23. Großsteingräber  im Emsland - Groß-Berßen

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

121. Brutsteene, Groß-Berßen IX (855)

122. Großstgr. im Ipeken Tannenwald, Gr.-Berßen I (856)

123. Großstgr. im Ipeken, Groß-Berßen II (857)

124. Großsteingrab Groß-Berßen III

125. Großsteingrab Groß-Berßen IV (858)

126. Großsteingrab Groß-Berßen V

127. Wappengrab, Groß-Berßen VI (859)

128. Königsgrab, Groß-Berßen VIII (860)

129. Großstgr. Groß-Berßen VII (rekonstr.) (861)

130. Deepmoorsteene, Groß-Berßen X (862)

(die 800er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)



In alten Dokumenten von 1825 bis 1893 sind im Raum Groß-Berßen 12 Großsteingräber beschrieben, von denen heute noch 10, wenn auch viele stark zerstört, erhalten sind. Man erreicht sie die meisten, wenn man von Groß-Berßen aus die Kreisstraße 138 nach Hüven befährt. Die beiden anderen Groß-Berßener Gräber liegen weiter nördlich bzw. südlich.

121. Großsteingrab Brutsteene, Groß-Berßen IX, südwestlich von Sögel, (++), Sprockhoff-Nr. 855

Sprockhoff bezeichnet dieses Grab als Hünenbett, von denen es im Emsland im Verhältnis zur Gesamtzahl an Megalithgräbern nur sehr wenige gibt (siehe auch Gräber 832, 851 und 862). Das Bett soll 30 x 6 m groß gewesen sein, ihre Umfassung ist größtenteils zerstört oder verlagert. Die Kammer ist 5 x 2 m groß; es fehlen vermutlich 4 Tragsteine, denn es dürfte sich um eine vier-jochige Kammer gehandelt haben. Die Decksteine fehlen, es ist davon auszugehen, dass Trümerstücke noch herumliegen. Heute sieht die Gesamtanlage so chaotisch aus, dass es schwer fällt, sich das ursprüngliche Großsteingrab vorzustellen. Die Weitläufigkeit könnte allerdings wirklich auf ein Hünenbett hindeuten. Die Einfasssteine am Westende deuten sogar noch die rechteckige Form der Einfassung an.
Ein Stein der Kammer weist ein Bohrloch von einem Sprengversuch auf
(Foto unten).
Gegenüber der Erfassung durch Sprockhoff 1926 ist das Grab unverändert.

Der Name deutet daraufhin, dass hier im Mittelalter Trauungen oder Fruchtbarkeitsrituale durchgeführt wurden ("Brautsteine"). Mehrere Großsteingräber tragen vergleichbare Namen, wie z.B. die Visbeker Braut bei Ahlhorn.

Man verläßt Berßen nach Norden in Richtung Sögel. Im nördlichen Ortsbereich biegt man von der K 159 (Lange Straße) in die Straße am Wiesengrund ein. Wenn das keine Waldstück beginnt, liegt links eine kleine, geschützte Heidefläche mit Hügelgräbern. Der Waldweg nach Süden endet in einer verwilderten Fläche, in der das Grab zu finden ist.
Position: Garmin:
N 52° 47,441’, E 7° 29,945’; Google Earth: 52° 47’ 27,52” N, 7° 29’ 56,46” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps 

nach oben



122. Großsteingrab im
Ipeken Tannenwald, Gr.-Berßen I, südwestlich von Sögel, (++), Sprockhoff-Nr. 856

Auf einem gut erkennbaren Resthügel liegt die gut erhaltene Anlage mit einer langen Grabkammer und ovaler Umrandung, von der noch 24 Steine vorhanden sind. Die Kammer steckt noch tief im Boden, so dass nur die Decksteine zu sehen sind. Es waren ursprünglich 10 Stück, 7 davon sind gut erhalten, der achte ist zerbrochen. Der mittlere Deckstein ist beonders groß, erhat vermutlich auch den Eingang überdeckt (Torstein).
Im Bereich der Kammer habe ich einen Stein mehr gezählt, als Sprockhoff 1926 dokumentier hat. Dafür fehlen am südlichen Ende der Umfassung zwei Steine. Mitten im nordwestlichen Halbkreis der Einfassungung liegt ein Stein mit 6 Bohr- bzw. Meißellöchern.

Um zu den Gräbern 856 bis 861 zu kommen, muss man von Groß Berßen die K 138 (Nordallee) nach Osten in Richtung Hüven fahren. Nachdem die Landstraße eine Rechtskurve gemacht hat und durch Wald führt, liegt direkt rechts neben der Straße das Großsteingrab auf einer kleinen Erhöhung.
Position: Garmin: N 52° 46,867’, E 7° 30,209’, Google Earth: 52° 46’ 52,23” N, 7° 30’ 11,56” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps 

nach oben



123. Großsteingrab im Ipeken, Groß-Berßen II, südlich von Sögel, (++), Sprockhoff-Nr. 857

Ein schönes Großsteingrab, bei dem alle Steine noch erhalten sind und größtenteils am Originalort stehen oder liegen. Die Kammer war 8 x 2 m groß. Von einer Einfassung ist nichts zu erkennen. Das Grab ist verglichen mit Sprockhoffs Zeichnung von 1926 unverändert.

Man folgt der K 138 weiter nach Osten und nach ca. 50 m liegt das Grab rechts in einem kleinen Waldstreifen direkt am Feldesrand.
Position: Garmin:
N 52° 46,857’, E 7° 30,419’, Google Earth: 52° 46’ 52,05” N, 7° 30’ 24,97” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps 


nach oben


Noch weiter nach Osten liegt rechts der K 138  das Naturschutzgebiet Holschkenfeen mit einem großen Parkplatz. In einem kleinen Heidestück liegen die Reste von vier Großsteingräbern dicht beieinander, wobei die hier beschriebenen ersten drei kaum einen Besuch lohnen, das sog. Wappengrab dagegen schon. Man startet am besten vom Parkplatz am westlichen Ende des Gräberfeldes.

124. Großsteingrab Groß-Berßen III, zwischen Sprakel und Sprakelerwald, (-)

Heute gibt es nur noch 2 Bruchstücke eines gesprengten Decksteines mit den Resten eines Bohrloches. Sprockhoff erwähnt noch einen Tragstein.

Position: Garmin:
N 52° 46,826’, E 7° 30,848’, Google Earth: 52° 46’ 49,78” N, 7° 30’ 50,27” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps
 

125. Großsteingrab Groß-Berßen IV, südlich von Stavern, (-), Sprockhoff-Nr. 858

Auf einem angedeuteten Hügel liegen 3 Deck- und 2 Tragsteine. Ein Tragstein ist nur noch zur Hälfte vorhanden und weist Bohrlöcher auf. in denen noch Reste der Metallkeile stecken.

Ca. 12 m südlich vom Grab liegt ein weiterer großer Findling. Eine Skizze von Sprockhoff gibt es nicht; es ist aber davon auszugehen, dass das Grab seit 1926 unverändert geblieben ist.

Position: Garmin:
N 52° 46,833’, E 7° 30,879’, Google Earth: 52° 46’ 50,14” N, 7° 30’ 51,79” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps
 

 

 

 

 

126. Großsteingrab Groß-Berßen V, südlich von Stavern, (-)

Sprockhoff spricht von einem "vollständig ausgegangenen" Großsteingrab, d.h. er hat 1926 wohl keine Steine mehr vorgefunden. Um so erstaunlicher, dass heute dort eine relativ gut erhaltene Grabkammer mit 11 Tragsteinen liegt. Ein Stein weist 5 Bohrlöcher auf.


Position: Garmin: N 52° 46,835’, E 7° 30,903’, Google Earth: 52° 46’ 50,40” N, 7° 30’ 53,79” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

127. Großsteingrab Wappengrab, Groß-Berßen VI, westlich von Klein-Stavern, (++), Sprockhoff-Nr. 859

Dieses Grab ist erheblich ansehnlicher als seine Nachbarn und liegt auf den Resten eines 17 x 12 m großen Hügels. Es dürfte einmal 5 Joche aufgewiesen haben und innen 7,5 x 2 m groß gewesen sein.
Ein Deckstein fehlt, einer liegt zerbrochen in der Kammer und ein dritter ist mit 6 Bohrlöchern versehen und liegt neben der Kammer.
Interessant ist dabei die im Emsland mehrfach beobachtete Tatsache, dass in drei der Löcher noch Reste von abgebrochenen? Metallkeilen stecken. Anscheinend wurde hier nicht mit Dynamit gesprengt, sondern man hat versucht, den Stein durch das Einschlagen von Metallkeilen zum Platzen zu bringen.


       

Position: Garmin:
N 52° 46,845’, E 7° 30,924’, Google Earth: 52° 46’ 50,73” N, 7° 30’ 56,46” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

Das Wappengrab liegt am östlichen Ende der Gräbergruppe im Naturschutzgebiet Holschkenfeen. Wenn man die K 138 überquert geht es unmiitelbar gegenüber von 859 in den Wald, und es ist es nur ein kurzer Spaziergang zum rekonstruierten Grosteingrab und zum Königsgrab.

nach oben


128. Großsteingrab Königsgrab, Groß-Berßen VIII , westlich von Klein-Stavern, (+), Sprockhoff-Nr. 860

Das eindrucksvolle Grab mit seiner 20 x 7,5 m großen, ovalen Einfassung steht in einem flachen Hügel (24 x 12 m). Von der Einfassung sind noch mehr als 30 Steine erhalten, von den ursprünglich 24 Tragsteinen gibt es noch 21. Es ist heute ungewiss, ob das Grab einmal 9 oder 10 Decksteine aufgewisen hat, drei davon liegen noch in situ. Auch ein Deckstein des Einganges ist noch da.
Am dritten Deckstein von Westen wurden 1950 von Vandalen Initialen eingemeißelt.

An zwei Decksteinen dieses Grabes kann man hervorragend erkennen, dass von den Gletschern der Eiszeiten ganz unterschiedliche Granittypen im Emsland abgelagert wurden.  Ein Deckstein weist sehr feinkörniges, glattes Gestein auf, ein anderer grobkristallinen Granit.
 

Verglichen mit der Skizze im Sprockhoff-Atlas scheinen alle Steine noch vorhanden zu sein, die Sprockhoff 1926 katalogisiert hat. Neben der Südwestecke liegt sogar noch ein zusätzlicher Findling.

Um zum Königsgrab zu gelangen, hält man sich von der K 138 kommend streng nach Norden. Oder man besucht zuerst rekonstruierte Grab 861, und wählt den von diesem nach Nordwesten wegführenden Trampelpfad.
Position: Garmin:
N 52° 46,932’, E 7° 31,978’, Google Earth: 52° 46’ 56,09” N, 7° 30’ 58,52” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

nach oben


129. rekonstruiertes Großsteingrab Groß-Berßen VII, westlich von Klein-Stavern, (+), Sprockhoff-Nr. 861

Als Sprockhoff 1926 diesen Ort besuchte, lag das Grab in einem 3 - 4 m hohen und 24 x 20 m großen Hügel und war stark zerstört. Eine genaue Untersuchung erfolgte 1955-56, und danach wurde das Grab aufwändig rekonstruiert. Der Hügel wurde in seinen alten Maßen von 24 x 20 m wieder aufgeschüttet. Heute ist es typisches Beispiel dafür, wie die kleinen Ganggräber früher wohl einmal ausgesehen haben.
Interessant ist der gespaltene Deckstein im Eingangsbereich, der wieder zusammengefügt wurde.
Als Sprockhoff das Grab 1926 dokumentiert hat, lagen die Steine ziemlich konfus herum. Da die Kammer heute komplett von einem Hügel umhüllt ist, kann ein Vergleich des heutigen Zustandes mit der Sprockhoff-Skizze nicht gemacht werden.

das rechts abgebildete Vogelnest befand sich im Juni 2008 im Inneren der Grabkammer gegenüber vom Eingang.

Man findet das Grab, wenn man sich auf dem Waldweg, der gegenüber von Grab 859 von der K 138 abgeht, immer östlich hält. Der Hügel ist nicht zu übersehen.
Position: Garmin:
N 52° 46,893’, E 7° 31,020’, Google Earth: 52° 46’ 53,23” N, 7° 31’ 07,77” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

 

nach oben


130. Großsteingrab Deepmoorsteene, Groß-Berßen X, westlich von Klein-Stavern, (+), Sprockhoff-Nr. 862

Das Großsteingrab liegt in einem Gebüsch mitten im Ackerland und ist total verwildert und ungepflegt. Die Fundamente einer ehemaligen Infotafel stehen noch vor dem Grab; die Tafel ist längst verschwunden.
Von der 9,5 x 2,5 m großen Kammer sind die meisten Tragsteine und 5 von ursprünglich 6 Decksteinen noch vorhanden, wobei einer gesprengt wurde. Zwei äußere Steine deuten auf eine ehemalige Einfassung hin. Sprockhoff spekuliert deshalb, dass es sich um ein Hünenbett gehandelt haben muss. Heute kann ich diese Vermutung nicht mehr nachvollziehen, es könnte genauso gut eine ovale Einfassung gewesen sein.
Derartige Hünenbetten gibt es im Emsland nur in Sögel (
Düvelskuhlen II - Sögel III, 832), Klein Stavern (Deymanns Mühle IV, 851) und hier in Groß Berßen (855, 862).
Südlich liegen drei Steine neben dem Grab, die Sprockhoff in seiner Bestandsaufnahme von 1926 nicht verzeichnet hat.


 

Man verlässt Groß Berßen auf K 159 nach Südosten in Richtung Siedlung Osterfeld und Lähden. Wenn der Baumbestand rechts und links endet, biegt man nach Süden in die Moorstraße ein. Das Grab liegt dann links mitten im Ackerland, ist aber über Feldwege gut zu Fuß zu erreichen.
Position: Garmin:
N 52° 45,963’, E 7° 30,634’, Google Earth: 52° 45’ 57,75” N, 7° 30’ 38,02” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

nach oben

 
~ 1 ~


C: Bernd Rothmann - Seite erstellt 2008, derzeitige Version Nr. 4 - zuletzt geändert 4.2.13 - alle Fotos von 2008 - bisherige Besucher: