Auszüge aus den Aufzeichnungen des Generals Wardenburg

    Wilhelm Gustav Friedrich Wardenburg (1781 - 1838) war großherzoglich oldenburgischer General-Major und begeisterter Altertumsforscher und Sammler.
    Aus seiner Publikation "Beyträge zur alten Geschichte der Herzogthums Oldenburg  und über die physische Beschaffenheit derselben" aus dem Jahr 1823 möchte ich folgende Zusammenfassung über Großsteingräber wiedergeben:

    Kap. II, Monumente aus dem Heidenthum

    Wardenburg schreibt, dass "unser Land reich an diesen ehrwürdigen Denkmälern aus der Vorzeit" sei, und dass man "an den colossalen Granitblöcken (Hünensteinen) in unseren Haiden, regelmäßig zusammengestellt und aufeinandergetürmt,...die Begräbnisse, die Gerichtsstätten, Volksversammlungsplätze und Opferaltäre unserer alten Vorfahren" erkennt. Er freut sich, dass "diese Riesenwerke, die seit länger als einem Jahrtausend der allzerstörenden Zeit getrotzt haben" "durch obrigkeitliche Verfügung für die fernere Erhaltung dieser Monumente gesorgt ist 1), die uns so lebhaft an das Volk erinnern, das seine Selbstständigkei schon damals gegen fremde Herrschaft durch Tapferkeit zu erhalten wußte."
    "Alle Denkmäler sind gleichförmig,; entweder bilden diese Steinmassen durch regelmäßige Reihen ein längliches Viereck oder es liegen mehrere in einem Kreise, auf denen ein anderer noch größerer ruht, erstere sind nach ihrer muthmaßlichen Bestimmung ... als Gerichtsstätten, letztere als Opferaltäre bezeichnet."
    Wardenburg beschränkte sich darauf, die drei bedeutendsten zu beschreiben und einige andere namentlich aufzuführen:

    1) Das Denkmal bei Engelmanns Bäke
    Er nennt es das "unstreitig erheblichste und merkwürdigste aller derartigen Monumente dieser Gegend, ...seiner colossalen Maße und Ausdehnung nach". ... "Es ...liegt in einer dem Auge entnommenen Niederung in der Haide ... und besteht aus hundert und einigen dreißig Steinmassen, an welchen nördlich und südlich, doch nicht parallel, zur Seite noch ungewöhnlich colossale Steinmassen, zum Theil auf Unterlagen gebracht, angetroffen werden." ... "Wahrscheinlich in Verbindung oder Bezug mit diesem Hauptmonumente, befindet sich andererseits des Baches ... unter einer Partie doch nicht sehr alten Eichen, ein platter, großer, vielleicht zum Opferaltare gedienter Stein, auf mehreren, teils größeren, teils kleineren Steinmassen ruhend ... Opfertisch genannt."

    2) Die sogenannte Visbecker Braut 2)
    "Dieses Denkmal, mit regelmäßig aus der Erde hervorstehenden Steinen, ein längliches Viereck bildend ... hält im Umkreise etwa 200 Schritt und besteht aus 75 Granitsteinen, mehrerentheils von ausgezeichneter Größe, von denen noch nicht eine so große Anzahl versenkt oder versunken ist... Im inneren Raum diese Vierecks sieht man ebenfalls diese Steinmassen, doch sehr zerstört und verwittert. Auf einer Höhe liegend, ist das Monument aus der Ferne sichtbar und verdient in dieser öden Haidfläche das einzige Werk der Kunst, einer besonderen Berücksichtigung."

    3) Das Monument bei der Bischofs-Brücke
    "Merkwürdig ist das Denkmal ..., aus drei großen Steinen bestehend, welche zusammen eine Höhle bilden ... Der erste Stein, ein Dreieck, ... ruht auf zwei anderen großen Steinen. Der zweite Stein ... ruht ebenfalls auf zwei großen Steinen. Der dritte Stein ... ruht auf 4 Steinen.
    (Ich habe hier im Wesentlichen die Größenangaben in Fuß weggelassen)

    Die übrigen sehenswerten Monumente
    4) drei Abteilungen bei Glane, Amt Wildeshausen
    5) eine bei Schohusen, Amt Wildeshausen
    6) zwei Abteilungen bei Steinkimmen am Weege nach Delmenhorst, Amt Ganderkesee
    "Die Monumente bei Dingstädt, davon in von Halmes Geschichte Oldenburgs Erwähnung geschieht, sind keine andere als diese bei Steinkimmen."
    7) eine auf dem rechten Ufer der Aue bei der "Stave" Mühle
    8) zwei zwischen Damme und Vörden an der Heerstraße, Amt Damme
    9) eine bei Darlinghausen, Amt Damme
    10) "Auf Veranlassung des Amtes Steinfeld sind auf dem Bökerberge bei Holthausen mehrere Hünensteine als Überbleibsel von Monumenten, zum Andenken des Sieges bei Leipzig, zusammengebracht worden." (Oldenburgische Blätter Nr. 20, 1817)

    Alle diejenigen dieser Monumente, die ein längliches Viereck bilden, haben ihre Richtung von Westen nach Osten.
    In Verbindung mit diesen Monumenten aus Granit stehen unzählige Grabhügel (Hünenhügel), die man allenthalben auf unserer uncultivierten Geest findet...
    Die Übersicht aller dieser Monumente und Grabhügel... führt zu der Vermuthung, daß der Strich, den die hohen Haiden von Ganderkesee, Wildeshausen, Visbek, Vechta und Damme bis ins Osnabrückische bilden, zum Hauptwohnsitz unserer alten Vorfahren gedient haben mag.
    ...viele der Granitmassen, die die Denkmäler des Alterthums bildeten, sind zu ökonomischen Zwecken verwandt worden. So z.B. sind die Steine des Monuments, das auf dem Kimmer Felde auf dem sogenannten Bärenkampe gestanden hat, zu dem Fundamente der Herzoglichen Begräbnis-Kapelle gebraucht.
    Sowohl in den meisten Hünengräbern als auch unter den Granitmassen, finden sich Urnen mit Asche, allerlei Gerätschaften und Waffen, worunter wir manche für Römische erkennen müssen.
    Dies wäre nun alles, was wir an Denkmälern von unseren alten heidnischen Vorfahren im Lande aufzuweisen haben...

    Aus diesen Zitaten können wir erkennen. dass die Großsteingräber früh im 19. Jahrhundert noch vordringlich als Opfer- und Versammlungsplätze angesehen wurden, obwohl Wardenburg auch den Begriff Begräbnisstätten verwendet. Seine einleitenden Worte über unsere Vorfahren sind unter dem Hintergrund der Napoleonischen Kriege zu sehen, an denen er maßgeblich mitgewirkt hat.
    Interessant ist in seiner Beschreibung auch, dass die meisten Großsteingräber damals noch gut sichtbar in freier Heide lagen, was man sich heute kaum noch vorstellen kann, weil derart viel aufgeforstet worden ist.
    Die letzte Aussage, dass in den "Granitmassen" römische Waffen gefunden worden seien, ist natürlich falsch. Auch der Hinweis auf die Urnen mit Asche muss sich allein auf die "Hünenhügel" oder auf Nachbestattungen bezogen haben.
    Wardenburg erwähnt die folgenden Großsteingräber:
    1) Denkmäler bei Engelmannsbäke: Sprockoff Nr. 934 - 937 (V. Bräutigam) und 974 (Heidenopfertisch)
    2) Visbeker Braut: Sprockhoff Nr. 952
    3) Bischofsbrück: Sprockhoff Nr. 959 (Teufelssteine)
    4) Glaner Braut: Sprockhoff Nr. 948 - 950, das Grab 951 war mutlich noch nicht als solches erkannt worden
    5) Schohusen: in Sandhatten gibt es den Hof Schohusen, es handelt sich wohl um Sprockhoff Nr. 926 (Steenberg)
    6) Steinkimmen: Sprockhoff Nr. 927 und 928
    7) Stave-Mühle: Sprockhoff Nr. 975 (Stüvenmühle)
    8) Damme: Sprockhoff Nr. 978 und 979
    9) Darlinghausen: vermutl. Sprockhoff Nr. 980 (am Stappenberg)
    10) andere Bezeichnung "auf dem Bökenberg"

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    1) Hier wird auch Bezug genommen auf die Bekanntmachung der Herzoglichen Kammer vom 13.4.1819, in der es untersagt wird, diese Denmäler zu zerstören.
    2) Wardenburg verweist bezüglich der Herkunft des Namens auf eine Sage, "die in Nro. 42 der Oldenburgischen Blätter vom Jahre 1818 mitgeteilt ist"

    die Textauszüge stammen aus der Abschrift des Originalmanuskriptes für das Großherzogliche Archiv von 1851, Seiten 30 - 38

 
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