32. Großsteingräber südlich von Osnabrück

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

175. Großsteingrab Teufelssteine (914)

176. Großsteingrab Nahne (919)

177. Rekonstr. Großsteingrab im Zoo Osnabrück

178. Großsteingrab Gretescher Steine (920)

179. Großsteingrab Sundermannsteine (921)

180. Steinkiste Wechte

181. Großsteingrab Hilter

 

(die 900er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)



175. Großsteingrab
Teufelssteine, Teufelsbett, Düvelsteine, Lehzensteine, westl. von Lüstringen, (+), Sprockhoff-Nr. 914

Großsteingrab in den Resten einer ovalen Einfassung, von der noch 14 Steine erhalten sind. Einen Einfassstein im Süden habe ich nicht finden können, er kann aber tief in der Erde stecken. Dafür gibt es im Norden einen Stein mehr, als ihn Sprockhoff dokumentiert hat.
Von der 12 x 2 m großen Kammer fehlen nur 1 Trag und 1 Deckstein. Obwohl also noch so viele Steine erhalten sind, macht das Grab dennoch einen stark gestörten Eindruck.

Die L 90 führt von Osnabrück nach Lüstringen. Kurz vor Lüstringen geht nach Süden die Sandforter Straße (K19) nach Vostrup ab. Wenn man auf dieser Straße die Bahn überquert hat, muss man sofort rechts in den Heideweg abbiegen. Am Ende des kleinen Industriegebietes steht links  vor der Teufelsheide ein einzelnes Wohnhaus, über dessen Vorhof der Weg zum Grab führt, dass inmitten eines kleinen Wäldchens liegt.
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps
Position: Garmin: N 52° 15,908’, E 8° 06,466’; Google Earth: 52°15' 56,05" N, 8° 6' 27,30" O

 

 

 

 

 


176. Großsteingrab Nahne, südlich von Osnabrück, (--), Sprockhoff-Nr. 919


Bei Sprockhoff wird es als völlig zerstört bezeichnet, alten Quellen zufolge soll es einmal 26 m lang gewesen sein. Heute besteht das Großsteingrab aus 7 traurigen Steinen, die mit ihren Spitzen aus dem Waldboden ragen, d.h. seit der Bestandaufnahme durch Sprockhoff sind 5 Steine weggekommen.
Das Grab liegt im Wäldchen zwischen Zooparkplatz und Kreishaus unmittelbar neben einem Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Jahre 1914 - 18, und es wird vermutet, dass in diesem Denkmal Steine des Großsteingrabes verbaut wurden.

Der Weg zum Grab mit GoogleMaps
Position: Google Earth: 52° 14,190' N, 8° 04,051' O


177. Rekonstruiertes Großsteingrab im Zoo Osnabrück

Mitten im Zoo von Osnabrück auf dem Schölerberge gibt das "Archäologische Freilichtmuseum". 1981 wurden Steine des zerstörten, zweiten Großsteingrabes in Nahne (nicht 919!) von ihrem ursprünglichen Standort in den Zoo versetzt. Dieses Grab war 1971 wegen der Vergrößerung eines Sportplatzes an der B 51 wiederentdeckt und archäologisch untersucht worden. Dieses Grab war bereits im 19. Jahrhundert zerstört worden. Das rekonstruierte Grab im Zoo wurde z.T. mit einem künstlichen Hügel überwölbt.
Bei der Rekonstruktion hat man die Zwischenräume der Tragsteine mit Zwickelmauerwerk aufgefüllt, wie es von vielen Großsteingräbern bekannt ist. Aber hier aht man auch die Zwischenräume der relativ kleinen Umfassungssteine mit Zwickelmauerwerk aufgefüllt. Meines Wissens gibt es bei keinem anderen Großsteingrab Hinweise, dass die Spalten zwischen den Umfassungssteine derart aufgefüllt gewesen waren.
Lediglich bei "echten" Hünenbetten, z.B. Kleinenkneter Steine, konnte meines Wissens dieses Zwickelmauerwerk bei den Umfassungssteinen nachgewiesen werden.
(K. Wilhelmi, A. Lindhorst,  Berichte z. Denkm.pfl. in Ndrs. 5/87)
 

Der Weg zum Grab mit GoogleMaps
Position: Google Earth: 52° 15,063' N, 8° 04,188' O

Piesch berichtet noch von einem weiteren Großsteingrab ("Schlufstein"), das 1837 zerstört wurde. Es soll etwa an der Straße Am Huxmühlenbach gelegen haben. (G.-U. Piesch, Arch. Mitteilgn. aus Nordwestd. 20, 1997)


178. Großsteingrab Gretescher Steine, Gretesch I, westl. von Lüstringen, (++), Sprockhoff-Nr. 920

Das imposante Grab liegt unmittelbar auf dem Hochufer eines Baches, und das östliche Ende ist offensichtlich bereits abgerutscht. Ein großer Stein (Deck- oder Abschlußstein?) liegt noch am Hang. Auch im Westen fehlt der Abschluss des Grabes. Sprockhoff nimmt an, dass die Kammer einmal 10 m lang gewesen ist, andere alte Quellen sprechen von 24 Tragsteinen, dann wäre sie noch länger gewesen. Heute sind noch 11 Träger, zwei Gangsteine und 5 mächtige Decksteine in der Anlage erhalten. Der größte Deckstein hat für allerlei eingemeißelte, neuzeitliche Inschriften herhalten müssen.


Anblick von Süden (links) und von Nordwesten (rechts

 
Links der noch gut erkennbare Eingang zum Grab, rechts der östliche Deckstein, von dem ein Stück abgeplatzt ist - vielleicht weil mal wieder
jemand darunter ein Feuer angezündet hat?

Die L 90 (Mindener Straße) führt von Osnabrück nach Lüstringen. Am Anfang von Lüstringen macht die Straße einen Bogen nach Norden und nach Norden geht die Gerhard Schöller Straße ab. Direkt östlich und parallel zu dieser Straße geht ein breiter Waldweg zum Grab
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps
Position Garmin: N 52° 16,226’, E 8° 07,090’; GoogleEarth: 52°16' 14,77" N, 8° 7' 9,39" O

In älteren Quellen werden im Stadtgebiet von Osnabrück noch drei weitere Gräber genannt, die heute spurlos verschwunden sind. Eines davon waren die "Recker Steine". Es gab 6 Decksteine, der größte war 4,4 x 2 x 1,2 m groß. Das Grab wurde 1862/63 zerstört; die kleinen Steine wurden gesprengt, die größeren im Acker versenkt. Das Grab muss an der heutigen Straße Zum Mühlenbach gelegen haben. (G.-U. Piesch, Arch. Mitteilgn. aus Nordwestd. 20, 1997)

 


179. Großsteingrab Sundermannsteine, Gretesch II, nordöstl. von Gretesch, (+), Sprockhoff-Nr. 921


Diese 23 m lange Kammer ist nur noch unvollständig erhalten, das westliche Ende des Grabes fehlt. Die Kammer, von der noch 4 Deck- und 19 Tragsteine erhalten sind, verjüngt sich an Enden von 2,6 auf 2 m. Der in der Skizze grün gezeichnete Stein gehört offiziell nicht zum Grab. An der südöstlichen Ecke kann man als Besonderheit einen kugelrunden Stein entdecken, der zwischen Träger und Deckstein steckt. Er soll angeblich 1900 eingefügt worden sein. In einer Quelle von 1780 wird gesagt, dass das Grab "mit einem besonderen Kreise eingefasst" gewesen sei. Dieser Kreis ist heute nicht mehr vorhanden.

Im Südosten von Gretesch führt die Belmer Straße in Richtung Belm. Ca. 1 km außerhalb von Gretesch liegen die Sundermannsteine unter einigen Bäumen unmittelbar rechts am Straßenrand.
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps
Position Garmin: N 52° 16,982’, E 8° 07,743’; GoogleEarth: 52°16' 58,73" N, 8° 7' 44,06" O

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180. Steinkiste Wechte, nördl. von Wechte, (+)

Diese Anlage wird in der älteren Literatur und auch auf der Infotafel am Grab als Großsteingrab bezeichnet. Laut Sprockhoff handelt es sich aber tatsächlich um eine "westfälische Steinkiste". Das Ostende des Grabes und alle Decksteine oder vergleichbaren Abdeckungen fehlen. Die meisten Steine stehen noch etwa halb mannshoch (dunkelgrau), einige sind offensichtlich auf halber Höhe abgebrochen (hellgrau) und einige wenige sind vollständig im Boden versenkt.
1927 wurden Grabungen durchgeführt, wobei am ca. 200 Bestattungen mit ca. 800 Beigefäßen gefunden wurden.


Reste des alten Trockenmauerwerks zwischen den Steinen

Man verläßt die A 1 an der Abfahrt Tecklenburg und fährt auf der L 591 nach Osten. Nach wenigen km kommt eine große Kreuzung mit der L 597, bei der es nach rechts nach Tecklenburg und nach links nach Ladbergen geht. Wenige m weiter geht es wieder links nach Wechte ab. Nach 150 m führt ein Weg rechts zu Grab.
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps
Position GoogleEarth: 52° 12’ 26,24” N, 7° 47’ 31,39” E

Ein weiteres Großsteingrab soll sich nur wenige hundert Meter südwestlich befunden haben. Von dem Grab ist aber nichts mehr erhalten.


181. Großsteingrab Hilter, in Hilter, (-)

Dieses Grab hat heute noch 8 Tragsteine und vier eigenartige, senkrecht stehende Platten im vermuteten Eingangsbereich. Es wurde im Spätsommer 1983 ausgegraben, wobei man nur noch wenige Steine in Originallage vorfand. Nach der Grabung wurde das Großsteingrab mit viel Zementmörtel restauriert. Der Boden ist mit Bruchsteinplatten und Zementmörtel gepflastert, und die Zwischenräume zwischen den Tragsteinen wurden mit Feldsteinen und viel Zementmörtel aufgefüllt, wobei auch noch große Plastikrohre zur Drainage eingesetzt wurden.

Das Grab war unter einem bis zu 80 cm dicken Eschboden verborgen, als es 1902 zufällig wiederentdeckt wurde, als man beim Ausheben einer Kuhle für Rüben auf Steine, uralte Knochen und Keramikscherben stieß. Außerdem fand man Steinbeile, Knochenpfrieme und ein gelochtes Kupferband. Über diese erste Ausgrabung gibt es zwar einen Bericht, in dem aber keine konkreten Angaben über die Lage des Grabes enthalten sind. So dauerte es bis 1982, bis man die Lage des Grabes wieder herausgefunden hatte, und die Reste 1983 ausgraben konnte. Das Großsteingrab von Hilter weist einige Besonderheiten auf: Die Kammer muss einmal 15 m lang und 2,7 bis 4 m breit, d.h. trapezförmig gewesen sein. Als Tragsteine wurden Findlinge und Kalktuffplatten verwendet. Erstaunlicherweise scheint das Grab einen axialen Eingang an der östlichen Schmalseite gehabt zu haben. Am Ostende des Grabes stehen 4 abgebrochene, aufrechten Kalksteinplatten, von denen anzunehmen ist, dass die einen Vor- oder Nebenraum vom Grab abgetrennt haben.
Die Decksteine der Kammer, die nicht mehr erhalten sind, dürften von Holzpfeilern unterstützt worden sein. Reste von Pfostengruben, die bei der Ausgrabung gefunden wurden, deuten darauf hin. Vermutlich wurden Kalktuffplatten als Abdeckung verwendet, es ist aber nicht auszuschließen, dass das Grab ein Holzdach hatte.
Bei der Grabung fand man u.a. ein aus Kalksteinplatten verlegten Bodenpflaster, weitere Knochen, Pfeilspitzen, Schmuck aus Tierzähnen und Scherben. Anhand der Scherben wurde das Grab der Trichterbecherkultur zugeordnet und auf die Zeit von 2550 bis 2400 v. Chr. datiert. Dabei stellt das Grab einen Übergangstyp zwischen den im Norden üblichen Grangräbern und den südlich vorzufindenen Galeriegräbern.
Ursprünglich zerstört worden war das Grab wohl im 19. Jahrhundert.
(W. Schlüter, Ausgrab. in Ndrs. 1985)
Sprockhoff hatte das Grab als "ausgegangen" bezeichnet und als ehemalige Steinkiste eingestuft.

Das Grab liegt mitten in Hilter an der Straße Zum Schoppenbusch im Park hinter dem Rathaus.
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps
Position Garmin: N 52° 08,442’, E 8° 08,688’; GoogleEarth: 52° 08,442’ N, 8° 08,693’ E 
 

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