foto unten und roter Punkt in Skizze)
In Sprockhoffs Atlas der Megalithgräber befindet sich eine Skizze der Grabanlage, die zeigt, welche Steine 1929 noch vorhanden waren (links). In der Skizze unten sind die heute vorhandenen Steine abgebildet: Steine, die 1929 fehlten, und bei der Restaurierung 1958 zusätzlich gefunden wurden, sind grün markiert. Ebenso die hinzugefügten Trockenmauern zwischen den Findlingen.
(J. Pätzold, Die Kunde 8, 1957; J. Pätzold, Bericht über d. V. Intern. Kongr. f. Vor- u. Frühgeschichte, Hamburg 1958, 1961)

Laut M. Fansa wurde Holzkohle aus dem Grab mittels Radiocarbonmethode auf  2595 +- 90 v. Chr. datiert. (M. Fansa, Old. JB. 81, 1981)

In älterer Literatur wird das Grab auch als das "auf Meyers Roggenhof" oder "auf Lehmkuhls Rockenhof" bezeichnet.

Für Geocacher: In der Nähe des Grabes gibt es den Geocache GC3CB26 (www.geocaching.com)

      

Position Garmin: N 52° 56,378’; E 08° 22,769’ - Google Earth: 52° 56'22,50" N, 8° 22'45,92" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps.
 

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50. Egypten, "Auf'm Kampe" nördlich von Dötlingen, (+++), Sprockhoff-Nr. 943, (in meiner Karte die Nr. 50)

Auch dieses eher unscheinbare Grab sollte man unbedingt besuchen, obwohl es sehr schwer zu finden ist. Denn hier ist wunderschön zu erkennen, wie die an sich kleine Grabkammer (5,7 x 1,5 m) mit einem viel größeren Erdhügel überschichtet war. So dürften früher alle kleineren Grabstätten ausgesehen haben. 

10 Trag- und zwei Decksteine sind in ihrer ursprünglichen Position erhalten. Ein Teil des Hügels wurde bei der letzten Untersuchung 1992 abgetragen, wobei man a) feststellte, dass der Eingang nicht - wie bisher angenommen - im Südwesten lag, und b) Reste einer bis dahin unbekannten, ovalen Umfassung aus Findlingen fand. Im Rahmen dieser Grabung wurde auch die heutige Zuwegung zum GRab angelegt.
Der ursprüngliche Hügel muss ca. 15 x 12, 5 m groß gewesen sein.
Das Foto rechts unten zeigt das Innere der Grabkammer in ihrem originalen Zustand, d.h. mit den kleinen Steinen und Erde in den Zwischenräumen zwischen den Tragsteinen.


Die grauen Steine hatte Sprockhoff bereits 1929 verzeichnet, die grünen wurden erst 1992 freigelegt.

Ca. 35 m südwestlich dieses Grabes befand sich früher ein weiteres Großsteingrab.

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Position: Garmin: N 52° 57,482’; E 08° 21,662’
              Google Earth: 51° 57'28,92" N, 8° 21'39,83" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps.

Um dieses beispielhafte Grab zu erreichen, fährt man von Dötlingen nach Ostrittrum. Etwa auf halber Strecke geht es links in einen Waldweg hinein, bei dem das Großsteingrab ausgeschildert ist, und nach etwa 500 m, d.h. am Ende des Waldes links, führt ein kleiner Pfad (kleines Hinweisschild) nach Süden zum Grab, das völlig versteckt zwischen Wald und Feld gelegen ist. Diese Zuwegung wurde 1992 angeordnet.
Oder man nimmt in Ostrittrum die erste Straße nach Süden (Rittrumer Kirchweg), am Märchenpark vorbei. Wenn man die sog. Helmshöhe passiert hat, geht der oben beschriebene Waldweg als zweiter Weg nach rechts ab.


Bei Sprockhoff ist noch ein Großsteingrab "Badberger Sand" (Nr. 946) verzeichnet, eine Kammer ohne Einfassung, die auf einem Acker in Dötlingen östlich der Straße Im Fuhrenkamp gelegen hatte. 1896 werden hier noch 14 Steine erwähnt, in einer 1930 gezeichneten Karte sind noch 13 Steine verzeichnet, die wahllos herumliegen. Das Grab war 1930 in die Denkmalliste aufgenommen, aber bereits 1933 wieder als Bodendenkmal entwidmet worden. Sie wurde am 25.5.1962 zur Beseitung freigegeben, und nach Aussagen von Anwohnern wurden die Reste des Grabes Mitte der 1960er Jahre entfernt. Heute ist von dem Großsteingrab nichts mehr zu erkennen.
Position Google Earth: 52° 55,857' N, 8° 23,536' O.

Unter dem Namen "Steenbarg" oder "Steinberg" hat es früher noch ein weiteres Großsteingrab neben dem Hof Schwarting an der Neerstedter Straße im Norden Dötlingens gegeben. 1819 ist noch von "zwei großen Steinen auf vier anderen" die Rede; 1896 wird nur noch von einem Stein gesprochen. Heute liegt dort in einem Garten ein großer Findling, der teilweise von einer großen Eiche überwachsen ist. Dieser Stein könnte der letzte Rest des Großsteingrabes sein. Er wurde 1939 unter Denkmalschutz gestellt
Position: 52° 56,237' N, 8° 22,958' O.

ehem. Lage der zerstörten Gräber bei GoogleMaps.

Ein weiteres Großsteingrab lag im Ortsteil Trahe. Als dort vor langer Zeit das Gelände für die Landwirtschaft nutzbar gemacht wurde, haben unsere Vorfahren die Steine des Großsteingrabes in tief gegrabenen Löchern vor Ort versenkt, damit darüber hinweg gepflügt werden konnte.
1994 wurde dort eine ER%dgasleitung verlegt, und dabei stieß man auf diese Steine. Archäologische Untersuchungen bewiesen, dass es sich einmal um ein GRoßsteingrab gehandelt hatte. Heute liegen drei der Steine an den u.g. Koordinaten mitten im Ort neben einer Infotafel.
Position heute: 52° 56,210' N, 8° 22,800' O.

Ein weiteres Großsteingrab soll auf dem Dötlinger Spielberg gelegen haben. Es wurde vor geraumer Zeit für den Bau der Straße Neerstedt Wildeshausen zerstört.
D. Grashorn spricht 1929 (Nachrichten für Stadt und Land 5) außerdem von zwei Großsteingräber, die in der Neerstedter Heide gestanden haben sollen, und deren Steine vor ca. 200 Jahren für Grundstückseinfriedungen verwendet wurden.
Es soll außerdem ein Großsteingrab nahe dem Birkenbusch bei Neerstedt gegeben haben (Parz. 144/11).
Sello hat in seiner Auflistung von 1893 ein Großsteingrab in der Nähe des Herberger Gräberfeldes erwähnt.
(H. Wichmann, z. Frügesch. d. Gem. Dötlingen, 2002)

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