37. Großsteingräber in Ostholstein - westlicher Teil

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

214. Neu-Testorf I (270)

215. Neu-Testorr II (271)

216. Hansühn I (272)

217. Hansühn II (273)

218. Testorf (274, zerstört)

219. Meischenstorf (275)

220. Grammdorf I (276)

221. Grammdorf II

222. Grammdorf III

 

(die 200er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)


Wie auch im östlichen Teil von Ostholstein sind die hier beschriebenen Großsteingräber in keiner Weise touristisch erschlossen und zum größten Teil nur während der vegetationslosen Periode zu betreten. Sie liegen fast ausnahmslos mitten in Ackerflächen ohne jede Zuwegung und sind zum Teil darüber ninaus noch völlig mit Gebüsch zugewachsen. Die z.T. stattlichen Grabhügel wuren von den Landwirten genutzt, freigepflügte Feldsteine dort abzulagern, so dass z.T. nicht mehr eindeutig festzustellen ist, was verlagerte Umfassungssteine und was bezugslose Feldsteine sind. Alle Gräber sind stark zerstört und lohnen einen Besuch nur für echte Megalithfans.


214. Großsteingrab Neu-Testorf I, südlich von Hansühn, (+), Sprockhoff-Nr. 270

Beide Neu-Testorfer Gräber liegen in einem Acker. Es gibt keine Zuwegung, und somit sind sie nur während der vegetationslosen Zeit zu besichtigen.
Das nördlicher gelegene Grab 1 war ehemals ein Hünenbett mit gleichgerichteter Holsteinischer Kammer ziemlich genau in der Mitte. Fast alle Umfassungsteine sind umgeworfen bzw. versetzt worden und ggf. auch mit Feldsteinen aus späteren Zeiten durchsetzt. Da der Hügel ca. 18 x 10 m groß ist, ist anzunehmen, dass das Hünenbett einmal 16 m lang und 7 m breit war. Von der 4 x 1,5 m großen Kammer kann man noch insgesamt 9 Tragsteine erkennen. Der Gang hatte zwei Tragsteine, die noch erhalten sind (kl. Foto unten), und einen Deckstein, der neben dem Gang liegt. Von den mindestens 4 Decksteinen der Kammer ist nur noch einer vorhanden, er liegt in der Kammer.
Sprockhoff geht wegen der Masse des Hügels davon aus, dass die Kammer völlig von Erde bedeckt gewesen sein muss.

      
Man erreicht die beiden Gräber 270 und 271, wenn man Hansühn auf der L 216 nach Neu-Testorf bzw. Schönwalde verläßt. Zuerst passiert man das weiter unten beschriebene Gestrüpp mit Grab 272, dann macht die Straße eine langgezogene Linkskurve. Etwa an ihrem Ende liegen beide Gräber hoch oben über der Straße auf dem Acker und sind durch die Bäume zu erkennen, die auf den Grabhügeln stehen.
Position: Garmin: N 54° 14,736', O 10° 44,880', GoogleEarth: 54° 14' 46,50" N, 10° 44' 53,78" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


215. Großsteingrab Neu-Testorf II, südlich von Hansühn, (+), Sprockhoff-Nr. 271

Auch Grab 2 ist ein Hünenbett mit einer mittigen Kammer, jedoch ist die gesamte Anlage stark gestört und stark mit Holunder und anderem Gebüsch be- und durchwachsen. Der Hügel ist mit 26 x 17 m größer als der von Grab 1. Von der Kammer scheinen noch einige Tragsteine in Situ zu stehen, so dass Sprockhoff von Holsteiner Kammer von 6 x 1,5 m Größe ausgegangen ist. Die grün gefärbten Steine in der Skizze unten sind bei Sprockhoff nicht verzeichnet, müßten aber eigentlich auch zum Grab gehören; der gelbe Stein an der nordöstlichen Ecke gehört mit Sicherheit nicht dazu, sondern wurde später abgelegt.
Das Grab liegt nur ca. 50 m südlich von Grab 1.


Anfahrt siehe Grab 270.
Position: Garmin:
N 54° 14,782’, E 10° 44,884’, GoogleEarth: 54° 14' 43,41" N, 10° 44' 53,54" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

Im Textband des "Atlas der Megalithgräber - Schleswig-Holstein" ist beschrieben, dass das kleinere Grab 1 (270) das nördlichere der beiden Gräber sei. Im Kartenteil dieses Textbandes ist aber das nördlichere Grab mit der Nr. 271 versehen. Im großen Band mit den Risszeichnungen ist die Nummerierung wiedrum richtig. Ich bin auf dieser Homepage davon ausgegangen, dass das nördlichere Grab die Nr. 270 ist.

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216. Großsteingrab Hansühn I, südlich von Hansühn, (-), Sprockhoff-Nr. 272

Bei Sprockhoff wird das Grab als trapezförmiges Hünenbett mit gleichgerichteter Kammer bezeichnet, von der nur der südwestliche Teil der Anlage erhalten ist. Der nordöstliche Teil soll durch eine Sandgrube zerstört worden sein.Da von der Kammer 1937 noch einige Steine erhalten waren, hat Sprockhoff sie als Holsteiner Kammer von 3,50 x 1,50 m Innenmaßen identifiziert. Der Gang musste damals noch gut erhalten sein.
Heute können diese Beobachtungen nicht mehr geprüft werden. Von einer Sandgrube ist nichts mehr zu sehen; das Grab liegt in einem Acker direkt neben der Straße und ist so dicht mit dornigen Schlehen durchwachsen, dass es nicht betreten bzw. untersucht werden kann.
Bevor der gut sichtbare Hügel des Grabes zuwucherte, ist er offensichtlich als Ablageplatz für freigepflügte Feldsteine verwendet worden.

Skizze nach Sprockhoff

Das Grab liegt kurz hinter dem südlichen Ortsende von Hansühn direkt östlich neben der L 216 nach Schönwalde.
Position: Garmin:
N 54° 14,945’, E 10° 44,847’, GoogleEarth: 54° 14' 56,66" N, 10° 44' 51,04" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


217. Großsteingrab Hansühn II, nordlich von Hansühn (+), Sprockhoff-Nr. 273

Es handelt sich um eine stark gestörte Steinkammer, die von einem kreisförmigen, ca. 10 m durchmessenden Steinkranz umgeben ist. Die gesamte Anlage liegt auf einem gut erkennbaren Hügel im Acker. Sprockhoff hatte 1936 vom Steinkranz 16 Steine erkennen können, außerdem 2 Decksteine der Kammer. Sprockhoff nahm an, dass die Kammer ehemals drei Decksteine besaß und noch vollständig in der Erde steckt. Ich habe bei meinem Besuch zwei zusätzliche Steine der Kammer sehen können (grün), außerdem war der nordöstlichste Kammerstein (gelb) deutlich größer als in der Skizze bei Sprockhoff. Auch die Umrandung weist heute offenbar mehr Steine (grün) als 1936 auf, wobei es sich z.T. aber auch um später abgelegte Feldsteine handeln könnte.  Andererseits sind alle bei Sprockhoff verzeichneten Steine auch heute noch vorhanden und das Grab macht einen relativ gepflegten Eindruck (kein wucherndes Gebüsch etc.).

   

Man folgt der Straße, die in Hansühn unmittelbar östlich der Kirche nach Norden führt. Man geht am Friedhof vorbei in Richtung Wrangels. Wenn man dem Feldweg folgt, liegt das Grab hinter der Hügelkuppe links im Acker, wobei vom Feldweg nur die Baumspitzen zu sehen sind.
Position: Garmin: N 54° 15,667', E 10° 45,621', GoogleEarth: 54° 15' 39,76" N, 10° 45' 38,11" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

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218. zerstörtes Großsteingrab Testorf, am östlichen Ortsrand von Hansühn (---), Sprockhoff-Nr. 274

1936 hat Sprockhoff noch ein 28 m langes, recheckiges Hünenbett mit einer Kammer und 5 verstreut herumliegenden Decksteinen vorgefunden, das in der Nähe einer Mergelgrube gelegen haben soll.
Ich habe das Großsteingrab 2012 noch nicht finden können. Es soll am östlichen Ausgang von Hansühn südlich der L 258 liegen.


219. Großsteingrab Meischenstorf, südlich von Grammdorf (---), Sprockhoff-Nr. 275

Dieses Grab ist heute sehr stark zerstört. Im Atlas der Großsteingräber von Sprockhoff wird 1959 noch eine fast komplette holsteinische Grabkammer (7 x 1,5 m) mit einigen Bruchstücken von Decksteinen, die etwas abseits liegen, eingezeichnet; heute findet man nur noch die besagten Bruchstücke, aber keine Kammer mehr.
Die Skizze gibt den von Sprockhoff 1933 dokumentierten Status wieder, den ich heute nicht nachempfingen bzw. überprüfen konnte.
 

Das Grab ist sehr mühsam zu erreichen; am besten geht man vom Grab Grammdorf I nach Westen bis zum Feldrand, und dann immer am feldrand entlang nach Süden, bis der Wald sich stark anch Osten ausdehnt. Dort liegt unmittelbar am Feldrand das eigentlich nicht mehr existente Großsteingrab.

Position: Garmin: N 54° 15,386', E 10° 47,772'; GoogleEarth: 54° 15' 23,93" N, 10° 47' 46,68" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


220. Großsteingrab Grammdorf I, südlich von Grammdorf (+), Sprockhoff-Nr. 276

Das Grab liegt auf dem ursprünglichen Grabhügel in einem "Knick" (Grenzhecke zwischen zwei Feldern). Von der früher evtl. dreijochigen Grabkammer (ein Großdolmen?) ist nur der hintere, südliche Teil mit einem großen Deckstein erhalten. Acht Tragsteine dürften noch in situ stehen, zwei bei Sprockhoff eingezeichnete Abschlußsteine am Nordende des Grabes sind so heute nicht mehr erhalten. Dort liegen jetzt mehrere Bruchstücke herum (in Skizze grün eingezeichnet). Der vorhandene Kammerrest ist aber durchaus sehenswert.
       

Am Westende von Grammdorf führt östlich des Ziegeleiweges ein Feldweg nach Süden. Ihm folgt man, bis es kräftig bergauf geht und linker Hand die Grenzhecke beginnt. Man kann den Deckstein des Grabes dann eigentlich schon von weitem sehen.

Position: Garmin: N 54° 15,638', E 10° 48,024'; GoogleEarth: 54° 15' 39,58 N, 10° 47' 55,23"
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


221. Großsteingrab Grammdorf II, östlich von Grammdorf (+)

Dieses Grab war bei Feldarbeiten an der Straße Grammdorf-Johannesdorf entdeckt worden. 1982 wurde es archäologisch untersucht und 1983 an der jetztigen Stelle, nicht weit vom Fundort, wieder aufgebaut.
Die Grabkammer stellt insofern eine Besonderheit dar, dass sie von den Neolithikern nicht wie die meisten Großsteingräber in Norddeutschland auf einer Erhöhung gebaut wurde, sondern dass für ihren Bau eine Grube ausgehoben wurde, in der das Grab praktisch unter der Erdoberfläche errichtet wurde. Bei der Untersuchung wurden mehrere Nachbestattungen aus einer ca. 800 Jahre jüngeren Periode nachgewiesen. Beim Auffinden des Grabes waren die Decksteine bereits verschwunden; beim Wiederaufbau wurden neue Decksteine aufgelegt.
Ich frage mich, ob dieses Grab nicht in die Kategorie Steinkisten, wie die von
Anderlingen und Farven einzustufen ist. Dies gilt auch für das Grab in Ratekau , das ebenfalls relativ schmalen Tragsteine aufweist.
Steinkisten sind typisch für die Übergangszeit zwischen Jungstein- und Bronzezeit. Sie erinnern vom Aufbau noch an die größeren Großsteingräber, aber in diesen Kisten war nur jeweils eine Person bestattet.
Dadurch würde sich auch erklären, warum keine Funde aus der Trichterbecherzeit gemacht wurden.

      

Die kleine Grabkammer liegt im Osten von Grammdorf, im südlichen Straßengraben der Straße von Lübbersdorf nach Grammdorf, unmittelbar da, wo die Straße nach Meischenstorf abzweigt.

Position: Garmin: N 54° 15,881', E 10° 49,895'; GoogleEarth: 54° 10' N, 10° 49' O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

Für Geocacher: In der Nähe dieses Großsteingrabes gibt es den Geocache GC2WGMD (www.geocaching.com)

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222. Großsteingrab Grammdorf III, östlich von Grammdorf (-)

Östlich des Wasserwerkes Farve liegt im Wald ein deutlich erkennbarer Hügel, der als LA 69 in der schleswig-holsteinischen Landesaufnahme aufgelistet ist.
Weil vermutet wurde, dass in diesem Hügel ein neolithisches Großsteingrab steckt, fanden im August bis Oktober 2012 dort Grabungen im Rahmen eines DFG-Projektes (1) statt.
Dabei wurden tatsächlich die Reste eines Großsteingrabes gefunden, das aber bereits stark zerstört war. Alle Decksteine und zahlreiche Träger waren nicht mehr vorhanden. Zwischen zwei verbliebenen Tragsteinen befand sich noch verstürztes Zwickelmauerwerk.
Es wurden noch mehr als 30 Keramikgefäße, Klingen, Beile, eine Streitaxt und Bernsteinperlen in der Grabkammer geborgen.

Position: GoogleEarth: 54° 16' 35,03" N, 10° 47' 33,70" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

1) DFG-Projekt 1400: Megalithanlagen in Ostholstein

 

 
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