15. Großsteingräber und Hügelgräber im Landkreis Cloppenburg
Lastrup

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

68. Auf dem Sonderling, Lastrup (969)

69. Dwerschsonderling, Lastrup (970)

70. Oldendorfer Hünensteine (968)

71. Großsteingrab Fuhrenkamp 1 (965)

72. Großsteingrab Fuhrenkamp 2 (966)

73. Großsteingrab Fuhrenkamp 3 (967)

(die 900er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)


68. Großsteingrab "auf dem Sonderling", nordöstlich von Lastrup (++), Sprockhoff-Nr. 969

Es handelt sich um eine Steinkammer mit Resten einer ovalen Einfassung (25 x 6 m)
(links). Kammer und Einfassung sind stark gestört. Die Kammer selbst war vermutlich einmal 17 x 1,5 m groß.
Die Angaben zu den Steinen sind bei diesem Grab widersprüchlich:
Laut Sprockhoff fehlen von den ehemals 26 Trägern 4, und Fansa schreibt, dass von den ehemals 26 Tragsteinen 7 fehlen. Das am Grab befindliche Schild erwähnt 4 fehlende Träger (von 26) und 4 vorhandene Decksteine (von 11).
Ich selbst habe mit den Einfassungssteinen  42 zum Grab gehörige Steine gezählt. Im Vergleich mit der Bestandsaufnahme durch Sprokhoff 1929 liegen heute 5 zusätzliche Steine im Grab, ein Stein ist verschwunden. Der westlichste Stein wurde nach innen verlagert.
Der größte Deckstein
(ganz oben lineks) ist 3 x 2,2 x 0,8 m groß, hat oben drauf ein Bohrloch von einem nicht erfolgten Sprengversuch (oben rechts und roter Punkt in der Skizze unten) und an der Stirnseite eine schwach eingemeißelte Inschrift, die ich leider nicht entziffern konnte: "FB .... OLROTT     POSTERKAMP....   1907". Ein Träger etwas weiter östlich trägt die ebenfalls sehr undeutlich eingemeisselte Inschrift "H.H.NEMANN". Die Lage der Inschriften ist in der Skizze unten blau markiert.
Das Grab war 1884 im Rahmen einer Flurbereinigung für 150 Mark vom Oldenburger Landesverein von einem Bauern gekauft worden, um eine mögliche Zerstörung zu verhindern.

Auf dem Foto von 2008 ganz oben ist zu erkennen, dass der größte, mittlere Deckstein immer wieder durch darunter angezündete Lagerfeuer geschädigt wird. Im Juni 2010 war offensichtlich ein derart starkes Feuer entszündet worden, dass der Deckstein zwei durchgehende Risse und einer der Tragsteine ebenfalls einen durchgehenden Riss davongetragen hat. Inzwischen musste dieser Deckstein durch einen Fremd-Findling abgestützt werden. damit er nicht weiter auseinanderbricht. Außerdem wurden Schilder aufgestellt, dass das Grab wegen Einsturzgefahr nicht mehr betreten werden darf. Die Fotos oben sind somit als historisch anzusehen. So bekommen rücksichtlose Zeitgenossen 5000 Jahre alte Kulturdenkmäler kaputt.

Von Cloppenburg kommend, biegt man kurz vor Lastrup nach rechts in die Straße Kirschgarten ein. Der Feldweg, der die Verlängerung der Straße darstellt, führt zu den beiden Gräbern.
Position: Garmin: N 52° 48,132’, E 07° 52,362’, Google Earth:
52° 48’ 07,82” N, 7° 52’ 20,37” O
Der Weg zu beiden Gräbern mit GoogleMaps


69. Großsteingrab "Dwerschsonderling", nordöstlich von Lastrup (+), Sprockhoff-Nr. 970

Dieses Grab liegt nicht mehr an seinem Originalplatz, sondern wurde 1882 oder 1886 bei einer Flurbereinigung durch Pastor Wulf um ca. 20 m nach Norden versetzt. Es handelte sich damals um die erste Umsetzung eines Großsteingarbes in Norddeutschland aus Denkmalschutzgründen. Alle Steine wurden von nur zwei Arbeitern versetzt, wobei eine sog. "Dunkraft", d.h. ein Hebemechanismus mit Zahnstangen verwendet wurde. Die Rekonstruktion dürfte nach heutigem Kenntnisstand nicht originalgetreu sein, denn die Träger stehen viel zu eng; es ist kein Platz für das immer genutzte Zwickelmauerwerk zwischen den Tragsteinen. Die 9 x 3,5 große Kammer (innen 7,4 x 2 m) besitzt noch alle 16 Tragsteine, aber keine Decksteine mehr.
Gegenüber der Bestandsaufnahme durch Sprockhoff haben sich keine Änderungen ergeben.

Das Grab liegt unmittelbar neben dem Sonderling.
Position: Garmin:
N 52° 48,130’, E 07° 52,339’, Google Earth: 52° 48’ 07,74” N, 7° 52’ 21,81” O

Für Geocacher: In der Nähe dieses Großsteingrabes gibt es den Geocache GLDQAT6F (www.geocaching.com)


1997 waren beim Pflügen eines Ackers bei Lastrup eine größere Anzahl Findlinge entdeckt worden. Die tief im Boden steckten. Eine Grabung in 1997 und 1999 machte klar, dass es sich um ein sog. versenktes Großsteingrab handelte, das in keiner alten Karte verzeichnet war. Die Steine müssen vor einigen Jahrhunderten vom damaligen Landbesitzer in tiefen Gruben versenkt worden sein, indem man direkt neben den Findlingen große, sehr tiefe Löcher aushob, in die die Findlinge hineingerollt und wieder mit ausreichend Erde bedeckt wurden, so dass sie beim Pflügen nicht im Wege waren.
19 Findlinge waren noch vorhanden, vier hatte der Bauer 1997 schon herausnehmen können.
Bei dem Großsteingrab muss es sich um eine ca. 17 m lange Emsländische Kammer gehandelt haben, die mit einer sog. Rollsteinabdeckung bedeckt war. Reste der Kammerpflasterung konnten nicht mehr nachgewiesen werden, aber es wurden noch zahlreiche Tiefstichscherben der Trichterbecherkuktur gefunden.
Unmittelbar im Bereich des Großsteingrabes muss in der Eisenzeit ein Eisenverhüttungsplatz  betrieben worden sein, denn es wurden entsprechende Schlacken gefunden.  
(Eckert, Jahrbuch f.d. Old. Münsterland, 2001)
Meines Wissens soll dieses Grab nördlich von Lastrup gelegen haben.

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70. Oldendorfer Hünensteine, südwestlich von Lastrup (++), Sprockhoff-Nr. 968

Bei diesem Großsteingrab handelt es sich um die stark gestörten Reste einer überhügelten, 10,7 x 2,2 m langen Kammer mit ovaler Einfassung. Von der Kammer sind 21 Steine erhalten, von der Umfassung 10 Steine. Der immer noch eindrucksvolle Hügel ist heute noch knapp 2 m hoch, 30 m lang und 10 m breit und dabei leicht unsymmetrisch.


Gegenüber der Skizze bei Sprockhoff konnte ich zwei zusätzliche Steine finden (grün). Einer der westlichen Steine ist in den letzten Jahrzehnten den Hügel hinabgerollt worden.

Man kommt relativ leicht zum Grab, wenn man hinter Lastrup den nächsten Parkplatz an der B 213 anfährt und dem nächsten Weg folgt, der westlich vom Parkplatz in den Wald hineinführt.
Position: Garmin: N 52 ° 47,063', E 7° 49,825', Google Earth:
52° 47’ 6,35” N, 7° 49’ 57,39” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

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71. Hünensteine Fuhrenkamp 1, südwestlich von Lastrup (++), Sprockhoff-Nr. 965

Im Fuhrenkamp liegen drei Großsteingräber dicht beieinander; aber zwei davon sind klein bzw. so zerstört, dass sich ein Besuch nicht lohnt. Auch das hier beschriebene dritte Grab, Lastrup 965, ist zwar recht groß, aber so zerstört, dass nur noch einzelne Findlinge herumliegen. Die Anlage liegt noch auf einem deutlichen Hügel. Im Vergleich zur Bestandsaufnahme durch Sprockhoff  liegt heute ein Stein mehr auf dem Hügel.
Der Weg zu den Gräbern mit GoogleMaps


Um das Grab zu besuchen, fährt man am besten vom bei den Oldendorfer Hünensteinen beschriebenen Parkplatz auf der B 213 etwa hundert Meter weiter nach Osten, und folgt dann zu Fuß dem breiten Waldweg, der nach Norden in den Wald führt. In der Folge gabelt sich der Weg zweimal, und man nimmt jeweils die linke Abzweigung. Dann muss man nach auffälligen Hügeln im Wald rechts und links des Weges Ausschau halten. Am besten benutzt man aber ein GPS-Gerät, da die Gräber nicht ausgeschildert sind.
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72. Hünensteine Fuhrenkamp 2, südwestlich von Lastrup (-), Sprockhoff-Nr. 966


Das Grab liegt nur wenige Schritte östlich von 965. Auf einem kleinen Hügel sind nur noch 4 Findlinge zu erkennen. Gegenüber der Skizze bei Sprockhoff wurde ein Stein näher an die anderen gerollt.


73. Hünensteine Fuhrenkamp 3, südwestlich von Lastrup (-), Sprockhoff-Nr. 967


Das Grab ist viel besser erhalten als 966, man kann noch erkennen, dass es sich um eine Kammer gehandelt haben muss. Seit der Bestandsaufnahme durch Sprockhoff wurden zwei Träger- und ein Deckstein (in der Skizze rötlich) gestohlen.
Das Grab liegt südlich der beiden oben beschriebenen Gräber.
Der Weg zu den Gräbern mit GoogleMaps


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C: Bernd Rothmann - Seite erstellt 2008, derzeitige Version Nr. 4 - zuletzt geändert 2.4.14 - Fotos von 2008 - bisherige Besucher: