30. Großsteingräber westlich und nördlich von Osnabrück

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker

167. Großsteingrab Helmichensteine (908)

168. Großsteingrab Karlstein (909)

169. Großsteingrab kleine Karlsteine (910)

170. Großsteingrab Östringer Steine III (911)

171. Großsteingrab Östringer Steine II (912)

172. Großsteingrab Östringer Steine I (913)

173. Großstgr. kleine Sloopsteine, Halen (983)

174. Großstgr. große Sloopsteene, Wersen (984)

(die 900er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)



167. Großsteingrab
Helmichsteine = Helmichensteine = Gevasteine, südöstlich von Rulle, (+), Sprockhoff-Nr. 908

Der nordwestliche Teil des Grabes ist noch gut erhalten, das Ostende fehlt leider. Hier hat der örtliche Schützenverein vor einigen Jahren die fehlenden Steine durch stilisierte Stahlblech-Nachbildungen ersetzt (Foto unten links) und einen neuen Abschlußstein im Osten gesetzt.
Von den Originalsteinen sind außer einigen Trägern noch 3 Decksteine und Reste von weiteren 2 Decksteinen vorhanden. Ein Deckstein ist an Ort und Stelle durch eine Sprengbohrung in drei Teile zerbrochen
(Foto ganz unten). Ein anderes Bruchstück zeigt Reste von Bohrlöchern (Foto unten rechts). Alten Quellen zufolge soll das Grab bereits 1886 so zerstört gewesen sein.
Sprockhoff nimmt an, dass die Kammer einmal 15 x 1,8 m groß gewesen ist.
Ich persönlich finde die Restaurierung des Grabes mit den Metallnachbildungen großartig, die Umpflanzung mit grünen Büschen lenkt allerdings von den resten des Grabhügels ab. Sie sollte wieder entfernt werden. Insgesamt finde ich es bedenklich, wenn im direkten Bereich eines archäologischen Denkmales Anpflanzungen gemacht werden, weil das Wurzelwerk die verbliebenen archäologischen Befunde stören kann.
Von einer Einfassung ist bei dieser Anlage nichts  mehr zu erkennen, so dass man nicht spekulieren kann, ob das Grab überhaupt einmal eine Einfassung hatte.
Einer alten Sage zufolge soll hier Geva, die Gattin des Herzogs Widukind, begraben sein.


Das Ostende des Grabes mit den stilisierten Metallnachbildungen von Steinen, die früher gestohlen worden waren (links). Steinfragment mit deutlichen Bohrlochresten für Sprengladungen.

Der in drei Teile zersprengte Stein. In der Mitte befindet sich ein typisches Bohrlich zur Aufnahme der Sprengladung.

Man erreicht das Grab sehr leicht, wenn man von Rulle in Richtung Vehrte fährt. Im Kreisel am Ortsausgang hält man sich auf dem Stadtweg nach Süden und biegt im nächsten Kreisel nach Osten ab. Das Grab liegt rechts neben der Straße und ist durch eine große Informationstafel gekennzeichnet.
Der Weg zu den Gräbern mit GoogleMaps
Position Garmin: N 52° 19,907’, E 8° 04,245’; GoogleEarth: 52°19' 54,52" N, 8° 4' 14,60" O

 

 


168. Großsteingrab große Karlsteine, Karlstein, Schluppstein, im Hone nördlich von Haste, (+++), Sprockhoff-Nr. 909

Das Grab ist sehr eindrucksvoll, was z.T. auch daran liegt, dass man, von der Straße kommend, zum Grab aufblicken muss. Anders als die meisten Großsteingräber Nordwestdeutschlands ist das Grab nicht aus Findlingen sondern aus gewaltigen Sandsteinplatten erbaut, die vom nahegelegenen Piesberg stammen. Wie aus alten Abbildungen hervorgeht, glaubte man früher, dass es nur eine riesige Platte als Deckstein gegeben habe. Heute geht man davon aus, dass es immer vier Einzelsteine gewesen sind. Von diesen liegt nur noch einer auf seinen Trägern, die anderen sind heruntergerutscht. Der größte Deckstein ist 3,7 x 2,2 x 08 m groß.
Um das Grab herum liegen unzählige kleine Steine, von denen anzunehmen ist, dass es sich um das ehemalige Zwickelmauerwerk aus den Zwischenräumen der relativ weit auseinander stehenden Tragsteine handelt.
Die Kammer ist leicht trapezförmig und misst 8,5 x 2,3 - 3 m.
Im wesentlichen ist das Grab seit der Bestandsaufnahme durch Sprockhoff 1927 unverändert geblieben, eine erste offizielle Grabung soll 1807 durch den Garfen von Münster veranlasst worden sein.
Der Sage nach hat Karl der Große den Deckstein mit seinem Schwert zerschlagen. Anderen Sagen zufolge hat Karl nach dem Sieg über den Sachsenkönig Widukind nahe bei den Karlsteinen einen christlichen Altar aufgestellt, woraufhin es ihm gelang mit einer Reitgerte den Deckstein in drei Teile zu zerbrechen. Einer dritten Sage zufolge soll Widukund von Karl einen Beweis für die Macht des christlichen Gottes gefordert haben, woraufhin der Frankenkönig den Stein mit Gottes Hilfe mit einer Reitgerte zerbrochen haben soll.

Man befährt zwischen Lechtingen und Haste die Osnabrücker Straße bzw. Oldenburger Landstraße, bis man unter der vierspurig ausgebauten B 68 hindurchkommt. Direkt südlich der Brücke liegt am westlichen Straßenrand eine große Parkbucht. Einige Meter weiter südlich geht nach Osten ein Weg in den Wald Hastorfer Hone (Hain), der direkt den Hang hinauf zum Grab führt. Leider fehlt an der Straße jede Ausschilderung. Schade.
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps
Position Garmin: N 52° 18,984’, E 8° 02,299’; GoogleEarth: 52°19' 1,44" N, 8° 2' 16,89" O



169. Großsteingrab
kleine Karlsteine, nördlich von Haste, (-), Sprockhoff-Nr. 910

Auch bei dieser relativ kleinen und stark zerstörten Kammer wurden Sandsteinplatten vom Piesberg verwendet. Die Kammer ist 5 x 1,8 m groß und dürfte einmal 4 Decksteine gehabt haben. Die relativ kleinen Steine liegen eng beieinander im Wald herum, wobei in den letzten Jahren zumindest ein Stein in das Grab verlegt worden ist. Eine Grabstruktur ist nicht mehr erkennbar.

Man erreicht das Grab, indem man einem Pfad von den großen Karlsteinen aus etwa 100 m nach Süden folgt. Die Steine liegen rechts im Wald.
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps
Position Garmin: N 52° 18,962’, E 8° 02,322’; GoogleEarth: 52°19' 0,53" N, 8° 2' 17,73" O


"Einige Büchsenschüsse"  von den Karlsteinen entfernt müssen im Honetal zwischen Piesberg und Haster Berg zwei weitere Großsteingräber gelegen haben, die nach 1843 zerstört wurden. (G.-U. Piesch, Arch. Mitteilgn. aus Nordwestd. 20, 1997)

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170. Großsteingrab Östringer Steine III, nördlich von Dodesheide, (-), Sprockhoff-Nr. 911

Es handelt sich um ein stark beschädigtes Ganggrab, das auf einem Privatgrundstück liegt und deshalb nicht zu betreten ist. Der östliche Teil ist außerdem so stark unter Pflanzen verborgen, dass eine ordentliche Bestandsaufnahme nicht möglich ist. Am Westende wurde ein Stein hinzugefügt, der u.U. nicht Bestandteil des ursprünglichen Garbes ist.
Sprockhoff nimmt an, dass die Kammer ursprünglich 6 Decksteine hatte und 9,6 x 2,3 m groß gewesen ist.

Direkt westlich des Gehöftes, das gegenüber den beiden anderen Östringer Steinen (s.u.) liegt führt ein Feldweg nach Nordosten. Am Ende der Hecke rechts liegt das Grab hinter einem Zaun. (Landkarte siehe Grab II)
Position: Garmin: N 52° 18,904’, E 8° 04,774’; Google Earth: 52°18' 54,09" N, 8° 4' 46,06" O


171. Großsteingrab Östringer Steine II, nördlich von Dodesheide, (+), Sprockhoff-Nr. 912

Offenbar hatte Sprockhoff 1928 mit ähnlichen Probleme zu kämpfen, die ein Megalith-Freund auch heute noch bei weniger bekannten Gräbern antreffen kann. Die Östringer Steine I und II waren damals so mit Brombeeren und Dornengebüsch zugewachsen, dass Sprockhoff keine Bestandsaufnahme machen konnte.
Heute liegen die beiden Gräber frei in einer gepflegten Wiese unter Bäumen. Sie sind allerding stark zerstört.


Beim Grab II fällt vor allem auf, dass die bei Sprockhoff noch verzeichneten Steine des östlichen Endes des Grabes restlos verschwunden sind. Dort steht heute eine Bank
(Foto unten). Das  ursprünglich mehr al 15 m lange Grab war von einer Einfassung umgeben, von der noch zahlreiche Steine erhalten sind. Von den Tragsteinen fehlen die meisten, aber es sind noch 8 Decksteine und die Bruchstücke weiterer Decksteine vorhanden. Ich nehme an, dass das Grab ursprünglich mindestens 11 Decksteine aufgewiesen haben muss. Hügelreste sind nicht zu erkennen. Vermutlich war die Kammer in den Boden eingelassen.

     

Um zu den Östringer Steinen zu gelangen, folgt man von Haste aus dem Östringerweg in das Nettetal. In der Nähe der Östringer Mühle liegt vor den Forellenteichen ein ausgesprochen stattliches Gehöft. Direkt gegenüber liegen am südlichen Straßenrand die beiden Gräber I und II.
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps
Position: Garmin: N 52° 18,889’, E 8° 04,865’; Google Earth: 52°18' 53,38" N, 8° 4' 52,03" O


172. Großsteingrab Östringer Steine I, anördlich von Dodesheide, (+), Sprockhoff-Nr. 913

Sprockhoff nahm an, dass es sich um eine ca. 15 m lange, in den Boden eingetiefte Kammer handelte, die vom Aufbau her ganz ähnlich wie die benachbarten Steine II war. Hier kann man noch Reste von 9 Decksteinen, einige Träger und Abschlusssteine und wieder zahlreiche Umfassungssteine erkennen. Wie aus der Skizze untern ersichtlich ist, habe ich drei bei Sprockhoff eingezeichnete Steine des westlichen Endes nicht wiederfinden können (rot). Dafür sind jetzt einige Träger und ein Abschlußstein zusätzlich zu sehen (grün).


Im Foto rechts scheint der Baum den Deckstein regelrecht angehoben zu haben.

Bezüglich der Anfahrt siehe Grab II.
Position Garmin: N 52° 18,896’, E 8° 04,887’; GoogleEarth: 52°18' 53,99" N, 8° 4' 53,14" O

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173. Großsteingrab kleine Sloopsteine, im Westen von Halen, (+), Sprockhoff-Nr. 983

Von diesem Grab ist leider nur noch ein Trümmerhaufen erhalten, denn man nur schwer als Großsteingrab identifizieren kann. Sprockhoff nimmt an, dass es einmal eine 5-jochige, 7 x 1,5 m große Kammer gewesen ist. Ein Tragstein scheint seit der Sprockhoffschen Bestandsaufnahme 1927 weggekommen zu sein.
Interessant ist der mittlere Deckstein, der an seinem Nordende eine Einkerbung hat, wie ich sie sonst von sog. Furchensteinen kenne.



    Die sehr tiefe Einkerbung des "Furchensteines"

Vom Halener Bahnhof führt der Niederseester Weg nach Westen in den Ort. Er knickt bald nach Nordwesten ab, und wenn nach ca. 200 m links einige Mehrfamilienhäuser enden, liegt das Grab links neben der Straße im Gebüsch.
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

Position Garmin: N 52° 20,374’, E 7° 56,074’; GoogleEarth: 52° 20’ 23,26“ N; 7° 56’ 04,61“ O


174. Großsteingrab große Sloopsteene = Slopstene, nordwestl. von Wersen, (+), Sprockhoff-Nr. 984


Obwohl einige Steine etwas durcheinander gewürfelt erscheinen, ist die 18,5 x 1,8 m große Kammer recht gut erhalten. Neben den Resten von 23 Trag- und 11 Decksteinen kann man noch sehr gut die Reste der eindrucksvollen Einfassung ( 23,5 x 7,5 m) sehen
(rechts im Foto unten). Von einem Hügel ist dagegen nichts mehr zu erkennen.
Einer örtlichen Legende zufolge soll hier Widukind begraben sein, der als Herzog der Sachsen in den Jahren 777 bis 785 die Sachsenkriege gegen Karl den Großen anführte und Widerstand gegen die Christianisierung leistete. Tatsächlich wird sein Grab aber in der Stiftskirche zu Enger vermutet. Hünengräber haben jedoch in frühen Zeiten, als ihr wahres Alter nicht bekannt war, immer zu legendenhaften Spekulationen Anlass gegeben, dass in Ihnen berühmte Herrscher begraben seien. Und die haben in ihrem Grab geschlafen, woher der Name Slopsteene = Schafsteine herrührt.

Man fährt auf der L 595 von Wersen nach Westerkappeln. Etwa 1,5 km westlich von Wersen führt nach rechts der Sloopsteinweg in den Wald. Das Grab liegt etwa 100 m vor dem Bahnübergang rechts im Wald.
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

Position Garmin: N 52° 19,263’, E 7° 54,674’; GoogleEarth: 52° 19’ 15,86“ N, 7° 54’ 39,39“ O

Im Bezirk Wersen soll es ursprünglich einmal drei Großsteingräber gegeben habe, heute sind nur noch 983 und 984 erhalten.

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