26. Großsteingräber  im Emsland - Mehringen

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

138. Großsteingrab Mehringer Steine I (879)

139. Großsteingrab Mehringer Steine II (880)

140. Großsteingrab Mehringer Steine III (881)

188. Großsteingrab Schotthock, Rheine (981)

(die 800er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)


Bei den Mehringer Steinen handelt es sich um drei nahe beieinander liegende Großsteingräber, die relativ stark zerstört sind, aber dennoch einen Besuch lohnen. 1928 gab es noch Berichte, dass alle drei Gräber von Einfassungen umgeben seien, aber viele dieser Steine wurden inzwischen gestohlen.

Man erreicht die drei Gräber, wenn man auf der K 327 (Napoleondamm) von Emsbüren nach Süden fährt. Wenige hundert Meter hinter dem Industriegebiet liegen sie rechts im Gehölz direkt neben der Straße. Nördlich der Steine gibt es gute Parkmöglichkeiten.
Der Weg zu den drei Gräbern mit GoogleMaps.

138. Großsteingrab Mehringer Steine I, südlich von Emsbühren, (+), Sprockhoff-Nr. 879

Dieses Grab ist das nördlichste der drei. Die 12,3 x 1,2-2 m große Kammer ist stark beschädigt, 14 Tragsteine sind erhalten, 2 fehlen. Es  gibt noch drei Decksteine, einer davon ist beschädigt. Ein abseits liegender Stein könnte der Rest der Einfassung sein. Den 22 x 18 m großen Hügel kann man noch gut erkennen.

Position: Garmin: N 52° 22,531’, E 7° 19,191’, Google Earth: 52° 22’ 31,86” N, 7° 19’ 11,44” O

 

139. Großsteingrab Mehringer Steine II, südlich von Emsbühren, (+++), Sprockhoff-Nr. 880

Das mittlere Grab ist das größte, und obwohl es ebenfalls stark zerstört wurde, ist es immer noch sehr eindrucksvoll. Die Kammer ist 20,5 x 1,4-1,8 m groß und trägt noch 9 Decksteine, der größte misst 3,5 x 2,3 x 1,6 m. Ich habe 24 TRäger gezählt, einer mehr als bei Sprockhoff (1926). Der Gang ins Grab dürfte einmal 3m lang gewesen sein. Von der ovalen Umfassung sind noch 23 Steine erhalten.
(Foto links mit Blick von Grab 880 auf Grab 881 im Hintergrund)

Position: Garmin: N 52° 22,480’, E 7° 19,229’, Google Earth: 52° 22’ 28,82” N, 7° 19’ 13,74” O

140. Großsteingrab Mehringer Steine III, südlich von Emsbühren, (-), Sprockhoff-Nr. 881

Vom stark zerstörten südlichen Grab sind noch 4 Deck-, 2 Trag- und 7 Umfassungssteine zu sehen. Die Kammer liegt tief im 26 x 27 m großen Erdhügel eingebettet.

Position: Garmin: N 52° 22,466’, E 7° 19,212’, Google Earth: 52° 22’ 22,97” N, 7° 19’ 12,73” O

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188. Großsteingrab Schotthock = Rheine, nördlich von Rheine, (-) Sprockhoff-Nr. 981

Dieses Grab liegt nicht mehr in Niedersachsen, sondern in Nordrhein-Westfalen. Es ist noch vollständig in seinem Hügel verborgen, d.h. man kann keinerlei Steine erkennen. Grabungen in 1983 haben aber gezeigt, dass sich im Hügel eine 2 x 14 m große Kammer aus Kalksandsteinplatten (keine Findlinge!) befindet.
Die Grabung erwies sich als sehr schwierig, weil der Baumbestand auf dem Hügel nicht angegriffen werden sollte. Decksteine wurden nicht nachgewiesen, und keiner der Tragsteine befand sich an seinem ursprünglichen Ort. Offensichtlich war das Grab bereits früher geplündert worden, wobei man es aber hauptsächlich auf die Steine abgesehen hatte und zumindest die Decksteine weggeschafft hatte.
In einem Grabungsschnitt konnte ein ungestörter Fundhorizont mit Hunderten von Keramikscherben, Feuersteingeräten und - anders als in den Gräbern im Emsland und in der Geest - zahlreichen Menschenknochen gefunden werden. Außerdem wurden drei kleine Teile von Kupferschmuck entdeckt, den vermutlich ältesten Metallfunden in Norddeutschland. Aus den Scherben dieses einen Schnitts ließen sich ca. 320 Gefäße rekonstruieren. Die Scherben waren typisch für die Westgruppe der Trichterbecherkultur. Aus Feuerstein waren ein Beil, zwei unbekannte Geräte und mehrere Querschneiden-Pfeilspitzen.
Wegen der Verwendung von Kalkstein bei Bau des Grabes haben sich menschliche Knochen erhalten, im besagten Grabungsschnitt konnten12 Individuen identifiziert werden, wobei die Erwachsenen wohl alle unter Bandscheibenschäden und Rheuma litten. Besonders interessant ist der Fund eines 6 Monate alten Fötus im Bauchbereich der verstorbenen Mutter. Dieser Befund spricht entschieden gegen die sog. Ossuarientheorie, der zufolge die Leichen außerhalb der Grabkammer versewesten, und nur die Knochen in der Kammer abgelegt wurden. Daneben scheinen aber auch bereits während der Trichterbecherzeit in diesem Grab Brandbestattungen stattgefunden zu haben.
Aus den Funden leitet man ab, dass in diesem Grab 350 Jahre lang, und zwar von 3200 bis 2850 v.Chr. Bestattungen stattgefunden haben.
Die neolithischen Erdmassen waren so groß, dass man davon ausgeht, dass das Großsteingrab vollständig überhügelt gewesen war. Von der Konstruktion könnte es sich um einen Zwischetyp zwischen den klassischen Ganggräbern des Nordwestens und den weiter südlich gebräuchlichen Galeriegräbern (Steinkisten) gehandelt haben.
Der Osning-Unterkreidesandstein, aus dem das Grab gebaut wurde, muss aus ca. 11 km Entfernung herangeschafft worden sein.
(J. Eckert, Rheine gestern heute morgen, 1999)

Der Weg zum Grab mit GoogleMaps.
Position: GoogleEarth: 52° 18' 2,84" N, 7° 26'
12,46" O

 
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