39. Großsteingräber in Ostholstein - östlicher Teil

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

204. Lensahn (277)

205. Süssau I (278)

206. Süssau II (279)

207. Siggen

208. Eiskellerberg

209. Kellenhusen 1 (280)

210. Kellenhusen 2 (281)

211. Kellenhusen 3

212. Dahme (282)

213. Cismar (285)

283. Langhügel Manhagen

 

(die 200er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)


Wie auch im westlichen Teil von Ostholstein sind die hier beschriebenen Großsteingräber in keiner Weise touristisch erschlossen und zum größten Teil nur während der vegetationslosen Periode zu betreten. Sie liegen fast ausnahmslos mitten in Ackerflächen ohne jede Zuwegung und sind zum Teil darüber ninaus noch völlig mit Gebüsch zugewachsen. Alle Gräber sind stark zerstört und lohnen einen Besuch nur für echte Megalithfans.


204. Großsteingrab Lensahn, nordöstlich von Lensahn, (-), Sprockhoff-Nr. 277

Angeblich soll hier einmal ein Hünenbett gelegen haben, von dem aber bereits 1942 alle Umfassungssteine entfernt worden waren. Ich meine, dass man unmittelbar nach der ersten sanften Kurve rechts vom Waldweg noch den Rest des ehemaligen Langhügels sehen kann; Steine sind aber keine mehr vorhanden; eine Kammer konnte ich nicht identifizieren. Bis auf den Hügel ist das Grab total zerstört, auch wenn Sprockhoff es noch mit einer Nummer in seinen Atlas aufgenommen hat.
Wenn man von Schwienkuhl die Lehnsahner Straße nimmt, liegt dieser Hügel im ersten kleinen Wäldchen rechts der Straße.

Position: Garmin: N 54° 13,680', O 10° 54,888', GoogleEarth: 54° 13' 41,38" N, 10° 54' 52,17" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


205. Großsteingrab Süssau I, nordöstlich von Süssau, (-), Sprockhoff-Nr. 278

Das Grab liegt auf einem kleinen Hügel mitten im Feld und wird von einer großen Eiche beschattet. Auch wenn der Hügel rund ist, habe ich den Eindruck, als sei vor langer Zeit der nördöstliche Teil des Grabes weggepflügt worden. Insofern ist das Grab heute in desolatem Zustand, nur aus der Risszeichnung geht hervor, dass die Grabkammer noch in Ansätzen erkennbar ist. Sprockhoff nimmt an, dass die Kammer einmal 4 x 1,5 m groß gewesen ist.
Ich habe zwei zusätzliche Steine vorgefunden, die in der Sprockhoff/Schwiegerschen Skizze von 1935 nicht verzeichnet waren.

Beide Süssauer Gräber liegen nördlich der Campingstraße in Süssau in zwei Äckern, die durch einen Entwässerungsgraben getrennt sind. Es gibt keine Zuwegung, und somit sind sie nur während der vegetationslösen Zeit zu besichtigen.

Position: Garmin: N 54° 16,851’, E 11° 04,220’; Google Earth: 52° 16' 51,07" N, 11° 04’ 13,46” O
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206. Großsteingrab Süssau II, nordöstlich von Süssau, (-), Sprockhoff-Nr. 279

Das zweite Süssauer Grab ist genauso zerstört wie das erste. Auch hier ist die Kammer nur noch durch zwei in situ liegende Tragsteine erkennbar. Der größte Tragstein weist 10 Keilmarken auf, ist aber nicht zerteilt worden. Dafür ist der westlichste Stein nach 1965 in drei Teile zerbrochen, Bohrlöcher oder Meißelmarken konnte ich nicht erkennen. In der Sprockhoff/Schwiegerschen Skizze von 1965 wird der Stein noch als unversehrt dargestellt.
Sprockhoff deutet die Kombination von langem und kurzem Träger als Hinweis auf einen Dolmen.
Ich habe 6 zusätzliche Steine vorgefunden, die von ihrer Größe her durchaus zum Grab gehören könnten und m. E. keine Lesesteine vom Acker sind.
Das Grab ist extrem von großem Gebüsch durchwachsen, dessen Wurzelwerk bestimmt inzwischen die archäologischen Befunde stört.

Position: Garmin: N 54° 16,861’, E 11° 04,343’; Google Earth: 54° 16’ 51,11” N, 11° 04’ 20,77” O
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207. Großsteingrab Siggen, nordöstlich von Süssau im Großen Holz (-)

Das Grab wird im Atlas der Megalithgräber von Sprockhoff zwar erwähnt, hat aber keine Nummer erhalten. Es liegt ca. 100m nordwestl. von 279 in einem Wald, der aus Naturschutzgründen nicht betreten werden darf.
Es handelt sich um ein ca. 50 m  langes und 6 m breites Hünenbett, bei dem der etwa in Ost-Westrichtung verlaufende Hügel nur noch angedeutet ist, und bei dem die Spitzen einiger Umfassungssteine aus dem Boden ragen. Ich habe 48 Steinspitzen gezählt, wobei leider nicht zu erkennen war, wie groß diese Steine tatsächlich waren. Von einer Grabkammer bzw. von Decksteinen war nichts zu erkennen. Ein Steinbruchstück wies eine Sprengbohrung auf, d.h. das Grab ist definitiv als Steinbruch verwendet worden.
Ich habe das Grab im September 2012 grob vermessen; die Ergebnisse sind in der Skizze unten wiedergegeben. Alle Steine stecken tief im Boden, so dass ohne Grabung nicht zu ermitteln ist, ob es sich bei den herausschauenden Steinspitzen tatsächlich um Umfassungssteine handelt. Ich habe alle Steine eingezeichnet, die ohne Werkzeug nicht zu bewegen waren. Nach meiner Messung war das Hünenbett ca. 50 m lang, zwei große Steinfragmente liegen eindeutig außerhalb des Hügels. Von einer Grabkammer ist nichts zu erkennen.
 

Position: Garmin: N 54° 17,080', E 11° 04,472', GoogleEarth: 54° 17' 04,77" N, 11° 4' 26,67" O
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208. Eiskellerberg, nördlich von Siggeneben (+)

Der Eiskellerberg bei Siggeneben wird bei Wikipedia als jungsteinzeitlicher Grabhügel eingestuft. Im Gruber Heimatmuseum wird er als bronzezeitlich bezeichnet. Leider habe ich noch keine Literatur gefunden, die klare Verhältnisse schafft.
Er ist ein beachtlicher runder Grabhügel, der ca. 6 m hoch und 30 x 50 m groß ist. Da er auf einem kleinen Höhenrücken errichtet wurde, dominiert er mit seinem Baumbewuchs das Gelände.
Er zählt zu den größten Grabhügeln im Kreis Ostholstein.
Leider wurde der archäologische Befund dieser Grabhügels vor vielen Jahren gründlich zerstört, als die Besitzer des in der Nähe gelegenen Gutes Augustenhof einen sog. Eiskeller im Hügel anlegten, der in Form eines überdimensionierten Brunnenschachtes senkrecht von oben ind den Hügel hineingegraben wurde (Foto unten). Heute steht der Grabhügel unter Denkmalschutz.

Position: GoogleEarth: 54° 15' 39,13" N, 11° 2' 42,09" O

Für Geocacher: In der Nähe dieses Grabhügels gibt es den Geocache GC4H0D1 (www.geocaching.com)


209. Großsteingrab Kellenhusen 1, nordnordwestlich von Kellenhusen (-), Sprockhoff-Nr. 280

Auch dieses Grab ist stark zerstört und besteht nur noch aus 9 wild herumliegenden Steinen. 3 von ihnen sind vom Wurzelwerk einer großen Buche überwachsen und nur noch teilweise zu sehen. Sprockhoff hat das Grab als kurze Holsteiner Kammer tituliert, aber ich kann aus den umhergewürfelten Steine keine Ordung mehr ableiten.
Man findet das Grab, wenn man von der K 50, die von Dahme nach Cismar führt, kurz hinter Gruberhagen in den zweiten Waldweg des Guttauer Geheges nach Süden wandert. Nach ca. 70 m geht nach links ein mit hohem Gras bewachsener Fahrweg ab, an dem nach ca. 50 m rechts das Grab liegt.

Position: Garmin: N 54° 12,556', E 11° 02,986', GoogleEarth: 54° 12.553' N, 11° 2.885' O
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Für Geocacher: In der Nähe dieses Großsteingrabes gibt es den Geocache GC53B28 (www.geocaching.com).


210. Großsteingrab Kellenhusen 2, nordöstlich von Kellenhusen (-), Sprockhoff-Nr. 281

In Sprockhoffs Atlas der Megalithkultur findet man eine Zeichnung von 1930, in der das Grab als kleine Kammer ohne Decksteine, aber mit allen 8 Trägern dargestellt ist. Sprockhoff hatte es als erweiterten Dolmen eingestuft. Die Lage des Grabes ist eindeutig beschrieben, aber ich habe an dieser Stelle nur noch zwei Tragsteine vorgefunden. Ich nehme an, das Grab ist dem Ausbau des Rad- und Wanderweges auf dem Hochufer zum Opfer gefallen.
Man findet diese beiden Steine, wenn man dem Weg von Kellenhusen nach Dahmeshöved entlang dem Ostseeufer folgt, bis sich die von Bäumen und Gebüsch bewachsene Fläche verbreitert. Kurz davor stehen links neben dem Weg die beiden verbleibenen Tragsteine.

Position: Garmin: N 54° 11,710', E 11° 04,616', GoogleEarth: 54° 11' 42,70" N, 11° 4' 36,88" O
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211. Großsteingrab Kellenhusen 3, nordöstlich von Kellenhusen

Südlich von Grab 281 soll eine Steinanhäufung im Meer liegen, die man nur bei extremem Niedrigwasser sehen kann. Z.B. am 10.12.11 war sehr niedriger Wasserstand, aber die Steine waren trotzdem nicht zu sehen, ich kann deshalb z.Z. nichts zu dieser Steinanhäufung sagen. Es ist anzunehmen, dass die Steine unterhalb der Warnbake liegen, die an besagter Stelle verankert ist (roter Kreis auf dem Foto rechts). Es soll sich nach alten Aufzeichnungen um ein Großsteingrab handeln.

Position: ?
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212. Großsteingrab Dahme, nordöstlich von Kellenhusen (++), Sprockhoff-Nr. 282

Es handelt sich bei diesem Grab um ein 4,5 x 27 m großes Hünenbett mit 2 querstehenden Grabkammern, wobei die gesamte Anlage jedoch einen stark zerstörten Eindruck macht. Aber immerhin ist die rechteckige Umfassung noch recht gut zu erkennen, und man sieht ebenso deutlich, dass es einmal zwei kleine Grabkammer gegeben hat, die beide das Hünenbett etwa in drei gleichgroße Teile teilen. Beide Kammern dürften quer im Hünenbett gelegen haben, wobei die südliche Kammer eher an eine Steinkiste mit einem 2,70 x 1,70 m großen Deckstein erinnert. Sprockhoff bezeichnet beide Kammern als erweiterte Dolmen.
Seit Sprockhoff das Grab besucht hat, ist ein Deckstein der nördlichen Kammer abhanden gekommen, dafür konnte ich mindestens 4 zusätzliche Umfassungssteine erkennen, und mehrere andere mittelgroße Feldsteine, die in der Sprockhoff-Skizze nicht verzeichnet sind.
Im Hünenbett stehen heute vier große Eichen und zahlreiche Hollunderbüsche, wobei letztere der Übersichtlichkeit sehr abträglich sind. Das Grab liegt mitten im Dahmer Moor auf Privatgrund, weshalb es der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

 

Position: Garmin: N 54° 11,903', O 11° 04,650', GoogleEarth: 54° 11' 54,07" N, 11° 4' 39,23" O
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213. Großsteingrab Cismar, westlich von Cismar, (-), Sprockhoff-Nr. 285

Das Auffälligste an diesem kleinen Grab ist sein gut erhaltener, kreisrunder Hügel, auf dem oben noch einige verbliebene Trägersteine herausragen. Sprockhoff stufte das Grab als kleine, dolmenartige Kammer ein, und viel größer dürfte es auch kaum gewesen sein.
Drei Träger sind noch gut zu erkennen, alle anderen Steine sind zum größten Teil in der Erde verborgen. Ich schätze die Kammer auf 0,6 x 3 m Innenmaße, der Hügel hat einen Durchmesser von ca. 14 m.
Das Grab scheint heute etwas anders auszusehen als 1935. Gegenüber der Skizze bei Sprockhoff konnte ich zwei Steine nicht mehr erkennen, dafür ragten vier andere Steine aus dem Boden, u.a. der sehr große westliche Stein (im Foto vorn).
Das Grab soll 1914 wissenschaftlich untersucht worden sein.
Man findet das Grab, wenn man unmittelbar südlich von Cismar nach links durch Kattenberg und Schwienhagen fährt. Direkt von Bökenberg liegt rechts ein Wald. man folgt dem Waldweg, bis sich der Wald nach links, d.h. nach Norden erweitert, und folgt dem nach Norden abgehenden Waldweg, bis fast zu dessem Ende. Dort liegt rechts gut sichtbar der Hügel.

Position: Garmin: N 54° 11,597', O 10° 56,698', GoogleEarth: 54° 11' 35,41" N, 10° 56' 43,43" O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps


283. Langhügel Manhagen (LA 41), südlich von Manhagen, (+)

Zwischen den Dörfern Sievershagen im Westen und Manhagen im Norden liegt ein mächtiger Langhügel. Nach Aussagen des Schleswig-Holsteinischen Landeamtes für Denkmalpflege handelt es sich dabei um ein neolithisches Bauwerk.
n Hügel. E.W. Bötel hat den Hügel 1963 vermessen und die Maße 52 x 19 m, bei einer Höhe von 3,8 m, ermittelt.
Ob sich in dem Hügel ein megalithisches Großsteingrab befindet, ist nicht bekannt. Es kann sich auch um ein sog. kammerloses Hünenbett (engl. earthen long barrow) handeln. Dies könnten nur Untersuchungen klären, die bisher nicht stattgefunden haben.
In beiden Fällen, ob megalithisch oder nichtmegalithisch, handelt es sich um einen neolithischen Bestattungsplatz.
Nichtmegalithische, kammerlose Hünenbetten sind eine besondere Grabhügelform, die von Großbritannien über Dänemark bis Polen vorkommen. In Ihnen wurden statt Findlingen Holz verbaut, das inzwischen vergangen ist.

 


Fotos: Oben auf dem Hügel (ganz oben), Blick von Norden (links) und von Westen (rechts

Position: Garmin: N 54° 10.900’,  E 010° 55.110
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C: Bernd Rothmann - Seite erstellt 2011, derzeitige Version Nr. 4 - zuletzt geändert 10.10.2014 - Fotos von 2011-14 - bisherige Besucher: