35. Großsteingräber auf Fehmarn

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker

228. Albertsdorf (250) 229. Katharinenhof I (251)
230. Katharinenhof II (252) 231. Katharinenhof III (253)
232. Katharinenhof IV (254) 233. Katharinenhof V (255)
234. Staberdorf (256) 235. Wulfen (rekonstruiert)
236. Blieschendorf  

(die 200er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der  Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)


Wie auch im in den anderen Teilen von Ostholstein sind die hier beschriebenen Großsteingräber in keiner Weise touristisch erschlossen und zum größten Teil nur während der vegetationslosen Periode zu betreten. Sie liegen fast ausnahmslos in Ackerflächen ohne echte Zuwegung und sind zum Teil darüber hinaus noch stark mit Gebüsch zugewachsen. Die z.T. stattlichen Grabhügel wuren von den Landwirten genutzt, freigepflügte Feldsteine dort abzulagern, so dass z.T. nicht mehr eindeutig festzustellen ist, was verlagerte Umfassungssteine und was bezugslose Feldsteine sind. Alle Gräber sind stark zerstört und lohnen einen Besuch nur für echte Megalithfans.


228. Großsteingrab Albertsdorf = der Averston = der Alversteen, südlich von Gold, südwestlich von Albertsdorf (++), Sprockhoff-Nr. 250

Der Alversteen ist ein kleines Großsteingrab auf Fehmarn, von dem  4 Tragsteine und ein Deckstein (2 x 1,8 x 0,9 m) erhalten sind, die noch in ihrer ursprünglichen Lage befinden. Die Abschlusssteine fehlen, so dass das ursprüngliche Ausmass des Grabes nicht mehr zu erkennen ist. Es könnte sich um einen erweiterten Dolmen gehandelt haben, der früher als markantes Seezeichen gedient haben soll.
In einer Skizze von 1836 ist der westliche Abschlussstein noch zu sehen, im Osten lagen zwei Schwellensteine.

Heute liegt das ausgesprochen gepflegte und ausnahmsweise gut zugängliche Grab in einem kleinen Wäldchen und ist gut auf einem Wanderweg entlang der Küste zu erreichen. Man erreicht es auch, wenn man südlich an Albertsdorf vorbei fährt und dem Feldweg immer nach Süden folgt. Vor Ort ist das Grab gut ausgeschildert.
Leider war es nötig, dass man ein Schild "Hier ist ein Naturdenkmal und kein WC" am Zaun anbringen musste. Schade, dass manche Zeitgenossen sowenig Ehrfurcht vor 5000 Jahre alten Monumenten haben. 


Position: Garmin: N 54° 25,072', E 11° 05,968', GoogleEarth: 54° 25' 04,47" N, 11° 05' 57,87" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

Für Geocacher: In der Nähe dieses Großsteingrabes gibt es den Geocache GCPD1N (www.geocaching.com)


229. Großsteingrab Katharinenhof I = Vitzbyer Steenkist", nordwestlich von Katharinenhof, (+), Sprockhoff-Nr. 251

Die Vitzdorfer Steinkiste ist leider stark zerstört, und wie die meisten Großsteingräber in Ost-Holstein ohne jede Zuwegung. Man kann es nur durch einen langen Marsch über einen Acker erreichen, d.h. nur in der vegetationslosen Periode. Man erkennt den flachen Hügel, auf dem sich das Ganggrab befindet. Sprockhoff hat 1935 10 Tragsteine und drei Decksteine (von ehemals 5) verzeichnet. Heute liegen noch zahlreiche weitere Steine am rande des Grabhügels, von denen nicht zu sagen ist, ob sie zum Grab gehörten, oder von den Bauern dort abgelagert worden sind. Der größte Deckstein ist 2,5 x 1,5 m groß. Die Kammer misst innen 6 x 1,6 m. Vom 2 m langen Gang sind noch alle vier Tragsteine erhalten (Foto ganz unten), die Decksteine des Ganges fehlen.

 

 


Die grauen Steine sind bereits 1935 von Sprockhoff dokumentiert worden. Die grünen Steine habe ich zusätzlich auf dem Grabhügel vorgefunden.

 

Man fährt von Katharinenhof nach Norden zum Campingplatz "Ostsee". Ca. 150 m südlich des Platzes liegt links ein Gehöft, an dem man südlich vorbei entlang der Hecke ca. 300 m zum Grab laufen muss.

Position: Garmin: N 54° 26,377’, E 11° 16,410’, GoogleEarth: 54° 26' 22,80" N, 11° 16' 21,60" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


Die folgenden drei Gräber liegen dicht beieinander nördlich von Katharinenhof in einem Feld und haben keinen direkten Zuweg. Man kann sie nur erreichen, indem man um den Campingplatz herum und am Feldrand entlang zu ihnen läuft. Die flachen Hügel der Gräber sind noch erhalten, wenn auch sehr eng angepflügt, und auf ihnen befinden sich noch einige Tragsteine.

Um zu den Gräbern zu kommen, fährt man von Katharinenhof nach Norden zum Campingplatz "Ostsee". Die Gräber sind dort nur zu Fuß zu erreichen, wenn man um den Campingplatzes herum geht.

230. Großsteingrab Katharinenhof II, nordwestlich von Katharinenhof, (-), Sprockhoff-Nr. 252

Von der langen, schmalen Kammer (6 x 1,2 m) existieren laut Sprockhoff noch 10 Tragsteine und die beiden Abschlusssteine. Die Decksteine fehlen. Seit Sprockhoff das Grab 1935 dokumentiert hat, wurden zwei Steine vom Südende des Grabes entfernt, wobei ich annehme, dass sie in die Grabkammer gelegt wurden, denn in dieser befinden sich heute 5 große Findlinge mehr, als bei Sprockhoff verzeichnet.

Position: Garmin: N 54° 26,611’, E 11° 16,420’,
GoogleEarth: 54° 26' 36,50" N, 11° 16' 25,21" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

 

 

 

 

 


231. Großsteingrab Katharinenhof III, nordwestlich von Katharinenhof (-), Sprockhoff-Nr. 253

Sprockhoff meinte 1935 noch eine 4,5 x 1,5 m große, beschädigte Kammer mit sechs Trag-, 2 Abschluss-, 1 Deckstein und einem Rest eines Decksteines erkannt zu haben. Heute wirkt das Großsteingrab nur noch wie ein großer, wirrer Steinhaufen. Die Steine liegen dabei auch anders als bei Sprockhoff, weshalb ich beide Skizzen unten nebeneinander stelle. Ein Tragstein zeigt Keillöcher von einem Versuch, ihn zu zerkleinern; auf dem Deckstein sollen sich zwei Näpfchen befinden, die ich aber nicht gefunden habe. Das Grab ist stark überwuchert.


Die Skizze links entspricht der Sprockhoff'schen bestandsaufnahme 1935, die Skizze rechts stellt den heutigen Zustand dar.

Position: Garmin: N 54° 26,612’, E 11° 16,439’, GoogleEarth: 54° 26' 36,62" N, 11° 16' 26,33" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


232. Großsteingrab Katharinenhof IV, nordwestlich von Katharinenhof (-), Sprockhoff-Nr. 254

Das Grab ist stark zerstört und weist nur noch 7 Tragsteine, 2 Gangsteine und diverse Bruchstücke auf. Die Decksteine fehlen. Auch dieses Großsteingrab sieht heute wie ein wilder Steinhaufen aus, und die meisten Steine liegen anders, als Sprockhoff sie dokumentiert hat. Ich habe wieder die beiden Skizzen unten nebeneinander gestellt.
Zwei große, separat liegende Steinhälften scheinen aneinander zu passen, und weisen beide je 8 halbierte Keillöcher von ihrer Zerteilung auf. Von dem nördlicheren Brocken wurde ein weiteres Stück abgetrennt. Einen typischen Grenzstein hat man auch gleich herausgepflügt und auf den grabhügel geworfen.


links die Skizze nach Sprockhoff, rechts die Steine, die heute auf dem Grabhügel liegen.
Die Steine A und B sind in beiden Skizzen identisch. Die Meißellöcher sind rot markiert.

Position: Garmin: N 54° 26,617’, E 11° 16,462’, GoogleEarth: 54° 26' 36,82" N, 11° 16' 27,75" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


233. Großsteingrab Katharinenhof V, südöstlich von Katharinenhof (+), Sprockhoff-Nr. 255

Dieses Langbett ist das größte auf Fehmarn. Der Hügel ist 40 x 18 m groß und 2 m hoch. Zahlreiche Umfassungssteine sind erhalten, am Ostende befindet sich die kleine Grabkammer mit einem einzigen großen Deckstein (2 Fotos unten). Dabei handelt es sich um einen querstehenden Urdolmen, der auf der einen Seite einen sehr langen Tragstein, und auf der anderen zwei normale Tragsteine sowie einen südlichen Abschlussstein besitzt. Der Abschlusstein im Norden ist deutlich niedriger und dient als Eingang.
Von den wenigen, noch wirr herumliegenden Umfassungssteinen des Hünenbettes sind mehrere durch Sprengung mit Dynamit zerteilt worden (Fotos ganz unten). Die Reste der Bohrlöcher sind noch zu erkennen.

 


Links ein Überblick über den gesamten Hügel mit den wenigen verbliebenen Steinen, rechts die Grabkammer.
Die kleinen roten Punkte markieren Sprenglöcher an gesprengten Steinen. Die markante Dreierformation rechts
ist in den Fotos oben wiedergegeben.

In Katharinenhof führt kurz bevor die Straße nach Norden abknickt ein privater Feldweg nach Süden, der nach ca. 600 m nach Osten biegt. Man muss noch weitere 600 m nach Osten laufen, bis der Weg einen kleinen Bogen macht. Dort liegt das Grab nördlich des Weges.

Position (Mitte des Hügels): Garmin: N 54° 23,807’, E 11° 17,583’, GoogleEarth: 54° 25' 48,36" N, 11° 17' 35,42" O
Position des Dolmens: Garmin: N 54° 23,809’, E 11° 17,597'
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

Für Geocacher: In der Nähe dieses Großsteingrabes gibt es den Geocache GC3KW2H (www.geocaching.com)


234. Großsteingrab Staberdorf = "auf dem Hinrichsberg", nördlich von Staberdorff (++), Sprockhoff-Nr. 256

Das Grab liegt weit ab von jedem Weg mitten im Ackerland auf dem 23,3 m hohen Hinrichsberg und ist eines der letzten, relativ unzerstörten Großsteingräber Fehmarns. Leider ist es stark mit Schlehen, Holunder und Rotdorn bewachsen.
Im aktuellen Fremdenverkehrsprospekt wird ausgesagt, dass es sich um ein Hünenbett handelt, in dem sich die Reste von 2 Grabkammern befinden.
Ich selbst konnte jedoch keinerlei Hünenbett-Umrandung finden, und stimme eher der Sprockhoff'schen Definition von 1931 zu, in der von  einer 10 x 1,7 m lange Steinkammer mit einen auffälligen Knick in der Mitte gesprochen wird. Sprockhoff nahm an, dass es eine seltsam geknickte Kammer sei, bei der das mittlere Trägerpaar (Joch) fehlte. Er hielt es aber auch für möglich, dass es sich um zwei ganz nah beieinander stehende Kammern handeln könnte. Alle 14 Tragsteine stehen noch in ihrer ursprünglichen Position. An der nördlichen Schmalseite stehen zwei Abschlusssteine, in Süden nur einer, der zweite fehlt. Die 5 z.T. beeindruckenden Decksteine sind noch vorhanden.
In neuerer Zeit sind vom Bauern am Nordwestende der Kammern noch zwei sehr große Findlinge (gelb in Skizze) abgelagert worden, die wohl auf dem Acker ausgegraben worden sind. Einer dieser Steine hat Decksteingröße. Da die Steine aber eine völlig saubere, flechtenfreie Oberfläche haben, gehören sie definitiv nicht zur Grabkammer.
Weiterhin fällt auf, dass vor kurzem ein Zwischenraum zwischen zwei Tragsteinen an der Südostecke zugemauert worden ist (Foto rechts).


Das Grab ist sehr mühsam zu erreichen. Ich bin in Meeschendorf dem Feldweg gefolgt, der am östlichen Ende des Ortes genau nach Osten führt. Dieser Weg hört aber nach ca. 700 m auf, und man muss weitere 800 m am Feldrand an einem Graben entlang gehen. Das Grab liegt dann ca. 200 m weit nach Süden im Feld.

Position: Garmin: N 54° 25,337', E 11° 16,570'; GoogleEarth: ca. 54° 25' 20,19" N, 11° 16' 34,19" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


235. Modell eines Großsteingrabes bei Wulfen, südöstlich von Wulfen (++)

Im Atlas der Großsteingräber von Sprockhoff wird das Grab nicht beschrieben, denn es war bereits 1876 völlig zerstört worden, weil alle Steine für den Deichbau verwendet wurden. Ursprünglich hatte es auf der Salzwiese unterhalb des Wulfener Bergs gelegen, wo früher mehrere Großsteingräber, und zwar bis zu 130 m lange Hünenbetten, existiert haben sollen. Sie sind 1836 von Pastor Harries beschrieben und gezeichnet worden.Leider wurden alle Steine gesprengt und verkauft.
 
2010 wurde das Hünenbett gemäß einer alten Zeichnung von 1836 von der Arbeitsgemeinschaft "Schönes Wulfen" wieder errichtet. Es handelt sich um ein 60 x 7 m langes Hünenbett mit zwei Dolmen als Grabkammern, für das Steine aus ganz Fehmarn zusammengetragen wurden. Leider gibt es keinen Originalstein mehr. Entsprechend der Harries'schen Skizze wurde in der Mitte ein großer Findling aufgestellt, den Pastor Harries als Opferstein gedeutet hatte, und der für Hünebetten völlig ungewöhnlich ist. Bei diesem Stein könnte es sich übrigens um den Originalstein handeln.
Das Modell des Hünenbettes wurde beim Bau nicht überhügelt, und auch das Zwickelmauerwerk zwischen den Steinen wurde weggelassen. So macht die gesamte Anlage, die tiptop gepflegt ist, einen sehr sterilen Eindruck.
Beide Grabkammern haben ihre Öffnung nach Süden. Vor beiden Eingängen stehen zwei Steine, die als Wächter bezeichnet werden, und die die Toten bewachen sollten. Derartige "Wächter" sind mir von keinem anderen Großsteingrab bekannt. Das Foto zeigt die westliche Kammer.

In Touristenprospekten wird von einem rekonstruierten Grab gesprochen. Das ist aber nicht richtig. Die 1964 vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) beschlossene „Charta von Venedig“ sagt aus, dass eine „Rekonstruktion“ nur dann vorliegt, wenn ausschließlich Originalsubstanz verwendet wird.
Beim v0rliegenden Hünenbett muss man eher von einem "Modell 1:1“ sprechen.
(Arch. in Ndsn, 2012)


Der Opferstein in der Mitte des Hünenbettes. Hatte er vor 5000 Jahren oben auf dem Erdhügel gestanden?

Das Megalithgrab ist gut ausgeschildert und leicht zu finden. man fährt von Wulfen die Starße "Bargmöhl" nach Süden am Golfplatz vorbei, bis kurz vor der Ostsee links ein großer Parkplatz liegt. Von diesem geht man ca. 100 m wieder zurück berauf und rechterhand durch ein kleines Wäldchen. Das Hünenbett liegt gut sichtbar am Südende des Golfplatzes.

Position: Garmin: N 54° 24,322’, E 11° 09,740'; GoogleEarth: 54° 24' 19,28" N, 11° 09' 44,56" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


236. Dolmen zwischen Wulfen und Blieschendorf, nördlich von Wulfen

Zwischen Wulfen und Blieschendorf liegt direkt an der Weggabelung (In de Löt und Wulfener Weg) ein kleiner Dolmen. Leider steht an diesem Grab keine Informationstafel. So kann ich nur annehmen, dass es es sich um das Großsteingrab handelt, das 1986 beim Pflügen auf dem Möhlenbarg nördlich von Blieschendorf entdeckt wurde. Von diesem Grab berichtet K.W. Klan, dass es als Verlängerung eines Knicks am Blieschendorfer Weg wieder aufgebaut wurde.

Position: Garmin: N 54° 25.095', E 11° 09,623'; GoogleEarth: 54° 25' 05,80" N, 11° 09' 37,38" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

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