33. Großsteingräber bei Fallingbostel

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

189. Großsteingrab Krelingen (805)

190. Großsteingrab A, Sieben Steinhäuser (806)

191. Großsteingrab B, Sieben Steinhäuser (807)

192. Großsteingrab C, Sieben Steinhäuser (808)

193. Großsteingrab E, Sieben Steinhäuser (809)

194. Großsteingrab D, Sieben Steinhäuser (810)


189. Großsteingrab Krelingen, nordöstlich von Krelingen (++), Sprockhoff-Nr. 805

Dieses Großsteingrab wurde vom April 1968 bis Sommer 1972 restauriert.
Ürsprünglich hatte die 7,8 x 1,8 m große Grabkammer in einem 13 x 6,5 m großen, flachen Hügel gelegen, der von einem "Steinkranz" umgeben gewesen war. Mir ist dabei nicht klar, ob es sich um eine ovale Umfassung oder ein rechteckiges Hünenbett gehandelt hat, denn die Umfassungssteine sind ebenso wie 5 der ursprünglich 6 Decksteine und mindestens ein Tragstein alle verschwunden. Der südöstliche Abschlussstein muss bei der Restaurierung ersetzt worden sein, denn er ist in der Grabungsskizze von 1968 nicht vorhanden. Der Kammerboden war von den ursprünglichen Erbauern mit einem fast fugendichten Feldsteinpflaster versehen worden, und zwischen den Trägern befand sich ursprünglich ein außergewöhnlich gut ausgeführtes, sog. Zwickelmauerwerk. Ein Tragstein soll noch erhalten sein.
Im Grab fanden sich Scherben der Trichterbecherkultur, aber auch solche, die einen Kultureinfluss aus Ostdeutschland bezeugen. Außerdem haben sehr früh Nachbestattungen durch die Riesenbecherleute stattgefunden.
Auch in der Zeit Karls des Großen muss im Grab gebuddelt worden sein, denn man fand auch Scherben aus dieser Zeit in der Kammer.
Die fehlenden Steine wurden im 19. Jahrhundert für den Bau einer Brücke durch Keile oder Pulver gesprengt und weggeschafft.
Beim Bau der Autobahn wurde das Grab als Fäkaliengrube für die Arbeiter benutzt.

Heute liegen im Umkreis von ca. 10 m  noch 6 größere Findlinge herum, die nicht eindeutig dem Grab zuzuordnen sind. Einer könnte aber ein Decksteinbruchstück sein (Foto unten links).

Dass das Grab heute noch erhalten ist, dürfte der preussischen Regierung zu verdanken sein, die das Gelände 1981 für 100 Goldmark kaufte und unter Schutz stellte.


Position Google Earth:
52° 48,331’ N,  9° 40,286 E
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


Großsteingräber Sieben Steinhäuser, nordöstlich von Westenholz (+++), Sprockhoff-Nr. 806 - 810

Die im folgenden beschriebenen Großsteingräber "Sieben Steinhäuser" liegen in einem militärischen Übungsgebiet und sind nur am Wochenende zu besichtigen, wobei man der Ausschilderung von Westenholz folgen sollte.
Die ursprüngliche Landschaft ist stark gestört, denn die Gräber wurden vor einigen Jahrzehnten mit hohen Erdwällen umgeben, um sie vor Querschlägern und Fehlschüssen zu schützen.
Es gibt übrigens keine verlässlichen Hinweise, dass es einmal 7 Grabkammern gewesen sind, auch in den älteren Unterlagen sind immer nur 5 Gräber verzeichnet. Man muss davon ausgehen, dass in früherer Zeit die Zahl 7 symbolisch für "viele" stand (z.B. "Siebensachen"). Zwar wird bereits 1720 von "te seven Steenhusen" geschrieben. In der ersten bildlichen Darstellung von 1744 sind jedoch schon nur 5 Gräber zu sehen.
Am 24.7.1835 stellte die Amtsvoigtei Fallingbostel die Gräber unter Schutz.
1921 wurden die Gräber erstmals genau vermessen.
1934 begann die Einrichtung des Truppenübungsplatzes, bei der glücklicherweise ausreichende Sicherungsmaßnahmen für die Gräber getroffen wurden, wobei die Gräber C und D sogar ausgegraben und restauriert wurden.
Bei der Wiederinbetriebnahme des Truppenübungsplatzes nach dem zweiten Weltkrieg waren die Gräber erneut aufs höchste gefährdet, und man überlegte im Regierungspräsidium Lüneburg sogar, die Gräber an einen sicheren Ort zu verlegen. Statt dessen wurden die Gräber 1958 mit den vorhandenen Wällen umgeben. Trotzdem kam es aber auch danach noch zu vereinzelten Granateinschlägen im Grabbereich.
1983 wurden die Gräber durch die Militärnehörde erneut vermessen, wobei sich herausstellte, dass alle 5 Gräber genau in nordöstlicher Richtung ausgerichtet und so zueinander aufgestellt sind, dass einige Fachleute bereits von einem "neolithischen" Baukonzept sprechen. Grab D würde dann aber ein "Fremdkörper" in den ansonsten ähnlichen Gräbern sein, und man geht davon aus, dass es das älteste ist.
Der Lageplan der 5 Gräber ist rechts oben wiedergegeben.
Im Dezember 2013 kippte bei einerm der Gräber ein Tragstein um, und ein Deckstein rutschte in die Kammer.Vermutlich hatte starker Regen das Fundament des Tragsteines unterspült. Nach dem Zeitungsfoto nehme ich an, dass es sich um GRab C handelt, das ich seitdem noch nicht besucht habe. Da das Grab in den dreißiger Jahren restauriert worden war, tragen die Erbauer aus der Trichterbecherzeit keine Verantwortung für diesen Zwischenfall. Angeblich wurden deshalb alle "sieben" Steinhäuser für den Publikumsverkehr gesperrt.


190. Großsteingrab A, Sieben Steinhäuser, nordöstlich von Westenholz (+++), Sprockhoff-Nr. 806

Die Kammer ist 6,5 x 2 m groß. Der große, südwestliche Deckstein misst 3,75 x 2,75 x 1 m. Der mittlere Deckstein ist zerbrochen. Der Deckstein des Einganges fehlt. Obwohl es auf beiden Längsseiten je 4 Träger gibt, hat das Grab immer nur 3 Decksteine gehabt, und ist somit ein Beispiel, dass die Bezeichnung der "Joche" nicht immer anwendbar ist (1 Joch = 2 Träger mit zugehörigem Deckstein).
Ich habe keine Unterlagen finden können, ob an diesem Grab Restaurierungsarbeiten stattgefunden haben.

 Position Google Earth: 52° 47,981’ N,  9° 47,763 E  Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


191. Großsteingrab B, Sieben Steinhäuser, nordöstlich von Westenholz (+++), Sprockhoff-Nr. 807

Diese 7,0 x 2,2 m große Kammer weist je 4 Träger und vier zugehörige Decksteine auf, wobei einer sehr schmal ausgefallen ist. Das Grab wurde 1924 ausgegraben und untersucht. Dabei wurden u.a. drei Anhäufungen von Knochen gefunden, die darauf hindeuten, dass die Skelette ab und zu zu Haufen zusammengeschoben wurden, evtl. um für weitere Bestattungen Platz zu machen. Weiterhin konnten Reste des Zwickelmauerwerks festgestellt werden. Aus der ursprünglichen Errichtungsphase stammten offenbar nur die Knochenhaufen und eine Feuersteinklinge, alle anderen Funde lagen darüber und waren jüngeren Datums. Insbesondere Keramikscherben der Riesenbecherkultur und der Einzelgrabkultur wurden noch in der Kammer gefunden.

 

 

  
Position Google Earth:
52° 48,017’ N,  9° 47,778 E
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


192. Großsteingrab C, Sieben Steinhäuser, nordöstlich von Westenholz (+++), Sprockhoff-Nr. 808

Die 5 x 2 m große Kammer war vor ihrer Wiederherstellung stark gestört (Skizze links). Die südwestlichen Tragsteine waren eingestürzt. Die Kammer hat auf der einen Seite nur 3 und auf der anderen 4 Tragsteine mit 3 Decksteinen. Das Grab wurde 1937 ausgegraben und rekonstruiert; die Grabungsunterlagen sollen im Krieg leider zerstört worden sein. 
Ca. 6 m  südlich des Grabes liegen noch zwei weitere Findlinge.
Im Dezember 2013 kippte bei einerm der Gräber ein Tragstein um, und ein Deckstein rutschte in die Kammer.Vermutlich hatte starker Regen das Fundament des Tragsteines unterspült. Nach dem Zeitungsfoto (
Link zum Artikel) nehme ich an, dass es sich um Grab C handelt, das ich seitdem noch nicht besucht habe. Da das Grab in den dreißiger Jahren restauriert worden war, tragen die Erbauer aus der Trichterbecherzeit keine Verantwortung für diesen Zwischenfall. 



                                                                                                            Zustand vor und nach der Restaurierung 1934

Position Google Earth: 52° 48,044’ N,  9° 47,796 E             Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


193. Großsteingrab E, Sieben Steinhäuser, nordöstlich von Westenholz (+++), Sprockhoff-Nr. 809

Die Kammer ist 5,6 x 2 m groß. Auch hier haben wir wieder je 4 Träger mit nur drei Decksteinen. Der Tragstein der südwestlichen Schmalseite fehlte vor der Rekonstruierung und wurde ersetzt. Der Eingang muss hier aus zwei Trägerpaaren bestanden haben. Zwei der Decksteine sind jeweils die Hälfte eines einzigen Findlings, woraus u.U. gefolgert werden kann, dass die Trichterbecherleute bereits so große Findlinge spalten konnten. Das Grab wurde 1937 ausgegraben und restauriert, wobei lediglich ein Becher der Einzelgrabkultur gefunden wurde.

 

 


Position Google Earth:
52° 48,060’ N,  9° 47,830 E
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


194. Großsteingrab D, Sieben Steinhäuser, nordöstlich von Westenholz (+++), Sprockhoff-Nr. 810

Bei diesem Grab handelt es sich um ein sog. Hünenbett, bei dem die eigentliche Grabkammer durch eine 14 x 4 m große, rechteckige Steinsetzung umgeben ist. Die 4 x 3 m messende, fast quadratische Kammer ist insofern besonders, weil sie z.T sehr große Tragsteine hat und von einem riesigen, 4,6 x 4,2 x 0,5 m großen Deckstein abgeschlossen wird. Die Träger bestehen aus relativ schmalen Steinplatten, so dass die Kammer insgesamt für Ganggräber völlig untypisch ist und wohl als eine übergroße Steinkiste angesehen werden muss. 1934 wurde die Anlage ausgegraben, umgestürzte Steine wurden wieder aufgerichtet und die Deckplatte des Eingangs ersetzt. Die Grabungsunterlagen sollen im Krieg zerstört worden sein.
Im Südwesten der Umfassung konnten keine Standspuren von Steinen nachgewiesen werden. Es könnte also sein, dass der Bau bereits in der Jungsteinzeit nicht mehr fertig gestellt worden ist.
Die gesamte Bauform des Grabes deutet nach Meinung von Fachleuten evtl. auf eine sehr enge Verbindung zu den Großsteingräbern Westeuropas hin, während die anderen 4 Gräber typisch für den nordwestdeutschen und niederländischen Grabbau sind.


a = abgebrochene Steinstümpfe

Position Google Earth: 52° 48,045’ N,  9° 47,831 E          Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

 
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C: Bernd Rothmann - Seite erstellt 2010, derzeitige Version Nr. 4 - zuletzt geändert 18.01.14 - Fotos von 2010 - bisherige Besucher: