11. Großsteingräber und Steinkisten im Ammerland
und in Ostfriesland

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

57. Großsteingrab "Alte Kapelle"
      Wahnbeck, Rastede (924)

40. Großsteingrab Tannenhausen (817)

41. Steinkiste "Stapelstein" bei Etzel

(die 900er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)


57. Großsteingrab Wahnbeck, "Alte Kapelle", bei Ipwege südlich von Rastede (-), Sprockhoff-Nr. 924

Von diesem Großsteingrab sind nur noch wenige Steine erhalten, die in einer umzäunten Grube mitten in einem Feld liegen. Man kann nur mit viel gutem Willen erkennen, dass es sich einmal um ein Großsteingrab gehandelt hat. Ein Besuch lohnt wirklich nicht.
Ein Deckstein wurde für das Denkmal "der alte Peter" bei der St. Ulrichs-Kirche in Rastede verwendet.
Ich habe 10 Steine gezählt, D. Zoller erwähnt in einem Bericht von 1992 noch 14 Steine. 1988 hatte die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte gemeldet, dass 2 Steine gestohlen worden seien.1979 berichtete Zoller, dass 7 Steine zu sehen seien.
Im Vergleich zu der Skizze im Sprockhoff-Atlas, die wohl auf einer Bestandsaufnahme durch Laux in 1969 beruht, habe ich die links grün gezeichneten, zusätzlichen  Steine gefunden. Ein Sprockhoff-Stein war nach Nordwesten verschoben, einen Stein konnte ich nicht lokalisieren. Ein Stein weist ein Bohrloch für eine geplante Sprengung auf.

In einem Brief des Lehrers Baars von 1835 erwähnt dieser noch "die Steingräber", die jedoch schon damals zerstört waren. Es muss hier also nicht nur die alte Kapelle gegeben haben.
(D. Zoller, Old. Jahrbuch 1992,  D. Zoller, Old. Jahrbuch 1978/79)

Man findet das Grab, wenn man das Dorf Wahnbek auf einem Feldweg nach Südwesen verlässt. Das Grab liegt ca. 100m nördlich dieses Weges in einem Feld. Die Umzäunung ist gut zu erkennen, und es führt keinerlei Pfad zum Grab.
Position: Garmin:
N 53° 12,161’, E 8° 16,056’; Google Earth: 53° 12’ 9,61” N, 8° 16’ 3,41” O

Der Weg zum Grab mit Google-Maps

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40. Großsteingrab von Tannenhausen, nördlich von Aurich (+), Sprockhoff-Nr. 817

Das Großsteingrab von Tannenhausen ist das einzige seiner Art in Ostfriesland. Bis 1962 war nur ein Grab bekannt, das bereits stark zerstört war. Das Gelände war durch Ackerbau stark beeinträchtigt und eingeebnet. Es hatte zwar bereits 1780 erste Grabungen dort gegeben, aber erst die offizielle archäologische Grabung von 1962 zeigte, dass es sich bei diesem Großsteingrab tatsächlich um zwei Megalithanlagen handelt, die in einer Flucht direkt nebeneinander liegen. Die beiden Gräber waren von je einem runden Hügel bedeckt, so dass sich eine acht-förmige Struktur ergab.
Von dem westlichen Grab sind noch ein Trag- und zwei große Decksteine erhalten, die im Volksmund "Botter, Brood und Kees" heißen. Im westlichsten Stein finden sich eine mittige Vertiefung durch Meißelbearbeitung
(kl. Foto unten) und drei eingeritzte, neuzeitliche Initialen.
Vom östlichen Grab waren keine Steine mehr erhalten, es wurde nach der Grabung 1962 in Form des ehemaligen, die Steinkonstruktion vollständig bedeckenden Hügels
(in Skizze unten braun) rekonstruiert. Von diesem östlichen Grab wurden vor langer Zeit bereits alle Steine weggeschafft. An der Südseite des Hügels hatte man einen hölzernen Eingangsbereich aufgebaut, denn Tannenhausen ist einer der ganz wenigen Orte in Deutschland, wo man eindeutig nachweisen konnte, dass bei der Konstruktion der Megalithgräber Holzkonstruktionen errichtet worden sind, z.B. für den Gangbereich zum östlichen Grab und für die Kammer des westlichen Grabes. Die Pfostengruben (grüne Punkte in Skizze unten) waren bei der Grabung ganz deutlich zu identifizieren, ebenso wie die Standspuren der gestohlenen Tragsteine (hellgrau).
Die Grabungen in Tannenhausen erfolgten 1962/63 und 1965/66. Demzufolge war die westliche Kammer, die nur teilweise ergraben wurde, vermutlich 11-12 m lang. In der Mitte war sie innen 2,80, am Ostende 2,20 m breit. Die beiden erhaltenen Decksteine sind 3,20 bzw. 3,60 m lang. Die Ostkammer war 11 m lang und in der Osthälfte 2,20 m und im Westteil 2,80 - 3,20 m breit. Eine Besonderheit war, dass sie am Ostende zwei statt einen Abschlusstein besaß. Eine weitere, herausragende Besonderheit war der 6 m lange Zugang, der nicht durch Findlinge, sondern durch eine Holzkonstruktion aus 12 Pfosten abgestützt war.
(I. Gabriel, Fries.isches  Jahrbuch, 1964;  I. Gabriel, Neue Ausgr. u. Forsch. in Ndrs. 1966)
2013 wurden zerstörungsfreie, geophysikalische Messungen durchgeführt, die anzeigten, dass die westliche Kammer 5 m länger als bei der Grabung angenommen war.
Ein Teil dieses östlichen Hügels wurde nach 2013 von einer Expertengruppe und der Ostfriesischen Landschaft wieder abgetragen und eine Rekonstruktion des ehemaligen Großsteingabes errichtet, die auf den Gabungsbefunden von 1962 beruht. Natürlich sind die verwendeten Steine nicht mehr diejenigen von vor 5000 Jahren, denn die waren ja bereits von unseren Vorfahren fortgeschafft worden. Ich habe diese neue Anlage bisher noch nicht besucht.
(J.F.Kegler, Ostfriesland Magazin 2014)

  Fotos 2010

Skizze nach I. Gabriel

Foto: A. Bohlen, 2015

Man findet das Grab, wenn man von Aurich auf der L 7 nach Tannenhausen fährt. In Tannenhausen biegt man nach links in den Stürenburgweg ab, dann in die STtaße Am Hünengrab und in den Möhlenkamp. Der Weg zum Grab gut ausgeschildert.
Position: Garmin:
N 53° 30,886’, E 7° 28,227’; Google Earth: 53° 30’ 53,22” N, 7° 28’ 13,86’ O

Der Weg zum Grab mit Google-Maps

Es gibt alte historische Berichte, die es als sicher erscheinen lassen, dass sich in Utarp (nördl. v. Tannenhausen) ebenfalls ein Megalithgrab befand, dessen letzter Stein 1878 im Boden versenkt wurde.

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41. Steinkiste Stapelstein, an der L 436 zwischen Friedeburg und Etzel (-)

Etwa auf  halber Strecke zwischen Friedburg und Etzel liegt nördlich der Landesstraße 436 ein baumbestandener Sandhügel, auf dem sich der Stapelstein befindet. Es handelt sich hierbei nicht um ein neolithisches Großsteingrab, sondern möglicherweise um eine bronzezeitliche Steinkiste, die zur Bestattung einer Einzelperson gedient hat.
Offensichtlich hat der Stapelstein heute nicht mehr seine ursprüngliche Form. 1824 wird er ganz anders mit zwei Decksteinen beschrieben, 1877 wurde dort gegraben, ohne "Alterthümer" zu finden. Vermutlich wurde das Grab 1877 in seiner heutigen Form zusammengestellt, wobei vielleicht der zweite Deckstein als Träger verbaut wurde.
(Führer zu arch. Denkmälern in Deutschl., Bd 35, Ostfriesland,)

Position: Garmin: N 53° 27,270’, E 7° 52,344’;
Google Earth:
53° 27’ 17,34” N, 7° 52’ 24,00” O

Der Weg zum Grab mit Google-Maps

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Südlich von Portsloge bei Edewecht hat vermutlich ein Großsteingrab an der Stelle gelegen, wo der Legende nach das „Pastorengrab“ lag. In diesem Pastorengrab sei ein Pastor unter einem Deckstein begraben, der auf dem Kirchhof exhumiert worden war, weil er dort als Wiedergänger gespukt hatte. Ein Nachweis dieses zerstörten Großsteingrabes durch eine Grabung ist bisher nicht erfolgt. (Zoller, Old. Jahrb. 1980)

 
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C: Bernd Rothmann - Seite erstellt 2008, derzeitige Version Nr. 4 - zuletzt geändert 17.9.2015 - Fotos von 2008-15 - bisherige Besucher: