40. Großsteingräber in Ostholstein - Sierhagen und Ratekau

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

237. Sierhagen I (283)

238. Sierhagen II (284)

263. Sieversdorf (245)

264. Gronenberg (246)

265. Offendorf (247)

266.  Ratekau

285. Luschendorfer Steinkiste

  

(die 200er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)


Wie auch im in den anderen Teilen von Ostholstein sind die hier beschriebenen Großsteingräber in keiner Weise touristisch erschlossen und zum größten Teil nur während der vegetationslosen Periode zu betreten. Sie liegen fast ausnahmslos mitten in Ackerflächen ohne jede Zuwegung und sind zum Teil darüber hinaus noch stark mit Gebüsch zugewachsen. Die z.T. stattlichen Grabhügel wuren von den Landwirten genutzt, freigepflügte Feldsteine dort abzulagern, so dass z.T. nicht mehr eindeutig festzustellen ist, was verlagerte Umfassungssteine und was bezugslose Feldsteine sind. Alle Gräber sind stark zerstört und lohnen einen Besuch nur für echte Megalithfans. Ausnahme ist das Grab in Pöppendorf!


237. Großsteingrab Sierhagen I = Altenkrempe I, nördlich von Sierhagen, (++), Sprockhoff-Nr. 283

Es handelt sich um eine ca. 7,5 m lange Steinkammer, deren Hügel noch gut zu erkennen ist. Fünf Decksteine, die beiden Abschlusssteine und bis auf zwei sollen alle Tragsteine noch erhalten sein. Zwei Decksteine am Westende und zwei südöstliche Tragsteine weisen Näpfchen (Schälchen) auf. Leider ist nicht das gesamte Grab und nicht alle Näpfchensteine zu sehen, weil vor Jahren eine große Eiche umgestürzt ist und jetzt quer über dem Grab liegt.
 


Einige der noch sichtbaren Tragsteine (oben links) und ein Näpfchenstein, dahinter das Chaos aus Gebüsch unter der umgestürzten Eiche.


Der zweite Näpfchenstein. 

Um  zum Grab zu kommen muss man vom Gut Sierhagen aus einen Feldweg nach Norden nehmen, der zwischen den Wirtschaftsgebäuden hindurchführt, und der für PKWs gesperrt ist. Ich habe vor Ort nachgefragt, und man erlaubte mir die Durchfahrt. Man folgt dem schnurgeraden Feldweg ca. 1 km, dann liegt rechts im Feld das Grab. Schon nach ca.  m sieht man übrigens ebenfalls rechts einen Grabhügel, der aber kein Großsteingrab ist.

Position: Garmin: N 54° 08,481', O 10° 46,921', GoogleEarth: 54° 08' 26,44" N, 10° 46' 51,05" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


238. Großsteingrab Sierhagen II = Altenkrempe II, südwestlich von Sierhagen, (+), Sprockhoff-Nr. 284

Laut Sprockhoff soll es sich um ein 24 x 7 m großes Hünenbett handeln, in dem eine Holsteinische Kammer mit 6 m Länge liegt.Das Grab ist stark zerstört und insesondere am Westende kaum noch zu erkennen. Hier wurden vermutlich auch viele Fremdsteine abgelegt, die vom Acker aufglesen wurde. Von der Kammer ist der Eingang noch zu erkennen, alle Decksteine wurden fortgeschafft. Am Westende wurde im bereich des Hügels ein Hochsitz errichtet, und als ich das Grab besucht habe, war die Anlage stark von Wildschweinen zerwühlt.

 

 


links die Reste der Grabkammer, rechts im Vordegrund Umfassungssteine des Hünenbettes, darüber sind einige Tragsteine der Kammer zu sehen. Im Bild unten ist ein chaotischer Steinhaufen am Westende des Grabhügels zu sehen, bei dem nicht zu erkennen ist, ob es Steine des Megalithgrabes sind, oder zusammengetragene Feldsteine.
Eine konkrete Überprüfung des im Sprockhoffschen Atlas der Megalithgräber dargestellten Rissbildes war mir nicht möglich. Es sah jedoch so aus, als ob alle dort dargestellten Steine noch vorhanden sind.

Man kann das Grab nur mit dem Fahrrad erreichen, oder man muss per PKW ein Durchfahrtverbot ignorieren (was ich nicht empfehle). Dazu fährt man südlich um den Sierhagener Gutsteich herum bis am südlichsten Punkt ein für PKW gesperrter Feldweg nach Süden abgeht. Diesem folgt man ca. 1,5 km, bis man eine Bachniederung erreicht. Rechts liegt oben auf dem Acker das Großsteingrab.

 
Position: Garmin:
N 54° 06,855’, E 10° 45,600’, GoogleEarth: 54° 06' 51,07" N, 10° 45' 36,46" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


263. Großsteingrab Sieversdorf, westlich von Sieversdorf, (-), Sprockhoff-Nr. 245

Dieses Grab ist sehr stark zerstört und eigentlich nicht mehr als Großsteingrab zu erkennen. Auffällig sind die vielen Feuersteinabschläge im Grabesbereich, z.T. mit Krakelee (Feuereinwirkung).

Um zum Grab zu  gelangen, folgt man dem Kalberkrogsredder, der direkt südlich von Sieversdorf nach Westen geht, bis in den Wald hinein. Die wenigen Steine des Grabes liegen auf einer kleinen Anhöhe nordnordwestlich vom Eintritt des Weges im Wald.

Position: GoogleEarth: 54° 11' 53,79" N, 10° 32' 29,37" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


264. Großsteingrab Gronenberg, nordöstlich von Gronenberg, (-), Sprockhoff-Nr. 246

Von diesem Grab existieren nur noch kümmerliche Reste: 5 Tragsteine und 1 Deckstein. Ob es ein erweiterter Dolmen oder ein Ganggrab gewesen ist, kann aus dem heutigen Befund nicht festgestellt werden.
Im Vergleich mit der Sprockhoff-Skizze von 1933 ist der nordwestlichste Steine weiter nach Norden verlagert worden.

Das Grab liegt nordöstlich von Gronenberg, westlich des Waldes Neukoppel, direkt an der Straße von Stubbenberg nach Stawedder.

Position: Garmin: N 54° 02,904', E 10° 42,929', GoogleEarth: 54° 02,905' N, 10° 42,930' O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


265. Großsteingrab Offendorf, südlich von Offendorf, (-), Sprockhoff-Nr. 247

Von diesem Langbett sind nur noch ein 57 x 15 m großer Erdwall und einige wenige Steine erhalten. Der Hügel befindet sich im Flurstück Steenrehmen, aber da er mitten in einer durch Elektrozäune abgesperrten Pferdekoppel liegt, ist er nicht zugänglich.

Position: GoogleEarth: 53° 55,846' N, 10° 46,309' O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


266. Großsteingrab Ratekau, an der Ratekauer Wehrkirche, (+)

An der Südwestecke des Waldes Beutz wurde 1979 bei Feldarbeiten ein Großsteingrab entdeckt, das noch im selben Jahr archäologisch untersucht wurde. Der erweiterte Dolmen war von seinen Erbauern in die Erde eingetieft worden und hatte im Laufe der Jahrhunderte seine Decksteine eingebüßt, der vermutlich irgendwann beim Pflügen freigelegt und weggeschafft worden war. In der Gruft wurden zwei männliche Skelette entdeckt, deren Grabbeigaben (Beile, Pfeilspitzen und eine Bernsteinperle) anzeigten, dass diese Toten erst ca. ein Jahrtausend nach der Errichtung des Dolmens beigesetzt worden waren. Funde aus der Entstehungszeit des Grabes wurden nicht gemacht.
1980 wurde das Grab an seinen jetzigen Standort vor der Wehrkirche von Ratekau verlegt, wobei zwei neue Decksteine aufgelegt wurden.

Auf der Infotafel wird das Grab als erweiterter Dolmen eingestuft, für mich zeigt es aber große Ähnlichkeit mit den Steinkisten von Anderlingen und Farven.
Auch das Grab in
Grammdorf hat einen ähnlichen Aufbau aus relativ schmalen Tragsteinen.
Steinkisten sind typisch für die Übergangszeit zwischen Jungstein- und Bronzezeit. Sie erinnern vom Aufbau noch an die größeren Großsteingräber, aber in diesen Kisten war nur jeweils eine Person bestattet.
Dadurch würde sich auch erklären, warum keine Funde aus der Trichterbecherzeit gemacht wurden.

Das Grab liegt auf der Wiese unmittelbar vor der Wehrkirche in Ratekau.

Position: Garmin: N 53° 56.945', E 10° 44.172', GoogleEarth: 53° 56,948' N, 10° 44.172' O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


285. Luschendorfer Steinkiste, neben dem Museum zeiTTor in Neustadt/Holstein, (-)

Im Garten des Museums zeiTTor in Neustadt/Holstein wurde die Luschendorfer Steinkiste wieder aufgebaut, die ursprünglich auf dem Vesperberg bei Luschendorf gestanden hatte. Ein Tragstein wurde dabei entfernt, damit man in die eigentlich völlig geschlossene Kammer hineinsehen kann.
Es handelt sich um die in Ostholstein seltene Grabform aus der Bronzezeit. Die Kammer ist ca. 50 cm hoch und innen 1m breit. Sie besteht aus 5 dicht stehenden Trägern und einem Deckstein. Bei der Ausgrabung befand sich eine bauchige, mit einem Deckel verschlossene und mit Leichenbrand gefüllte Urne in der Kammer. Oben in der Urne lag eine Nadel mit Vasenkopf, zwischen dem Leichenbrand ein gebogenes Rasiermesser. Die Kammer ist im Garten des Museums wiederaufgebaut, ein Träger beiseite gestellt, um einen Einblick in das Innere zu gewähren.
Vor einigen Jahren musste die Kammer noch einmal umgesetzt werden, als das Museum umgebaut wurde.

heutige Position Google Earth: N 54° 06.582', E 10° 48.969'
Position Luschendorf Google Earth: N 54° 00.200', E 10° 43.000'
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

 

 
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