Ursprung der Wildeshauser Geest


    Die Wildeshauser Geest liegt auf dem sog. mittleren oldenburgischen Geestrücken und entstand durch die Eiszeit. Als das Eis zurück wich, wuschen die gewaltigen Schmelzwassermengen den auftauenden Erdboden stark aus. Die Findlinge und Sande blieben am Rand des Eises liegen, die wertvollen Tone wurden von Wasser fortgespült. Wo die Auswaschung nicht so stark war, blieb der Sand mit Ton vermischt und lehmige Böden bleiben zurück. Diese sind die Grundlage für die späteren fruchtbaren Böden, die sog. Esche (Esch ist ein sehr altes gotisches Wort für Ackerland). Da die Esche aber relativ selten vorkommen, war die Geest vor der Erfindung des Kunstdüngers ein unfreundliches Land, das nur wenige Menschen ernähren konnte (das Wort kommt von niederdeutsch güst = trocken, wüst, unfruchtbar). Die daraus resultierende geringe Bevölkerungsdichte ist vermutlich auch der Grund, warum hier überhaupt Hügelgräber über die Jahrtausende erhalten blieben.
    Die vom zurückweichenden Eis hinterlassene Landschaft war ursprünglich leicht hügelig, und so konnten sich in den Senken, wo das Wasser nicht abfließen konnte, große Moorgebiete bilden, die früher ebenfalls als lebensfeindlich galten.
    In der Steinzeit lebten die Menschen vornehmlich in der Nähe fließender oder stehender Gewässer, die heute aber ausgetrocknet sein können. Erst in der Bronze- und Eisenzeit wurde auch die höhere Geest besiedelt.

    Den Überlieferungen zufolge lagen die Megalithgräber der Wildeshauser Geest frei in der Heide, was wohl vor ca. 150 Jahren auch der Fall war. Aber man geht heute davon aus, dass die Heide eine Folge des menschlichen Einfusses seit der Eisenzeit ist. Ursprünglich, d.h. in der Steinzeit, war die Gegend vermutlich von gemischten Birken- und Eichenwäldern bestanden, die von Eschen, Linden und Ahorn durchsetzt waren (Nadelbäume werden erst seit ca. 250 Jahren angepflanzt). Diese wurden nach und nach abgeholzt, nachwachsende Bäumchen wurden von Schafherden weggefressen, Neuanpflanzungen gab es früher nie. Die Heide breitete sich aus. Man nimmt an, dass sie ihre größte Ausdehnung im 17. und 18. Jahrhundert hatte.
    Wichtige Beweise dafür lieferten die Megalith- und Hügelgräber selbst. Die Kleinenkneter Steine beispielsweise wurden ab 1934 ausgiebig untersucht. Das Erdreich unterhalb der Grabanlagen wies zu keiner Zeit Bodenschichten auf, die für Heide typisch sind. Die Gräber sind eindeutig in Waldgebieten errichtet worden. Auch Untersuchungen an Hügelgräbern bei Neerstedt und Molbergen erbrachten keinen Hinweis, dass diese in einer Heide aufgeschichtet worden sind. Es gab aber auch einige wenige Gräber (z.B. Schießstand in Dötlingen, die in bereits voll entwickelten Heidegebieten angelegt worden sind.
    Das Bild, das uns alte Kupferstiche vermitteln, auf denen die Gräber in freier Heidelandschaft liegen, ist also nicht unbedingt typisch. So, wie die Gräber heute im Wald vorzufinden sind, ergibt sich wahrscheinlich ein besseres Bild der ursprünglichen Verhältnisse.

    Beim Biohof Bakenhus bei Großenkneten wurde im Zusammenhang mit einem Lehrpfad ein Bodenschnitt aufgegraben, der Schichtungen von der letzten Eiszeit bis heute freilegt:

 
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