auch heute gibt es noch Vandalen


    In früheren Jahrhunderten war die Geest eine extrem arme Gegend. So wundert es nicht allzu sehr, dass immer wieder Raubbau an den Großsteingräbern getrieben wurde, die eine billige Quelle wertvollen Steinmaterials waren. Auch war natürlich der Umwelt- bzw. Denkmalschutzgedanke damals so gut wie garnicht ausgeprägt.

    In heutiger Zeit ist das aber eindeutig anders, und so verwunde(r)t es den Megalith-Fan immer wieder, wenn er auch heute noch auf frische Zerstörungen an den unter Denkmalschutz stehenden Anlagen stößt. Einige Beispiele sind hier aufgeführt:


    Großsteingrab Reckumer Steine, Sprockhoff-Nr. 812
    Vatertag 2012 wurde eine Gruppe junger Leute angetroffen, die in ihrem Bollerwagen die abgerissene Infotafel der Reckumer Steine mit sich führten. Sie behaupteten zwar, das Schild, das mit zahlreichen Aufklebern überklebt war, gefunden zu haben, aber nichts desto Trotz war das Schild von Rabauken gewaltsam aus seiner Befestigung (8 Metallnieten) am Metallpfahl abgerissen worden.

    Dies ist kein Einzelfall, denn in den letzten Jahren sind auch die Infotafeln (Aluminium) von den Mühlensteinen, den Schmersteinen, den Hohen Steinen und von der Visbeker Braut, allesamt Großsteingräber in der Wildeshauser Geest, gestohlen worden.

     


    Großsteingrab Haltern = "Slopsteine" = "Sluppsteine", Sprockhoff-Nr. 917
    Bei diesem Großsteingrab weist ein Deckstein seit 2007 an der Unterseite starke Abplatzungen auf, weil dort von bösartigen Vandalen ein großes Lagerfeuer entzündet wurde. Dabei wurden auch mehrere Bäume in der Nähe des Grabes gefällt (
    --> Artikel in der NOZ).
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    Großsteingrab "auf dem Sonderling", nordöstlich von Lastrup, Sprockhoff-Nr. 969
    Es handelt sich um eine Steinkammer mit Resten einer ovalen Einfassung (25 x 6 m). Der größte Deckstein ist 3 x 2,2 x 0,8 m groß, hat oben drauf ein Bohrloch von einem nicht erfolgten Sprengversuch und an der Stirnseite eine schwach eingemeißelte Inschrift, die ich leider nicht entziffern konnte: "FB .... OLROTT     POSTERKAMP....   1907".
    Bei meinem ersten Besuch 2008 zeigten Rußspuren ganz deutlich, dass unter diesem Deckstein bereits mehrfach ein Lagerfeuer entzündet worden war. Beim Besuch am 13.6.2010 muss wieder einmal ein extrem heißes Feuer entzündet worden sein, denn jetzt hat der Deckstein einen kleineren und einen großen, durchgehenden Sprung erlitten, und auch ein Tragstein ist von der Hitze des Feuers gerissen. Wenn in den nächsten Wintern Wasser in die Risse eindringt und gefriert, ist zu fürchten, dass diese Steine zerbrechen werden.
    Ich würde gerne wissen, was derartige Idioten dazu bewegt, ihr Feuer ausgerechnet in einem 5000 Jahre alten Bodendenkmal anzuzünden.
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    Große Steine von Kleinenkneten, Hünenbett 2, zwischen Wildeshausen und Kleinenkneten, Sprockhoff-Nr. 958
    Als einziges bekanntes Megalithgrab in Niedersachsen weist diese Steinsetzung drei Grabkammern auf. Die nordöstliche Kammer 1 ist ein Ganggrab mit 12 Trag- und 2 Decksteinen und schönem Eingang nach Südosten.
    Am 6.8.10 hatte jemand größere Mengen Brennholz unter dem großen Deckstein dieser Kammer gelagert, das umgehend entfernt wurde. Es blieb nur zu hoffen, dass die Kammer ledilich als Lagerraum genutzt wurde, um das Holz für ein späteres Lagerfeuer an anderer Stelle trocken zu halten, und dass das Holz nicht unter dem Deckstein verbrannt werden sollte. In der Kammer selbst war glücklicherweise keine Feuerstelle zu erkennen, allerdings war der gesamte Kammerboden von Holzsplittern besäht, die beim "Holz machen" entstanden sein müssen.
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    Holzhauser Kellersteine 2, westlich von Wildeshausen, Sprockhoff-Nr. 955
    Diese Kellersteine befinden sich in desolatem Zustand. Sie liegen in einem Gebüsch direkt an einem Feldrand und alle Decksteine fehlen. Es ist leider keine Ausschilderung vorhanden, die diesen "Steinhaufen" als Großsteingrab kenntlich macht.
    Im Frühjahr 2007 hatte ich Vertiefungen im Grabbereich gefunden, die so aussehen, als wären dort kürzlich große Findlinge entnommen worden
    (Fotos ganz unten). Andererseits waren aber keine Schleif- oder Reifenspuren im unmittelbaren Grabbereich zu erkennen so dass unklar ist, wie die Steine weggeschafft wurden.
    Seit 2007 ist das Grab unverändert, d.h. es sind keine weiteren Steine mehr gestohlen worden.
    In der Skizze unten links sind die fehlenden Steine mit einem X markiert, in der Skizze unten rechts sind sie gelb eingefärbt. M. Fansa hat in seinem Buch (siehe Quellen) ein älteres, vergleichbares Foto, auf dem die Steine noch vorhanden waren (leider hat das Foto keine Jahresangabe).

     

 
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