Bericht über die Thätigkeit des Oldenburger Landesvereins für Altertumskunde und Landesgeschichte. VII. Heft.
    Der Denkmalschutz im Herzogtum Oldenburg von Georg Sello.

    (Der Schriften des Oldenburger Vereins für Altertumskunde und Landesgeschichte VIII. Teil)
    Oldenburg. Georg Stalling 1893


    Georg Sello, geboren 1816 in Potsdam, übernahm 1889 die Leitung des „herzoglichen Haus- und Zentralarchivs“ in Oldenburg, nachdem er vorher in den Staatsarchiven in Breslau, Berlin, Koblenz und Magdeburg tätig gewesen war. Nach 1919 wurde das Archiv in Oldenburgisches Zentralarchiv umbenannt, heute heißt es Niedersächsisches Staatsarchiv in Oldenburg. Sello starb 1926.

    Der hier zitierte Bericht Sellos ist für jeden Megalithfan ein Muss, beschreibt er doch sehr ausführlich den Status der Großsteingräber im Oldenburgischen vor ca. 120 Jahren. Ich habe mir deshalb die Mühe gemacht, zum einen kurze Zusammenfassungen längerer Textpassagen (in Arial) sowie und gekürzte Originaltexte und Originaltabellen (in Times New Roman) hier wiederzugeben. Einige Kommentare von mir sind in Arial kursiv eingefügt. Einige Aussagen der archäologisch ungebildeten Amtsleute zu den Großsteingräbern erscheinen heute geradezu erheiternd naiv.
    Desweiteren habe ich versucht, gemäß meines Wissensstandes die von Sello genannten Megalithgräber mit ihren heutigen Namen „zu übersetzen“. Diese heutige Namen sind in
    blau und kursiv angefügt, wobei die 900er Nummer die Nummerierung nach Sprockhoff wiedergibt.
    Ich habe hier nur die Textabschnitte und Listen berücksichtigt, die Großsteingräber behandeln.
                    Bernd Rothmann

    Sellos Bericht beginnt mit einer kurzen Einleitung, an die sich eine geschichtliche Abhandlung über die urgeschichtlichen Denkmäler und ihrer Schutzversuche anschließt.
    Interessant sind folgende Aussagen:
    - die „Hynnenkamper Steine“ bei Damme (Sprockhoff 978) wurden bereits 1464 in einem Dokument erwähnt.
    in einer Karte von 1765 waren bereits die „Steinreihen“ am Bakeler Berg
    (Spr. 933), der Visbeker Bräutigam, die Visbeker Braut und die Hohen Steine von Wildeshausen eingezeichnet sind. Aber nur die Braut ist unter diesem Namen verzeichnet.
    Vicar Trenkamp zu Emstek verwendete 1804 die Bezeichnungen Visbeker Braut und Bräutigam.
    am 13.4.1819 wurde die erste Bekanntmachung der herzöglichen Kammer zu Oldenburg veröffentlicht, der zufolge die Denkmäler des Altertums möglichst erhalten werden sollen.
    am 26.4.1819 wurden die Ämter Oldenburg, Zwischenahn, Rastede, Westerstede, Bockhorn, Delmenhorst, Ganderkesee, Wildeshausen, Vechta, Steinfeld, Damme, Kloppenburg, Löningen, Friesoythe und Dinklage aufgefordert, „eine kurze Beschreibung der in ihren Distrikten sich befindenden Denkmäler des Altertums einzusenden“. Diese wurden in Beilage A (siehe unten) abgedruckt.
    darauf aufbauend wurden die Ämter dann aufgefordert, einzelne Denkmäler besonders zu schützen und zu bepflanzen.
    -
    es wurde auch besonderes Augenmerk auf die Bohlenwege („Balkenstraßen“) in den Mooren gelegt.
    - die herzögliche Kammer ging damals noch davon aus, dass die Denkmäler aus großen, gesetzten Granitblöcken nicht zu Begräbnis-, sondern zu Opfer-Stätten gedient zu haben scheinen.

    Dann folgt nachstehende Aufzählung, welche unter diesen Denkmälern die vorzüglichsten seien:

    I. Die urgeschichtlichen Denkmäler

    Amt Wildeshausen.
    a. Kirchspiel Großenkneten in der Ahlhorner Gemeinheit

    1. Die sogenannte Visbecker Braut, südwestlich von der Aumühle. Dieses Monument, von allen das größte und interessanteste, liegt auf dem Abhange einer Anhöhe und ist aus der Ferne sichtbar. Es besteht aus 75 Stück Steinen, von denen die größten 10 Fuß Höhe über der Erde messen; es bildet ein längliches Viereck mit einem Opferaltar im innern Raum...
    (Visbeker Braut, Spr. 952)
    2. Die sogenanntenKellersteine, welche aus 8 Stück nahe zusammen liegenden Steinen bestehen
    (Ahlhorner Kellersteine, Spr. 939), und
    3. ähnliche Steinmassen an den Auwiesen.

    b. Kirchspiel Wildeshausen
    4. Das Denkmal der Glaner Gemeinheit. Es besteht aus 3 Abteilungen großer Steine von Granit, wovon ... 2 Abteilungen jede ein längliches Viereck, die dritte aber einen runden Haufen bildet.
    (Glaner Braut, Spr. 948-950)

    c. Kirchspiel Dötlingen
    6. In der Dötlinger Gemeinheit 6 große Steine ungefähr 6 Fuß lang und 4 Fuß breit. Sie liegen in einer Reihe auf anderen Steinen.
    (Schießstand, Spr. 945)
    7. Im Dötlinger Holze, unweit Aschenbeck, liegen 7 ziemlich große Steine in einem runden Kreise...
    (Gerichtsstätte, Spr. 945)
    8. Nordseits in Dötlingen auf einem Kampe liegen 2 große Steine, welche auf 4 anderen Steinen ruhen und quer darüber gebauet sind
    (Steinberg, zerstört), und endlich
    9. nicht weit davon 4 große Steine, welche ebenfalls auf anderen ruhen.
    (?)

    d. Kirchspiel Hatten
    10. Das Denkmal bei Schohusen...  Im innern Raum dieses Denkmals, das auch ein längliches Viereck bildet, sieht man den Opfer-Altar am besten konserviert. Auf 2 großen Steinen ruht in schräger Richtung der noch größere Deckstein, und das ganze sieht einem Feuerheerde nicht unähnlich...
    (Steenberg, Spr. 926)
    11. Mehrere große Steine bei Dingstedt

    Amt Ganderkesee.
    Kirchspiel Ganderkesee
    12. Ein Hügel an der Heerstraße von Oldenburg nach Delmenhorst hinter Steinkimmen mit 25 Stück großer Steine bedeckt. (Barenkamp, zerstört)
    13. Ein Hügel in der Steinkimmer Gemeinheit mit 60 Stück großer Steine belegt
    (Hünensteine 2, Spr. 928) und
    14. ein anderer Hügel hinter diesem ebenfalls mit mehreren großen Steinen belegt.
    (Hünensteine 1, Spr. 927)

    Auf der Grenze der beiden Ämter Kloppenburg und Friesoythe.
    16. Das Denkmal an der Marke bei der Bischofsbrücke. Drei große Steine bilden zusammen eine Höhle von 19 ½ Fuß Länge und 7 ½ Fuß Breite. Der erste Stein, ein Dreieck, der an zwei Seiten 7 Fuß lang, unten 5 Fuß breit und 2 Fuß dick ist, ruhet auf 2 anderen großen Steinen. Der zweite Stein 9 Fuß lang, 7 Fuß breit und 4 ½ Fuß dick ruhet ebenfalls auf zwei großen Steinen. Der dritte Stein 12 Fuß lang und 8 ½ Fuß dick ruhet auf 4 anderen Steinen. (Teufelssteine, Spr. 959)

    Amt Vechta.
    Kirchspiel Visbeck
    17. Nahe bei der Stüvenmühle in der Bauerschaft Endel stehen 2 Reihen großer Felsblöcke in einer Länge von etwa 60 Schritt aufgestellt. An der westlichen Seite befindet sich ein von ungeheuren Granitblöcken gemauerter und bedachter Keller... (Visbeker Bräutigam, Spr. 936)  Nahe bei diesen Steinmassen findet man Reste ähnlicher Gebäude, die jedoch weit unvollständiger sind. (Spr. 937-940)
    Zu diesen Riesenwerken gehört ein im Garten des Zellers Engelmann zu Endel liegender Stein von seltener Größe.
    (Heidenopfertisch, Spr. 974)

    Amt Damme.
    21. Eine viertel Stunde von Damme an der Landstraße nach Vörden liegen die sogenannten  Hünensteine, drei große Granitblöcke, die auf mehreren Untersteinen ruhen (Hünenkampsteine, Spr. 978). Endlich
    22. in der offenen Feldmark hinter Dalingen liegen 42 Stück ähnlicher Steine, die jedoch zum Teil von ihren Unterlagen abgesunken, zum Teil sichtbar von der Stelle gerückt sind. Der Raum, den sie einnehmen ist 43 Schritt lang und 12 Schritt breit.
    (Stappenberg, Spr. 980 ?)

    Amt Löningen.
    In diesem Amte sind sieben Denkmäler vorhanden, die teils ihrer besonderen Form und Gestalt, teils auch des alten Namens wegen, den einige von ihnen führen, erhalten zu werden verdienen.... (sie werden nicht namentlich genannt)

    Im folgenden Text beschreibt Sello u.a., welche Maßnahmen zum Erhalt der Denkmäler angeordnet wurden. „Die vorzüglichsten steinernen Monumente sind in ihrer nächsten Umgebung zu bepflanzen, und mit einem Erdwall einzufriedigen“. Um die Denkmäler herum sollte aber eine Breite von ca. 10 - 20 Schritt unbepflanzt bleiben. Ferner wurde 1820 angewiesen, die in Privatbesitz befindlichen Denk-mäler möglichst durch Landtausch für den Staatsbesitz zu erwerben oder ggf. auch in bar zu vergüten (z.B. wurden später 200 Goldtaler für den Heidenopfertisch gezahlt).
    Besondere Erwähnung fanden die Großsteingräber „an der Bischofsbrücke“ (Kloppenburg), die Hünensteine an der Straße Damme-Vörden und in der Feldmark bei Dalinghausen (Damme), das Denkmal in Benstrupper Mark (Löningen), das Monument bei der Stüvenmühle (Vechta).

    Am 30.7.1847 wurden vom Forstmeister Negelein nochmals schützenwerte Denkmäler der Vorgeschichte aufgelistet, wobei aber immer nur die bereits oben genannten Gräber Erwähnung finden.

    Interessant ist das von Sello als Anlage B an seinen Bericht angehängte Verzeichnis und die am 26.10.1847 datierte Liste von Nieberding.
    Sello zitiert weiterhin verschiedenen Schriftverkehr zwischen den Forstämtern, Ämtern, Gemeinheiten und der Regierung, bei denen es zwischen 1847 und 1872 um einen Ahlhorner Steinkeller, die Erdmannsteine, weiterer Ahlhorner Hünensteine, Hünensteine zwischen Lindern und Werlte, die Schlingsteine, zwei Steindenkmäler bei Varnhorn und eine vierte Steingruppe bei der Glaner Braut ging.

    1873 begannen damals noch ergebnislose Verhandlungen über das Pestruper Gräberfeld, 1875 wurden zwei Altertumsdenkmäler im Garen-Marrener Fuhrenkamp und das Großsteingrab von Bakenhus (für 150 Mark) und 1876 zwei Steindenkmäler in Varnhorn-Siedenbögen vom Staat übernommen. Die Ahlhorner Kellersteine, die „Kellersteine“ beim Langen Berge und das Grab am Bokeler Berg wurden 1878 aufgekauft. Diese Käufe wurden vom Oberkammerherrn von Alten angeregt, der die Altertumsforschung im Herzogtum Oldenburg leitete.

    In einer Bekanntmachung vom 14.3.1881 wurden Grabungen an den im Besitz der Forstverwaltung befindlichen Steindenkmälern unter Strafe gestellt.

    1893befanden sich die folgenden Steindenkmale des Altertums im Eigentum des Staats:
    -  Steinkimmen:        die Hünensteine bei Neerstedt (?)
    -  Steinkimmen:        die Hünensteine im Horn (Hünensteine, Spr. 929?)
    -  Stenum:                  das Denkmal bei Stenum (Hohe Steine, Spr. 930)
    -  Garen:                    der Hohe Stein bei Garen  (Hoher Stein, Spr. 963/964)
    -  Lindern:                  die Hünensteine bei Lindern  (Schlingsteine, Spr. 961)
    -  Lindern:                  die Hünensteine bei Liener  (Herrensand, Spr. 962)
    -  Peheim:                 das Denkmal bei Bischofsbrück (Teufelssteine, Spr. 959)
    -  Sandhatten:           das Denkmal bei Schohusen (Steenberg, Spr. 926)
    -  Damme:                 das Hünengrab bei Neuenwalde (Hünenkampsteine, Spr. 978)
    -  Endel:                     das Denkmal bei der Engelmanns Bäke (Heidenopfertisch,Spr. 974)
    -  Varnhorn:               das Denkmal auf der Mühlenhöhe (Mühlensteine, Spr. 976)
    -  Varnhorn:               die Schmeersteine (Spr. 977)
    -  Dötlingen:              die Gerichtsstätte (Spr. 945)
    -  Ahlhorn:                  das Denkmal bei Bakenhus (Spr. 932)
    -  Ahlhorn:                  die Kellersteine am Langenberg (?)
    -  Ahlhorn:                  der Visbeker Bräutigam (Spr. 936)
    -  Ahlhorn:                  die Kellersteine am Bokelerberge (Bakler Berg, Spr. 933)
    -  Ahlhorn:                  die Kellersteine am Schietelberge (zerstört)
    -  Bargloy:                  die hohen Steine bei Spasche (Spr. 956)
    -  Glane:                     die Glaner Braut (Spr. 948-950)
    -  Holzhausen:           die Visbeker Braut bei Steinloge (Spr. 952)
    -  Pestrup:                 die großen Steine von Pestrup (Gr. St. v. Kleinenkneten, Spr. 957)
    -  Thölstedt:               das Denkmal von Thölstedt (Hohe Steine am Fehlenberge, Spr. 953)

    1850 wurde in Oldenburg der Altertumsverein gegründet, der aber nie richtig aktiv wurde. 1875 konstituierte sich der Oldenburger Landesverein für Altertumskunde, der die folgenden „megalithischen Denkmäler“ kaufte, um sie vor Zerstörung zu bewahren:
    - Steindenkmal bei Lastrup, angekauft 1884 für 150 Mark (Auf dem Sonderling, Spr. 969)
    - Hünensteine in den Ottenkämpen, Damme, angekauft 1884 für 270 Mark
    (Spr. 979)
    - Hexenstein in Wehe, Dötlingen, angekauft 1881 für 135 Mark (solitärer Findling)

     

    Beilage A.    Berichte der Ämter.

    1. Verzeichnis der Altertümer im Amte Ganderkesee (jetzt zum Amte Delmenhost gehörig) (Anlage zum Berichte des Amtes vom 27.5.1819)
    3. Bei Steinkimmen liegen auf 4 Stellen zusammengebrachte große Feldsteine, worunter einige von bedeutender Größe sind.
    a. An den Ländereien der Wilke Poppe und Tönjes Osterloh und der Heerstraße liegen auf uneingewiesenen Herrschaftlichen Gründen 25 Stück.
    (Spr. 928)
    b. An dem Lande des Hinr. Wiechmann und dem Kimmer Felde, der Horn genannt, liegen 26 Stück.
    (Spr. 927)
    c. Südöstlich vom Kimmer Felde, Horn genannt, liegen 5 Stück in der Kimmer Gemeinheit.
    (Spr. 929)
    d. Auf dem Kimmer Felde, der Barenkamp genannt, liegen auf des Eilert Stalling Lande 23 Stück.
    (Barenkamp, zerstört)
    4. Bei Stenum auf dem Felde in der Gegend nach dem großen Mittelhoop zu liegen ... 21 Steine.
    (Spr. 930)
    5. Auf dem Ganderkeseer Felde nördlich von diesem Dorfe liegen auf Gerd Winklers Lande 6 Stück Steine. Es waren vormals mehrere dort.
    (Ganderkesee, zerstört)

    2. Amt Steinfeld (jetzt zum Amt Vechta gehörig), 1819, Juli 8.
    Im Umfang des Amtes befinden sich, soviel demselben bekannt, nicht andre Denkmäler des Altertums als:
    1. Im Kirchspiel Steinfeld ... in der Nähe des Bökerberges ... einige Steine, welche die Eingesessenen noch Hünensteine nennen, die aber schon zerstreut umher liegen und nur die Überbleibsel von mehreren nach und nach wahrscheinlich schon weggebrachten zu sein scheinen.
    (Bökenberg, zerstört)
    Ansonsten sind nur noch Bohlenwege verzeichnet.

    3. Amt Kloppenburg, 1819, September 17.
    ...Merkwürdiger ist das Denkmal ... bei der Bischofs-Brücke..., aus drei großen Steinen beste-hend, welche zusammen eine Höhle bilden, von 19 ½ Fuß lang und von 7 ½ Fuß breit. Der erste Stein, ein Dreieck, der an zween Seiten 7 Fuß lang, unten 5 Fuß breit und 2 Fuß dick ist, ruhet auf 2 anderen großen Steinen. Der zweite Stein, 9 Fuß lang, 7 Fuß breit und 4 ½ Fuß dick, ruhet ebenfalls auf zwei großen Steinen. Der dritte Stein, 12 Fuß lang und 8 ½ Fuß dick, ruhet auf 4 anderen Steinen.
    (Teufelssteine, Spr. 959)
    Es folgt eine kurze Abhandlung über den Ursprung der Steindenkmäler, wobei folgende Sätze besonders interessant sind:
    ... Noch eingrößeres Denkmal wie jenes findet man im Börger Walde, im Meppen’schen, das aus 60 Steinen besteht. ... Gewöhnlich werden sie Hühnen-Steine genannt, von dem alten Worte Hühne oder Todten, und höchst wahrscheinlich decken sie die Asche eines in der Schlacht gebliebenen großen Mannes, nebenher dienten sie auch zum Opfern. ... 

    4. Amt Wildeshausen, 1819, September 27.

    Dem verehrlichen Auftrage Herzoglicher Kammer zufolge verfehlt das Amt nicht, berichtlich anzuzeigen, dass auch in dem hiesigen Amtsdistrikte mehrere Monumente angetroffen werden, deren Entstehung ... vielleicht in der Vorzeit fernste Zeiten fällt. ... viele schon sind so verwittert und zum Teil versunken, daß es schwer ist in ihnen ein Denkmal wahrzunehmen. ... um so erfreulicher und wünschenswerter muß es dennoch sein, auch diese Gerippe der Werke unserer Ahnen zu hegen und zu bewahren,...
    ... Monumente ... alle einfach und von Steinen. Hölzerne Bilder ... findet man hier nicht, und die Toten-urnen, ... können aber nicht hierhergezählt werden, weil für ihre Erhaltung sorge zu tragen unmöglich ist...

    1. Kirchspiel Wildeshausen

    Südlich vom Dorfe Glane ... sieht man 3 Abteilungen von großen Steinen ... sind nicht nur von grleichmäßiger Form, sondern auch regelmäßige Reihen bildend, ausgeführt. ... Die ganze Abteilung enthält 51 Steine.
    (Glaner Braut 1, Spr. 948)
    ... die zweite Abteilung ... und 35 Steine von Granit bilden ein gleiches längliches Viereck... (Glaner Braut 2, Spr. 949)
    Die 3. Abteilung ist ein runder Kreis zusammengebrachter Steinmassen ohne Form und Ordnung...
    (Glaner Braut 3, Spr. 950)
    Eine besondere Benennung dieses Monumentes ist dem Amte nicht bekannt geworden.
    2. Kirchspiel Dötlingen
    weniger Merkwürdig sind die Denkmäler dieses Kirchspiels.
    a) ... nordwärts hinter dem Lehmkuhlschen Roggenhofe ... 6 große Steine, ungefähr 6 Fuß lang und 4 Fuß breit. Sie liegen in einer Reihe auf anderen Steinen, die nicht ganz zu sehen sind.
    (am Schießstand, Spr. 944)
    b) ... unweit Aschenbeck liegen 7 ziemlich große Steine in einem runden Kreise...
    (Gerichtsstätte, Spr. 945)
    c) Nordseits in Dötlingen auf einem Kampe bei Schwartings Hause liegen 2 große Steine, welche auf 4 anderen Steinen ruhen und quer darüber hergebaut sind.
    (Steinberg, zerstört)
    d) Endlich auf des Neubauers Heinrich Sprung Kampe bei Dötlingen sind 4 große Steine, welche auf anderen ruhen.
    (Spr. 943 oder 947 ?)
    3. Kirchspiel Hatten
    Nur ein Denkmal, der Erhaltung würdig, ist hier zu merken. Hier findet man Gestalt und Form wieder, wie sie oben bei dem Glaner Denkmale beschrieben sind. Zwischen Schohusen und den Ostrittrumer Sandwehen ... 40 Steine in allem bilden dieses Denkmal.
    ... zwei große Steine stützen einen größeren Stein, welcher in schräger Richtung aufgestellt steht ... gleichwie ein Feuerheerd, welches wichtig sein möchte auch für die Deutung. Alle Steine sind von Granit.
    (Steenberg, Spr. 926)
    4. Das Kirchspiel Huntlosen
    hat keine Denkmäler aus alter Zeit aufzuweisen.
    5. Das Kirchspiel Großenkneten
    enthält außer den sog. Keller-Steinen am Tauwege in der Ahlhorner Gemeinheit,die in 8 großen nahe zusammenliegenden Steinen bestehen (Spr. 939), und ähnlichenSteinmassen in Erdmanns Auwiese, bei Engelmanns Bäke und hinter Stocks Brinke ein sehenswertes Monument, eines der schönsten dieses Amtes, die sog. Visbeker Braut.
    Dieses Denkmal, mit regelmäßig aus der Erde hervorstehenden Steinen ein längliches Viereck bildend, befindet sich in der Ahlhorner Gemeinheit hinter Steinloge... Das Denkmal hält im Umkreise etwa 200 Schritt und besteht aus 30 Granitsteinen, mehrenteils von ausgezeichneter Größe, von denen noch nicht eine so große Anzahl versenkt oder umgesunken ist... und verdient, in dieser öden Heidfläche das einzige Werk der Kunst, einer besonderen Berücksichtigung.
    (Visbeker Braut, Spr. 952)

    Große Steine ... finden sich mehrfach noch in diesem Amte, bei Dingstedt, bei Kleinenkneten und zwischen Lohmühle und Wildeshausen auf der Kleinenkneter Heide.
    Was nun die Geschichte dieser Denkmäler angeht,...  Charakteristisch bleibt es immer, daß alle diese gewaltigen Steinmassen eine übereinstimmende Form an sich tragen,...  dass alle diese großen Vierecke in ihrem inneren Raum einen engen Kreis von großen Steinen besaßen, und dass sie mehrenteils auf einer, wie es scheint künstlichen Anhöhe gebaut sind. ... daß für einen gemeinschaftlichen Zweck sie sämtlich bestimmt gewesen,...
    ... die Vermutung, als wären diese großen Ganitblöcke durch Überschwemmungen einer früheren Zeit von den Thüringer Bergen heruntergerollt,... wiederlegt wird.
    Welch ein Zweck aber dieser gemeinschaftliche gewesen, ob religiöse Bräuche,... die den Opferaltar vorstellen sollen oder sie Verwaltung der Rechtspflege, wie man hier aus dem Namen Dingstedt, ... folgern will, oder ob sie zu allgemeinen Volksversammlungen gedient, ist bisher unerforscht.

    5. Amt Zwischenahn (jetzt zum Amt Westerstede gehörig), 1819, November 11.
    Von solchen Monumenten der Vorzeit ... ist ... im hiesigen Amtsdistrikte keine Spur mehr vorhanden.

    6. Amt Vechta, 1820, Januar 24.
    Zu den merkwürdigsten Denkmälern der Vorzeit im hiesigen Amte gehören:
    Kirchspiel Visbeck
    2. Nahe bei der Stüvenmühle in der Bauernschaft Endel, Kirchspiels Visbeck, findet man zwei Reihen großer Felsenblöcke, aufgestellt in paralleler Richtung von Westen nach Osten, etwa 60 Schritte lang, und eingefasst von einem etwa 3 Fuß breiten Erdwall. An der westlichen Seite befindet sich ein, von ungeheuren Granitblöcken gemauerter und bedachter Keller. Nach den, vor demselben liegenden umgestürzten Steinen zu urteilen lag dieser Keller anfänglich in der Mitte dieses Gebäudes. In diesem Keller sowie auch in dem Erdwall sind verschiedene Urnen gefunden worden.
    (Visbeker Bräutigam, Spr. 936) (Diese Aussage ist anzuzweifeln, da im Bräutigam bisher nie gegraben worden ist.)
    Einige hundert Schritte von diesen Massen findet man ... andere Reste ähnlicherGebäude (Spr. 937-940)... Nach Osten hin zieht sich halbkreisförmig eine große AnzahlUrnenhügel um diese Werke der Vorzeit herum. In Ansehung der Bauart kommen sie ganz mit der weit merkwürdigern sogenannten Visbeker Braut und den Steinmassen bei Eneglmannsbäke überein....
    Zu diesen Riesenwerken gehört ein im Garten des Zellers Engelmann zu Endel liegender Stein von seltener Größe.
    (Heidenopfertisch, Spr. 974)
    (Es folgen Vorschläge wegen Erhaltung dieser Denkmäler.)

    7. Amt Damme (jetzt zum Amt Vechta gehörig), 1820, März 15.
    In dem Amtsdistrikt, und zwar im Kirchspiele Damme, gibt es ... zwei sogenannte Hünensteine, die das Amt in Gemäßigkeit des verehrlichen Rescriptes nachstehend beschreiben, und diese Beschreibung mit dem ohnmaßgeblichen Vorschlage zur Erhaltung und Einfriedung derselben begleiten wird.
    III. Die sogenannten Hünensteine ... liegen eine viertel Stunde von Damme, an der Westseite der Landstraße von Damme nach Vörden, und etwa 200 Schritt davon entfernt...
    Drei große Steine (Granit-Blöcke) in Rücksicht ihrer Größe von verschiedenen Abstufungen, liegen in einer Reihe von Westen nach Osten hart beieinander, und ruhen auf anderen Steinen, die in regelmäßigen teils zirkel- teils ovalförmigen Kreisen, nach der Figur der Oberlagen, denselben zur Unterlage dienen, und so hoch sind, daß zwischen den aufliegen-den Steinen und der Erde fast allenthalben ein Raum von drei Fuß Höhe sich befindet.
    (Hünenkampsteine, Spr. 978)
    Mehrere Steine liegen zerstreut in der Nähe, die wahrscheinlich zu dem Ganzen gehört haben...
    IV. In der offenen Feldmark hinter Dalinghausen,... nahe an der Steinfelder Markengrenze, liegen eben solche Steine, ... nur sind sie nicht so wohl erhalten, sondern zum Teil von ihren Unterlagen abgesunken, zum Teil versunken, auch mehrere sichtbar von der Stelle gerückt. ... Steine, 42 an der Zahl, ... und der Raum, den sie auf offenem Felde einnehmen, hat eine Länge von 43 und eine Breite von 12 Schritt.
    (Stappenberg, Spr. 980 ?)
    (Es folgen sodann Vorschläge wegen Erhaltung, Einfriedung und Bepflanzung dieser Denkmäler.) 

    8. Amt Löningen (jetzt zum Amt Kloppenburg gehörig), 1820, August 24.
    ... Solche Massen gibt es hier ... viel; aber beiweiten die meisten scheinen (abgesehen davon, daß sie als historische Hilfsquellen wohl ihren Wert haben mögen) übrigens unbedeutend. ...
    ... Dem Altertumsforscher und Historiker möchte es der Mühe Wert erscheinen, darunter nachgraben zu las-sen; wenngleich es leicht auch möglich ist, dass sie unter sich nichts enthalten, und dass sie unsere heidni-schen Vorfahren nur als Opfertischen oder zu sonst einem Bedürfnis oder Zeichen dabei zu haltender Ver-sammlungen gedient haben.
    Solche Steinmassen befinden sich hier im Amte ... zehn: 4 im Kirchspiel Lindern, 5 im Kirchspiel Lastrup und 1 im Kirchspiel Löningen.
    Aber sie aufzubauen und zu bepflanzen, das möchte ... durchgehends nicht wohl mehr aufführbar sein,  weil ... deren Eigentümer sie nach Bedürfnis fortschaffen oder auch sprengen werden, um sich deren unter ihren Gebäuden als Lagersteine zu bedienen.
    Dies ist wirklich der Fall schon mit dem einzigen im Kirchspiele Löningen, der in der ... Benstruper Mark ... liegt
    (zerstört?), ... sowie vier im Kirchspiel Lastrup, wovon zwei in dem herrschaftlichen Oldendorfer Fuhrenkampe... liegen (Spr. 968 und ?), und schon so bewachsen sind, dass sie kaum mehr aufzufindenstehen. Zwei liegen in der ... Oldendorfer Mark ... und ein dritter liegt in einem Teile ... des Lastruper Esches, Sünderlingen genannt... (auf dem Sonderling, Spr.969)
    Im Kirchspiel Lindern finden sich vier solcher Steinaggregate, wovon die sog.
    Schlingsteine (Spr. 961) ... und die sog. Hohensteine (Spr. 963/964), zwischen ... Wachtum und Marren, die hauptsächlichsten sind. Doch liegen auch noch zwei große Steine, Hünensteine genannt, in der gemeinen Heide zwischen ... Lindern und ... Liener. (Herrensand, Spr. 962)
    Ein vierter, Heilige Stuhl genannt, zwischen Osterlindern und der Bauernschaft Groß Ging in der gemeinen Heide scheinet völlig unbedeutend und besteht lediglich in einem 4 –5 Fuß langen, ...auf ein Paar kleinere ruhenden Steine.
    (unbekannt)
    (Es folgt hier Bericht wegen der Bepflanzung dieser Altertumsdenkmäler.)

    Das in Anlage B angehängte Verzeichnis (hauptsächlich Mittelalter) und die am 26.10.1847 datierte Liste von Nieberding habe ich hier weggelassen.


    Abschließender Kommentar von B. Rothmann:
    Es fällt auf, dass heute erheblich mehr existierende und zerstörte Großsteingräber bekannt sind, als im Bericht Sellos aufgelistet werden. Einige wenige der genannten Megalithanlagen sind heute verschwunden (z.B. Barenkamp, Bökenberg, Benstrup, Heiliger Stuhl), und einige wenige kann ich nicht zuordnen: z.B. Ahlhorn am Langenberg, ein Dötlinger Grab und die Hünensteine bei Neerstedt, was aber vor allem daran liegt, dass die Beschreibungen ungenau sind oder dass die Ortsnamen heute nicht mehr eindeutig zuzuordnen sind. Evtl. sind sie auch restlos zerstört worden.


 
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