19. Großsteingräber  im Emsland
Kreis Aschendorf-Hümmling 2 (Werlte / Spahn / Ostenwalde)

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

86. Hünenstein - Spahn I (827)

87. Steenberg - Spahn II (828)

88. Poldenhünensteine - Harrenstätte (829)

89. De Hogen Steener - Werlte (830)

90. Ostenwalde II (834)

91. Ostenwalde I (835)

(die 800er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)


86. Hünenstein - Spahn I, westlich von Spahn, (-), Sprockhoff-Nr. 827

Der Hünenstein ist ein sehr unspektakuläres Grab, das einen Besuch nur lohnt, wenn man von Spahn nach Werpeloh fährt, um die dortigen Gräber zu besichtigen. Seit Sprockhoff die Anlage 1926 skizziert hat, scheinen noch vier Steine hinzugekommen zu sein (in Skizze grün markiert.). Die beiden Abschlusssteine scheinen noch an ihrem Originalplatz zu liegen, deshalb soll die Kammer einmal 4,5 x 2,2 m groß gewesen sein. Das Ganze liegt in einem flachen, 17 x 15 m großen Hügel.
 
Von Spahn führt eine Landstraße (Veen) nach Westen nach Werpeloh. Einige hundert Meter westlich von Spahn liegt dann das Grab direkt rechts der Straße unter einigen Bäumen. Unmittelbar gegenüber liegt eine Güllegrube.
Position: Garmin:
N 52° 52,088’, E 7° 34,115’; Google Earth: 52° 52’ 05,25” N, 7° 34’ 06,81” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

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87. Steenberg -
Spahn II, nördlich von Spahn, (++), Sprockhoff-Nr. 828

Das Grab ist schwer zu erreichen, denn es liegt mitten in einem Feld (Foto links), in einem 30 x 10 m großen, flachen Hügel. Es sollte deshalb nur in Monaten ohne Ackerbau besucht werden. Das Grab macht einen stark zerstörten Eindruck, und die Ordnung einer Grabkammer ist nur sehr schwer zu erkennen. Diese Willkür wird noch größer, wenn man den Zustand, der 1926 von Sprockhoff vorgefunden wurde (obere Skizze) mit dem von heute vergleicht (untere Skizze). Sprockhoff zitiert eine Beschreibung Bödickers (1827), nach der ein regelmäßiger äußerer Steinring vorhanden sei. Dieser ist heute kaum mehr zu erkennen. Nach Bödickers Beschreibung könnte es sich bei dem Grab um eine sog. "westfälische Steinkiste" gehandelt haben. Interessanterweise sind im westlichen Teil des Grabes heute mehr große Steine zu sehen, als Sprockhoff sie verzeichnet hat. Der östliche Teil des Grabes (rechts von der türkisfarbenen Linie) scheint nahezu unverändert geblieben zu sein, wenn man davon absieht, dass der mittlere Deckstein heute zerbrochen ist (unten rechts).


Um das Grab zu finden, verläßt man Spahn nach Norden. Hinter einen kleinen Gehölz geht es rechts ab auf einen unbefestigten Feldweg. Das Grab ist von weitem an der mitten im Feld liegenden Baumgruppe zu erkennen.
Position: Garmin:
N 52° 52,646’, E 7° 35,308’; Google Earth: 52° 52’ 39,17” N, 7° 35’ 18,24” O
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88. Poldenhünensteine, nordöstlich von Harrenstätte, (+), Sprockhoff-Nr. 829

Die Poldenhünensteine sind ein kleines, hübsches Ganggrab mit einer 6 x 2 m große Kammer. Vermutlich gab es früher eine rechteckige Einfassung, von der aber nur noch 2 Steine erhalten sind. Der mittlere Deckstein und der östliche Abschlussstein wurden entfernt. Sprockhoff nimmt an, dass das Grab ursprünglich ein weiteres Joch im osten aufgewiesen hat.
Das Grab sieht heute noch genauso aus wie bei der Sprockhoff'schen Bestandsaufnahme 1926.


Man biegt im Nordosten von Harrenstätte von der Landstraße nach rechts auf einen durch den Wald führenden, befestigten Feldweg ab. Beim nächsten Gehöft fährt man bis zur Waldecke nach Norden. Das Grab liegt nur wenige Mester östlich am Waldesrand
Garmin:
N 52° 52,777’, E 7° 38,483’; Google Earth: 52° 52’ 46,80” N, 7° 38’ 23,37” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

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In Harrenstätte selbst muss es 1865 noch ein Großsteingrab mit 20 x 11 m großer Einfassung und dreigeteilter Grabkammer gegeben haben, von dem nichts mehr erhalten ist.


89. de hoogen Steener, nördlich von Werlte, (+++), Sprockhoff-Nr. 830

Bei diesem Grab ist die Kammer gut erhalten, die Steine der ehemals ovalen Einfassung sind aber größtenteils verschwunden. Es handelt sich wohl um das längste Großsteingrab im Emsland, denn die Gesamtanlage weist eine stattliche Länge von 29 m auf. 14 Decksteine sind noch vorhanden und die Reste des Hügels sind noch zu erkennen. Die Kammer muss wohl einmal von einer ovalen Einfassung umgeben gewesen sein, von der nur noch wenige Steine erhalten sind. Der Eingang in der südlichen Mitte ist noch angedeutet. Die 27,5 x 2 m große Kammer wurde 1906 bei einer Grabung ausgeräumt.
Als ich das Grab Mitte 2008 besuchte, war einer der 1926 von Sprockhoff eingezeichneten Steine (rosa) nicht mehr da, dafür war ein anderer Tragstein (grün) hinzugekomen. Ob es die gelb gezeichneten Steine heute noch gibt, kann man nicht erkennen, da sie tief im Boden verborgen sein müssen.

 

Man fährt von Werlte nach Norden in Richtung Rastdorf. Wenn links der zweite, große Wald beginnt, muss man nach links in den Feldweg abbiegen. Das Grab liegt nordwestlich von der nächsten Wegkreuzung im Wald.
Position: Garmin:
N 52° 52,794’, E 7° 40,940’; Google Earth: 52° 52’ 46,10” N, 7° 40’ 57,59” O
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90. Ostenwalde II, in Ostenwalde, (-), Sprockhoff-Nr. 834

Entsprechend der Angaben auf der Hinweistafel muss es sich einmal um ein Gangrab mit 8 Trägern, 2 Steinen an den Schmalseiten, 4 Decksteinen und einer Innenlänge von 5,8 m gehandelt haben. Der Hügel, mit dem das Grab ursprünglich bedeckt war, ist noch gut zu erkennen. Das Grab sieht heute noch genauso aus wie 1926, als Sprockhoff es katalogisierte.

 
Das Grab liegt an der südwestlichen Ecke des Sportplatzes, nördlich der Bundestraße. Anfahrtplan siehe 835.
Position: Garmin:
N 52° 50,292’, E 7° 38,000’; Google Earth: 52° 50’ 17,71” N, 7° 35’ 15,99” O
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91. Ostenwalde I, in Ostenwalde, (+), Sprockhoff-Nr. 835

Das vielbesuchte Grab lag ursprünglich unmittelbar westlich der Straßenkreuzung. Als die Bundesstraße 1971 verbreitert wurde, musste das Großsteingrab weichen. Es wurde im Sommer 1971 ausgegraben, genau vermessen, abgebaut und im Originalzustand 70 m weiter östlich wieder aufgebaut.
Das ursprüngliche Grab steckte in einem Hügel, in den vor Jahrzenten ein Erdkeller gegraben worden war, wobei auch die Grabkammer durchwühlt wurde. Nur ein Deckstein lag noch auf seinen Trägern, alle anderen waren in die Kammer abgerutscht. Die Kammer bestand aus 12 Träger-, 2 seitlichen Schluß-, 2 vollständigen Decksteinen und den Resten von 3 weiteren Decksteinen. Ursprünglich müssen es 6 Decksteine gewesen sein. Die Originalkammer wies über dem Bodenflaster die Innenmaße 8,90 x 2,40/1,80 m auf. Die Höhe war ca. 1, 60 m. Eine 60 cm breite Lücke zwischen zwei südlichen Tragsteinen bildete den Eingang. Vom Gang ließen sich weder Steinstandspuren noch Pfostenlöcher nachweisen. Alle Tragsteine waren an ihrer Innenseite bearbeitet, vier Tragsteine waren eindeutig durch Spaltung von zwei großen Findlingen in zwei Hälften gewonnen worden.
Die Tragsteine steckten unterschiedlich tief im Boden, damit sie oben die optimalen Auflagehöhen für die Decksteine bildeten. Die gesamte Kammer war beim Bau ca. 60 cm in den Boden eingetieft worden.
Der Boden der Kammer war mit einer doppelten Rollsteinpackung als Fußboden bedeckt, die wiederum mit Steingruß aus zerstoßenen Granitsteinen abgedeckt war. Im Westteil des Grabes war eine 30 x 35 cm große, rote Granitplatte Teil des Bodens.
Das Zwickelmauerwerk war z.T. sorgfältig aus gebrochenen Granitsteinen erstellt worden, damit die Innenseite glatt war.
Eine ringförmige Ansammlung kleinerer Steine in einem Abstand von ca. 2 m rund um die Kammer wird als Fundamentierung von Einfassungssteinen des Hügels gedeutet, wobei die eigentlichen Findlinge der Einfassung alle bereits früher entfernt worden waren.

Die Kammer wurde in Schichten ausgegraben, wobei ca. 250 kg Keramikscherben, größtenteils aus der Trichterbecherzeit, Bernsteinperlen, kleine Kupferteile,  Querschneider und Schaber aus Feuerstein und ein Feuersteinbeil gefunden wurden.
In der Kammer konnten Nachbestattungen mit Glockenbecher- und Riesenbecherkeramik nachgewiesen werden.
Bei der Grabung von 1971 wurden zuerst die Decksteine abgehoben, dann wurde die Kammer in Schichten ausgegraben. Zum Schluss wurden die Tragsteine mit einem Kran herausgehoben und ihre Standflächen untersucht.
Beim Wiederaufbau der Kammer am neuen Standort ergaben sich große Probleme, die Decksteine wieder stabil und sicher auf die Träger aufzulegen, dass man schließlich darauf verzichtete und statt dessen die Decksteine neben dem restaurierten Grab ablegte.  W.D. Tempel, der die Grabung leitete, stellte daraufhin die These auf, dass die jungsteinzeitlichen Bauherren vermutlich zuerst die Decksteine auf einem Sandhügel abgelegt und dann die Tragsteine darunter eingepasst hätten.
Die Kammer ist außen 12 x 5 m und innen 10,5 x 2,4 m groß, Trockenmauerwerk und Fußboden wurden wie beim Original wieder hergestellt
(siehe Foto ganz unten) (W.D. Tempel, Neue Ausgr. in Nds., Bd 12, 1978; M. Fansa, Neue Ausgr. in Nds., Bd 12, 1978).


Das Grab liegt heute einige Meter südöstlich der Straßenkreuzung etwas unter Bäumen versteckt.
Position: Garmin:
N 52° 50,236’, E 7° 35,391’; Google Earth: 52° 50’ 14,17” N, 7° 35’ 23,20” O
Der Weg zum Grab mit GoogleMaps

 

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Ostenwalde 3, nordöstlich von Ostenwalde
Bereits bei der Erstellung des Sprockhoff-Atlas fand man 1972 bei einer Bestandsaufnahme nur noch wenige Steine vor, die nicht für ausreichend erachtet wurden, um das Grab in die offizielle Sprockhoff-Liste aufzunehmen. Ich habe 2008 mit den Grundstücksbesitzern gesprochen, die mir mitteilten, dass inzwischen auch die letzten Stein verschwunden sind.
Position:
Google Earth: ca. 52° 50’ 29,14” N, 7° 35’ 43,02” O
Der Weg zum ehemaligen Grab mit GoogleMaps

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C: Bernd Rothmann - Seite erstellt 2008, derzeitige Version Nr. 4 - zuletzt geändert 4.2.13 - alle Fotos von 2008 - bisherige Besucher: